Kindheit im Pfarrhaus Promis mit "guter Kinderstube"
Die berühmteste deutsche Pfarrerstochter: Als sie acht Monate alt war, zog ihre Mutter mit Angela Kasner von Hamburg in die DDR - aus Liebe zu ihrem Mann, der in der kleinen brandenburgischen Gemeinde Quitzow seine erste Pfarrstelle übernommen hatte. Ihre Kindheit verbrachte Kasner in Templin in der Uckermark, wo sie auch ihren ersten Mann Ulrich Merkel heiratete.
Das Leben im Hause Kasner war humanistisch geprägt und durchaus politisch: Vater Horst gehörte dem Weißenseer Arbeitskreis an, der sich dem sozialistischen Gesellschaftsbild verbunden fühlte. Er erlaubte seiner Tochter, der FDJ beizutreten - hier ist sie beim Camping im Juli 1972 im brandenburgischen Himmelpfort zu sehen.
Doch auch Pfarrer Kasner hätte nicht vermutet, dass sein Kind...
...einst die mächtigste Frau Deutschlands sein würde. Hatte Angela Merkel zu Kinderzeiten noch häufig den Beruf ihres Vaters verschwiegen, ist die Bundeskanzlerin heute stolz auf ihre Familie - und auf die eigene Biografie, die ihr den Ruf als Freiheitskämpferin eingebracht hat.
Merkel bei ihrer Neujahrsansprache am 30. Dezember 2005 im Fernsehen.
Vom Gospelchor zum Pop-Himmel: In ihrer Jugend war Musik aus dem Radio tabu. Dafür durfte Katheryn Elizabeth Hudson, hier 2004, im Gospelchor der Pfingstgemeinde von Santa Barbara singen, in der ihre Eltern als Pfarrer arbeiteten. Mit 15 Jahren erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag, veröffentlichte zwei Gospel-Alben. Doch der Erfolg kam, als sie...
...den Mädchennamen ihrer Mutter annahm und als Katy Perry mit dem wenig christlichen Song "I Kissed A Girl" 2008 die Charts stürmte.
Wirklich schockiert über die Karriere ihrer Tochter konnten Perrys Eltern nicht sein - beide hatten eine wilde Hippie-Zeit hinter sich, bevor sie in der Pfingstgemeinde ihren Glauben fanden. Katys Mutter Mary, links, war Groupie von Jimmie Hendrix, ihr Vater Keith, rechts, verkaufte gemeinsam mit Hippie-Guru Timothy Leary LSD. .
Das irrende Gewissen Deutschlands: Wie kann aus einer Pfarrerstochter eine Terroristin werden? Immer wieder beschäftigte das Leben dieser jungen Frau (Foto von 1963) Soziologen, Politikwissenschaftler und Historiker.
Als eines von sieben Kindern wuchs sie im schwäbischen Bartholomä auf und wurde von Vater Helmut, einem Mitglied der Bekennenden Kirche, gegen rechtes Gedankengut geimpft. Der Pastor zeigte seinen Kindern Dokumentationen über KZs und äußerte sich kritisch gegen die Adenauer-Regierung. Der Vietnam-Krieg sorgte dafür, dass sich...
...Gudrun Ensslin der Studentenbewegung anschloss und mit anderen auf die Straße ging. Weil Worte nicht genügten, setzte Ensslin gemeinsam mit dem späteren RAF-Kollegen Andreas Baader zwei Frankfurter Kaufhäuser in Brand, wurde verurteilt und floh in den Untergrund.
Nach dem Richterspruch 1968 versuchte Gudruns Vater Helmut, das Verhalten seiner Tochter zu erklären. Im NDR-Magazin "Panorama" sagte er: "Was sie anzumahnen hat oder was sie sagen wollte, mit einem Mittel, das wir alle nicht gutheißen, ist doch dies: dass eine Generation, die im eigenen Volk, im Namen des Volkes, Völkermord, Judenmord, KZ erlebt hat, 1945 mit allen ordentlichen Leuten, vor allem auch den Kirchen und anderen Machenden, der Meinung war, dass nun nicht Restauration am Platze ist, sondern ein Neuanfang, Reformation, Neugeburt, und dass eine Hoffnung nach der anderen verschlissen worden ist."
