Bestseller-Autor Stephen King - DER SPIEGEL
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Wie die Zeit vergeht mit... Stephen King

Er bescherte uns Albträume von Horror-Clowns und Killer-Bernhardinern: Stephen King ist der König des Gruselromans. Zur Feier seiner ersten Lesetour durch Deutschland erinnert einestages an Drogenexzesse, den Bestseller, den der Autor beinahe weggeworfen hätte - und den Tag, an dem King starb.
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1947

Die Anfänge: Stephen King war zwei Jahre alt, als sein Vater Zigaretten holen ging - und nie mehr zurückkehrte. Er reiste nach Südamerika, gründete eine neue Familie. Aber das erfuhr King erst Jahrzehnte später.

Stephen kam am 21. September 1947 in Portland, Maine, auf die Welt, das Bild zeigt ihn als Vierjährigen. Er wuchs gemeinsam mit seinem älteren Bruder Dave auf. Die Familie zog oft um, laut King war "die neue Wohnung meistens in einer mieseren Gegend als die zuvor". Schon als Kind fing er mit dem Schreiben an. Sein erster veröffentlichter Text, "Ich war ein jugendlicher Grabräuber", erschien 1965: eine Geschichte über Experimente eines verrückten Wissenschaftlers und riesengroße Killermaden.

Das Foto wurde uns von der Website stephenking.com  zur Verfügung gestellt.

Foto: Familienfoto
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1971

King wird König: 1970 beendete King sein Studium der englischen Literatur, doch einen Job als Lehrer musste er lange suchen. In der Zwischenzeit arbeitete er in einer Wäscherei, an einer Tankstelle, verkaufte Kurzgeschichten an Zeitschriften und heiratete im Januar 1971 Tabitha Jane Spruce. Die beiden hatten sich in einer Bibliothek kennengelernt.

Wenige Monate nach der Hochzeit wurde King als Englischlehrer in Hampden, Maine,angestellt. Noch immer lebte er mit seiner Frau in einem Wohnmobil, abends und am Wochenende tüftelte er an seinen Kurzgeschichten. Tabitha hatte größeres Vertrauen in seine schriftstellerischen Fähigkeiten als King selbst. Sein erster Entwurf zu "Carrie" landete im Müll. Er schrieb über ein pubertierendes Mädchen, in einer der Schlüsselszenen bekommt sie ihre erste Periode. "Von alldem hatte ich keine Ahnung, also schmiss ich es in den Papierkorb", sagte King 2012 dem SPIEGEL. Tabitha fischte das Manuskript aus dem Eimer und überredete King zum Weiterschreiben. Der Roman wurde sein Durchbruch.

Foto: REUTERS
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1977

Ein leerstehendes Hotel, ein Irrer mit einer Axt, ein Junge mit übersinnlichen Kräften: Auch Kings Roman "Shining" (1977) wurde ein Erfolg, er festigte Kings Ruf als Meister des Horrors. Stanley Kubrick verfilmte den Stoff mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. King war von dem Ergebnis enttäuscht und schrieb kurzerhand selbst ein Drehbuch für einen TV-Dreiteiler.

Nach den Erfolgserlebnissen mit "Carrie", "Shining" und "Brennen muss Salem" veröffentlichte King seine früher verfassten Romane unter dem Pseudonym Richard Bachman, darunter "Amok" (1977) und "Todesmarsch" (1979). Sie verkauften sich nicht schlecht, wurden jedoch vorerst keine Bestseller. Das änderte sich, als 1985 die Tarnung aufflog: Ein Buchverkäufer entdeckte Kings Namen in den Urheberrechtsunterlagen von "Amok". King ließ Bachman daraufhin an "Pseudonymkrebs" sterben. "Bachman war die Vampirseite meiner Existenz, die vom Sonnenlicht der Enthüllung getötet wurde", schrieb der Autor Jahre später.

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1980

Familienmensch: King und seine Frau haben drei Kinder, hier badet die Familie im Hauspool. Tochter Naomi Rachel ist Pfarrerin, die Söhne Joseph Hillstrom und Owen Philip arbeiten als Schriftsteller. King zog mit seinen Kindern häufig um, inzwischen verbringen er und seine Frau die Winter in Florida und den Rest des Jahres in Bangor, einer rund 33.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Maine. 1980 haben sie dort ein zweites Haus gekauft.

