Schauspiellegende Pierre Brice Als Winnetou von Tarzan reiten lernte
Pierres Paraderolle: Insgesamt elf Spielfilme, hier "Winnetou I" von 1963, drehte der französische Schauspieler Pierre Brice in der Rolle des Häuptlings der Mescalero-Apachen ab - und wurde damit zum Popidol der frühen Bundesrepublik.
Aus Bleichgesicht wird Rothaut: Maskenbildner Hasso von Hugo bringt die wilde Mähne des Apachenhäuptlings Winnetou alias Pierre Brice in Form. Die Aufnahme entstand am Set von "Winnetou kehrt zurück".
Hoch zu Ross: "Ohne Sattel auf dem Pferd zu sitzen, war ungewohnt", erzählt Pierre Brice, hier in "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" (1966). An die Spuren im Schritt nach einem langen Drehtag erinnert er sich noch genau. Den Umgang mit den ungesattelten Quarter Horses, eine amerikanische Pferderasse, lehrte ihn...
...der erfahrene Reiter Lex Barker, hier in der deutsch-jugoslawischen Produktion "Winnetou III" von 1965. Mit Barker, der Old Shatterhand in den Karl-May-Verfilmungen mimte und als "Tarzan" berühmt geworden war, verband Pierre Brice auch privat eine enge Freundschaft.
Verbitterte Feinde: Surehand-Darsteller Stewart Granger war der einzige Kollege aus seiner "Winnetou"-Zeit, mit dem Pierre Brice nicht zurechtkam. Der britische Schauspieler sei vulgär, eitel und launisch gewesen.
Brice und Granger in "Der Ölprinz", 1965
Brice auf "Bravo": Etliche Male zierte das Konterfei von Pierre Brice das Cover des Jugendmagazins "Bravo". Als langhaariger Apache hatte der Schauspieler mit dem Grübchen im Kinn und den Rehbrauen die Herzen der Teenager erobert.
Albumcover: Während der "Winnetou"-Welle versuchte sich Pierre Brice mehrfach als Sänger. 1965 entstanden unter anderem die Singles "Ich steh' allein" und "Ribanna" - seichte Schlagersongs, die allein wegen der Popularität des Interpreten in den Hitparaden landeten.
Winnetou soll nicht sterben: Im dritten Teil waren Winnetou und Old Shatterhand in eine Schießerei mit Banditen geraten. Als sich der Indianer vor seinen Freund Old Shatterhand warf, traf ihn eine Kugel tödlich. Der Tod des Häuptlings löste eine Welle des Protests unter den Fans aus. Der Produzent Horst Wendlandt erhielt Drohbriefe, wütende Anhänger der Karl-May-Saga schmierten Hassaparolen. "Ein Aufstand war die Folge, ja beinahe eine französische Revolution", erinnert sich Pierre Brice. Winnetou stand dann auch von den Toten wieder auf, in...
..."Winnetou und sein Freund Old Firehand": Der schnell nachgeschobene Streifen konnte es mit dem Erfolg seiner Vorgänger nicht aufnehmen. Der Film fiel bei den Fans durch. Vielleicht lag es daran, dass der Western kaum noch etwas mit dem Original von Karl May zu tun hatte, außer den Namen der Protagonisten.
Für seine Rolle in "Zorro gegen Maciste - Kampf der Unbesiegbaren" tauschte Pierre Brice 1963 seine Indianer-Lederkluft gegen den schwarzen Umhang des maskierten Rächer der Armen.
Frühe Rolle: In dem italienischen-französischen Krimi "Unschuld im Kreuzverhör" von 1959 mimt Pierre Brice den attraktiven Mörder und Zuhälter Gino.
Als sich der Erfolg des Franzosen Brice in seiner Heimat nicht so recht einstellen wollte, ging der Schauspieler nach Italien und drehte dort Filme als schmalzig-säuselnder Schönling an der Seite ebenso schöner Frauen, hier in "Ritt in die Freiheit" (1961) mit Jeanne Crain.