Ensslin nach ihrer Festnahme in der JVA in Stuttgart-Stammheim, Juli 1972
Nazi-Ikone aus christlichem Haus: Er kam in Bielefeld zur Welt und zog 1913 mit seiner Familie nach Berlin, wo Vater Ludwig die Leitung der Nikolai-Kirche übernehmen sollte. Schon in jungen Jahren wurde der Knabe durch die Geschichten seines Vaters aus dem Ersten Weltkrieg beeinflusst, vor allem durch dessen Hindenburg-Verehrung und den Glauben an einen "heiligen Krieg". Die Vermischung von Religion und Politik hatte Einfluss auf den Pfarrersjungen, der 1926 als einer der Ersten der neu gegründeten NSDAP beitrat und...
...zum SA-Sturmführer aufstieg. Immer wieder trafen sich Kameraden im elterlichen Pfarrhaus. Horst Wessels "Weihelied" wurde zur Hymne der NSDAP.
Als er im Januar 1930 mit 22 Jahren in seiner Wohnung von Kommunisten angeschossen wurde und sechs Wochen später den Verletzungen erlag, stilisierte Joseph Goebbels ihn zum Märtyrer. Nach der Machtübernahme 1933 stieg das Wessel-Lied zur zweiten deutschen Nationalhymne auf, die mittlerweile verwitwete Mutter wurde als Heldin gefeiert.
Erlanger Pfarrerstochter in Hollywood: In den USA war sie vor allem auf die Rolle der heißen Blondine festgelegt. In Deutschland spielte diese junge Frau dafür umso häufiger die ehrenwerte Tochter aus gutbürgerlichem Haus. Dafür sorgte auch ihr familiärer Hintergrund: Als Elke Schletz wurde sie 1940 in Berlin geboren und wuchs im fränkischen Niedernhof bei Erlangen auf, wo Vater Peter die evangelische Gemeinde leitete. Nachdem sie 1958 bei einer Italien-Reise...
...durch Regisseur Vittorio de Sica fürs Kino entdeckt wurde, änderte sie ihren Namen in Elke Sommer - weil dieser für das internationale Kinopublikum leichter auszusprechen war.
Sie drehte in Italien, den USA und Frankreich. Und wurde in Deutschland vom Feuilleton als "Erlanger Pfarrerstochter" gefeiert. Heute arbeitet Sommer vor allem als Malerin, wobei viele Gemälde von der fränkischen Heimat inspiriert sind.
Elke Sommer in ihrem jüngsten Film "Das Leben ist zu lang", 2010
Der Pfarrerssohn, der keiner war: In seinem Elternhaus stand der Glaube an erster Stelle. Das lag daran, dass der Vater dieses kleinen Jungen nach dem Krieg seinen Kaufmannsberuf aufgab und sich ganz dem Blauen Kreuz verschrieb - der Suchtpräventionsgruppe der evangelischen Kirche. Als freier Evangelist hielt er Predigten und reiste durchs Land.
Der Einfluss des Vaters auf den Jungen war groß: Als Ewald Rau 1953 starb, erlitt sein Sohn, der als Verleger und freier Journalist arbeitete, nach eigenen Angaben eine Schreibblockade, "weil ich gedacht habe: 'Er liest es ja doch nicht mehr.'" Schließlich verließ er die schreibende Zunft und wurde...
...einer der beliebtesten Politiker Deutschlands - erst Ministerpräsident von Nordrhein-Westfahlen, später deutscher Bundespräsident. Seine Reden, die häufig Züge von Predigten hatten, brachten ihm den Beinamen "Bruder Johannes" ein.
Bis heute zählt der 2006 verstorbene Johannes Rau (Foto von 2005) zu den bekanntesten Pfarrerskindern Deutschlands - obwohl sein Vater streng genommen kein evangelischer Geistlicher war.
Erst Mormone, dann Rocker: Als er elf Jahre alt war, wurde Vincent Furnier in das Gemeindeleben der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" eingeführt. Sein Großvater war bereits Mormonenpriester, nun übernahm Furniers Vater das Amt des Laienpredigers in Detroit. Kirchenbesuche und Bibellektüre gehörten zum Alltag, das "Buch Mormon" lernte Furnier auswendig. Umso überraschender erschien sein Wandel zum Skandal-Rocker...
...Alice Cooper, der auf Bühnen mit Kunstblut schockt oder in Zwangsjacken auftritt. Cooper verteidigte seine Performances, indem er sie mit mittelalterlichen Moralitäten verglich - jenen christlich geprägten Theaterstücken, in denen die Bösen bestraft und die Guten belohnt werden. Seine Musik hatte Einfluss auf andere Hardrock-Größen wie Kiss oder Marilyn Manson (Foto von 2011).