Die Gegend rund um diese Industriestadt ist das Zentrum von Kings Romanen, er selbst nennt es das "Stephen-King-Land". Für Touristen wird dort eine dreistündige King-Tour zu 30 Plätzen angeboten: Zu sehen gibt es unter anderem die Schreibstätten von King, sein Haus und Orte, die ihm als Vorbild für Geschichten dienten.

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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1982

Gekommen, um zu gruseln: Immer wieder hat Stephen King kleinere Filmrollen übernommen. Für "Creepshow. Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (1982) schrieb er nicht nur das Drehbuch und holte seinen Sohn Joe vor die Kamera. Er selbst spielte den einsamen Farmer Jordy Verrill, der nach einem Meteoriteneinschlag einen grausigen Tod stirbt.

Auch in einigen Verfilmungen von Kings berühmtesten Romanen hat der Autor Cameo-Auftritte: In "Friedhof der Kuscheltiere" gab er 1989 einen Pfarrer, in seiner TV-Serie "Shining" spielte King einen Musiker.

Foto: ddp images
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1987

Alkohol und Koks: Einige von Kings Hauptwerken der siebziger und achtziger Jahre sind im Suff entstanden. "Ich habe jede Nacht einen Kasten Bier getrunken", sagte er dem SPIEGEL über diese Zeit. "Abends konnte ich kein Bier im Kühlschrank lassen. Ich musste es in den Abfluss schütten, weil ich sonst wieder aufgestanden wäre, um weiterzutrinken." Wie sein Roman "Cujo" 1981 entstanden ist? King kann sich einfach nicht mehr daran erinnern.

Später kam das Kokain hinzu. Den Roman "Das Monstrum" schrieb King teils mit Watte in den Nasenlöchern, so sehr bluteten sie. Als Kings Frau ihn so entdeckte, stellte sie ihm ein Ultimatum. 1987 ging King in eine Entzugsklinik - und besucht seitdem regelmäßig Treffen der Anonymen Alkoholiker.

Foto: Anonymous / AP
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1998

Der Musiker: Gemeinsam mit einigen seiner Schriftsteller-Kollegen verwandelt sich Stephen King regelmäßig in eine Rampensau - als Gitarrist der "Rock Bottom Remainders". Es gibt zwar keinen Plattenvertrag oder Musikvideos. Dafür seit 1992 Auftritte für den guten Zweck und ganz offensichtlich jede Menge Spaß (auf diesem Foto sind King und die Autorin Amy Tan 1998 in Kings Heimatstadt Bangor zu sehen).

Zur Band gehört unter anderem auch Matt Groening, der Simspons-Erfinder. King tauchte schon als gelbe Comicfigur im fiktiven Springfield auf, seine Romane dienten als Vorlage für einzelne Folgen der Serie.

Foto: AP
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1999

Der Unfall: Stephen King ist tot, meldete eine Lokalzeitung im Juni 1999. Das war falsch. Aber tatsächlich lag King wochenlang schwerverletzt im Krankenhaus. Sein Lungenflügel war kollabiert, Bein und Hüfte gebrochen. Ein Autofahrer hatte ihn angefahren, offenbar war der Mann von einem Hund abgelenkt.

Nach dem Unfall musste King eine Beinschiene tragen und auf Krücken gehen - wie hier an der Seite seiner Frau bei der Filmpremiere von "The Green Mile" in New York. Später kaufte King den Unglückswagen, der Unfall spielte fortan in zahlreichen Werken Kings eine Rolle.

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2013

Fortsetzung folgt: 1977 veröffentlichte King seinen Roman "Shining", Im November 2013 stellte er in München die Fortsetzung vor. Es war seine erste Lesung in Deutschland. "Ich wurde immer wieder gefragt, was eigentlich aus Danny, dem kleinen Jungen in Shining, geworden sei", sagte King über die Entstehung von "Doctor Sleep". So viel sei schon verraten: Der dreiradfahrende Junge ist erwachsen geworden, wird weiterhin von bösen Geistern heimgesucht, ertränkt die Visionen in Alkohol und will sein Leben in einer beschaulichen Kleinstadt im Osten der USA in geordnete Bahnen lenken.

King hat inzwischen mehr als 400 Millionen Bücher verkauft und Dutzende Preise bekommen, darunter den National Book Award. Er ist der unbestrittene König des Horrors, der Angst, des Unwägbaren. Aber warum nur muss es bei ihm immer so gruselig zugehen, wurde King bei der Buchpräsentation im Münchner Circus Krone gefragt. "Ich mag Monster. So einfach ist das."

Foto: dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?