Die Sängerin mit dem Keuschheitsring: Als sie zwölf Jahre alt war, bekam dieses Mädchen von ihrem Vater einen sogenannten Reinheitsring geschenkt. Damit nahm der konservative Baptistenprediger seiner Tochter das Versprechen ab, bis zur Hochzeit ihre Jungfräulichkeit zu behalten. Das Image der keuschen Frau hielt...
...Jessica Simpson auch zu Anfang ihrer Pop-Karriere aufrecht. Die Texte des 1999 erschienenen Album "Sweet Kisses" drehten sich um unschuldig-romantische und nicht um sexuelle Begegnungen.
Nach der Hochzeit mit Sänger Nick Lachey schrieb sie das Lied "The Sweetest Sin", in dem sie ihre erste Liebesnacht beschreibt. Heute arbeitet Simpson vor allem als Modedesignerin. Von Lachey hat sie sich übrigens getrennt - und auch ihre Eltern reichten 2012 ihre Scheidung ein.
Die zwei Leben des kleinen Albert: Wie schwer es ein Pfarrerskind auf dem Land haben kann, davon konnte dieser Junge berichten. Im oberelsässischen Keysersberg geboren, stach er durch die Arbeit seines Vaters als Gemeindepfarrer hervor und gab sich Mühe, zumindest optisch seinen Schulkameraden zu gleichen.
So schrieb ein späterer Biograf über ihn: "Im Haus fügte er sich ganz und gar den Kleider- und Verhaltensregeln der bürgerlichen Eltern, außerhalb des Hauses konnte er auch durch schwere Strafen zu nichts bewegt werden, das ihn irgendwie in Kleidung oder Habitus von der Dorfjugend unterschieden hätte." Später...
...studierte Albert Schweitzer Theologie und Medizin, bevor er nach Gabun in Zentralafrika zog und eine Missionsklinik gründete. Für sein vielfältiges soziales Engagement, vor allem aber auch für seinen Einsatz gegen Krieg und Atompolitik, bekam Schweitzer 1953 den Friedensnobelpreis.
Weihnachtskind und Metal-Sänger: Er wurde an Heiligabend 1945 im britischen Burslam geboren, sein leiblicher Vater war Feldkaplan bei der Royal Army. Doch die Eltern trennten sich, als dieser süße Junge drei Monate alt war. Und so wurde sein Leben weniger vom Gebet als von der Musik geprägt. Als Jugendlicher verehrte er die Beatles, später...
...wurde Ian "Lemmy" Kilmister selbst zu einer Rock-Größe - als Sänger der Metal-Gruppe Motörhead. Der Agnostiker setzt sich in seinen Liedern immer wieder kritisch mit kirchlichen Themen auseinander, etwa in "(Don't Need) Religion" oder "God Was Never On Your Side".
Der Schriftsteller-Rebell: In seiner Familie gab es viele Pfarrer, doch dieser junge Mann brach mit der Tradition und entwickelte sich zu einem der berühmtesten Religionskritiker Deutschlands.
Mit gerade einmal fünf Jahren verlor er seinen Vater Carl Ludwig, der als Pastor in Röcken in Sachsen-Anhalt tätig war. Durch Freunde des verstorbenen Pfarrers konnte der Knabe studieren, lernte evangelische Theologie und klassische Philologie und wurde...
...schließlich einer der wichtigsten Denker des 19. Jahrhunderts. Als freier Philosoph setzte sich Friedrich Nietzsche immer wieder kritisch mit dem Moralverständnis und der damit verbundenen christlichen Lehre auseinander. Berühmt geworden ist sein Satz "Gott ist tot".
Filme über Schuld und Sühne: Wenn er nicht gehorchte, musste er ohne Abendessen aufs Zimmer gehen oder wurde mit dem Teppichklopfer gezüchtigt. Das strenge Regiment in seinem Elternhaus beeinflusste...
...Ingmar Bergman auch als Erwachsenen. Der Pfarrersjunge arbeitete sich in zahlreichen Filmen an den Themenkomplexen Sünde, unterdrückte Sexualität und rigide Erziehung ab. Am deutlichsten in seinem Spätwerk "Fanny und Alexander", in dem zwei Kinder unter der strengen Hand ihres Stiefvaters - eines Bischofs - leiden. Bergman erhielt dafür 1984 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film (Foto von 2000).
Schreiben gegen das strenge Elternhaus: Seine Eltern waren Missionare, deshalb reiste die Familie immer wieder zwischen dem württembergischen Calw und Basel hin und her. Schon früh erkannte Vater Johannes das Sprachtalent seines Sohnes (links) und setzte alles daran, diese gottverliehene Begabung zu fördern - zum Wohle der Christenheit.
Der 15-jährige Junge wurde ans Priesterseminar nach Maulbronn geschickt, floh, beging einen Selbstmordversuch und wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Diese Erfahrungen...
Von links: Hermann Hesse, Vater Johannes, Schwester Marulla, Mutter Marie, Schwester Adele und Bruder Hans - Foto von 1889
...verarbeitete Hermann Hesse Jahre später als zu Ruhm gekommener Autor in seinem Roman "Unterm Rad". Immer wieder setzte er sich mit Spiritualität, asiatischer und christlicher Mystik auseinander, etwa im "Siddharta".
Queen of Soul: Die Karriere als Soul-Diva wurde diesem Mädchen in die Wiege gelegt. Ihr Vater Clarance war einer der bekanntesten Baptistenpriester des Landes, der seine Predigten millionenfach auf Schallplatte verkaufte. Seine Tochter sang erst im Chor der New Bethel Baptist Church in Memphis und veröffentlichte mit 14 Jahren ihr erstes Gospel-Album. Mit...
...der Single "I Never Loved A Man (The Way I Love You)" gelang Aretha Franklin 1967 der Durchbruch. Vor allem durch den Song "Respect" wurde sie zu einer der wichtigesten Stimme der Schwarzenbewegung. Sie besitzt 20 Grammy Awards und durfte bei der ersten Amtseinführung von Präsident Barack Obama singen (Foto von 2012).
Kirche im Pfarrhaus: Für diesen jungen Mann war die gesamte Jugend in Bremen von Kirchgang und Glauben geprägt. Heutzutage geht er nicht mehr zum Gottesdienst und erklärt: "Ich war meine ganze Kindheit lang in der Kirche, denn die fand auch bei uns zu Hause statt, zum Beispiel übte der Kirchenchor bei uns im Wohnzimmer." Berühmt wurde...
...Benjamin von Stuckrad-Barre durch sein Romandebüt "Soloalbum", das 2003 mit Matthias Schweighöfer und Nora Tschirner verfilmt wurde. Außerdem leitet er seit 2010 die Polit-Sendung "Stuckrad Late Night", die erst auf ZDFneo, seit 2012 unter dem Titel "Stuckrad-Barre" auf Tele 5 läuft.
Zum Heucheln ungeeignet: Er sollte als Kunsthändler in London und Paris sein Geld verdienen, doch er weigerte sich, vor seinen Kunden zu lügen. Heuchelei war in den Augen dieses niederländischen Pfarrerssohns Sünde - und musste vermieden werden.
Nachdem er aus seinem gutbezahlten Job entlassen wurde, arbeitete er als Hilfspfarrer und studierte Theologie - doch die Zeit in der Universität empfand er als großen Schwindel, "wo lauter Pharisäertum gezüchtet wird". Schließlich fand er...
...seine Bestimmung in der Malerei. Erst mit 27 Jahren entschied sich Vincent van Gogh zum künstlerischen Beruf, sein Bruder Theo übernahm als Kunsthändler den Verkauf der Bilder. Doch erst nach seinem Tod wurde Vincent van Gogh als Wegbereiter der Moderne gewürdigt, seine Gemälde erzielten Rekordsummen.
Bei diesem Foto handelt es sich vermutlich um das einzige Porträt van Goghs als Erwachsenen.
Glaube und Depression: Welche Auswirkungen hat die Religion auf die Psyche des Menschen? Mit dieser Frage setzte sich dieser Schweizer Psychiater auseinander - hier etwa 1909 vor der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.
Der Sohn eines reformierten Pfarrers hatte schon als Kind Probleme, das zu Hause gepredigten Gottesbild zu akzeptieren, das allein auf den Lehren der Kirche und nicht auf eigenen Erfahrungen beruhte. Auch als...
...angesehener Psychiater in Zürich schrieb Carl Gustav Jung, "dass keiner der mir bekannten Theologen 'das Licht, das in der Finsternis schien', mit eigenen Augen gesehen hatte".
Jung kritisierte vor allem das Protestantentum, weil es von einem Menschen ausgehe, der Gott schutzlos ausgeliefert sei. Anders als bei den Katholiken muss der Protestant seine Schuld direkt mit Gott verhandeln, "er muss seine Sünden allein verdauen". Dies führe zu psychischem Druck und könne seelische Leiden hervorrufen, meinte Jung.