Pierre privat: Der Schauspieler posiert in seinem Haus in Crépy-en-Valois in der französischen Picardie stolz vor seinen Trophäen, Foto von Februar 2011.
Comeback: Nach seinen Erfolgen in den sechziger Jahren heuert Pierre Brice 1982 wieder als Winnetou an - dieses Mal bei den Karl-May-Festspielen im sauerländischen Elspe. "Nun stand ich dem Publikum gegenüber und dazu musste ich erst mal ordentlich Deutsch pauken", erinnert sich der Schauspieler. "Es war nicht einfach."
Brice in Bad Segeberg: Für die Karl-May-Festspiele im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg tritt Pierre Brice ein letztes Mal als Apachenhäuptling Winnetou auf. Zu der Premiere von "Der Schatz im Silbersee" waren Indianer aus Nebraska angereist. Sie waren überrascht, dass "ein Weißer so treffend und authentisch ihr kulturelles Erbe verkörperte", erinnert sich Brice, "und daher belohnten sie mich in einer Zeremonie, bei der sie mich zum Mitglied ihres Stammes machten und mir den Namen 'Rainbow-Man' verliehen."
Federführend: Der ehemalige Winnetou-Schauspieler Brice, Mitte, übernahm 1999 für das Stück "Halbblut" bei den Karl-May-Spielen im Freilichttheater in Bad Segeberg die Regie.
Auftritt bei "Wetten, dass..?": Auf einem Pferdegespann kutschiert Michael "Bully" Herbig in der ZDF-Fernsehshow am 13. Oktober 2001 Pierre Brice. Der "Original-Winnetou" hatte zuvor bemerkt, dass Bully es in seinem Erfolgsstreifen "Der Schuh des Manitu" an Respekt vor den alten Western-Werten wie Friede, Freiheit, Freundschaft und Liebe mangeln lasse.
Mit "Der Schatz im Silbersee" nahm die Winnetou-Saga 1962 ihren Anfang. Dabei hatte die Rolle eines Indianers Pierre Brice zunächst gar nicht zugesagt. "Und Karl May war mir überhaupt kein Begriff", gesteht der Schauspieler heute - hier im Bild mit Lex Barker als Old Shatterhand und Ralf Wolter als Sam Hawkens. Die Dreharbeiten...
...waren nicht immer ungefährlich: Einmal wurde Götz George, Mitte, von einem Pferd gebissen. Ein anderes Mal verletzte sich Lex Barker, links, als er seinen "Bärentöter" abfeuern sollte. Und wieder ein anderes Mal...
...verbrannte sich ein Kameramann, als er eine Fackel ins Gesicht bekam.
Dreharbeiten für die Fernsehproduktion "Winnetous Rückkehr", 1998
Unvergessen: Pierre Brice als Winnetou und Karin Dor als seine große Liebe Ribanna
Drei Western-Giganten: Marie Versini als Nscho-tschi, Schwester von Winnetou, verliebte sich in Old Shatterhand. Millionen Karl-May-Fans verliebten sich wiederum in die schöne französische Schauspielerin und trauerten, als die Apachin von einem Banditen ermordet wird.
Umjubelt von Fans: Pierre Brice, damals 62 Jahre alt, reitet mit wehendem Haar durch die Menge. Im Sattel saß er inzwischen fest - auch einhändig.
Aufgenommen im September 1990 bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.
Für die ARD-Serie "In aller Freundschaft" schlüpft Pierre Brice - hier mit Cheryl Shepard in einer Krankenstation bei Winneba, Ghana - in den Kittel und rettet als Dr. Olivier Berty Menschenleben in Afrika.
Im Schatten von Winnetou: Über Jahrzehnte blieb Pierre Brice, hier 2003 im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt, als Rothaut abgestempelt. Inzwischen habe er sich jedoch damit arrangiert, sagt der Franzose. Er schrieb sogar ein Buch über sein Leben, in dem ein französischer Beau mit einem Indianer verschmolz.
Letzter Ritt: Mit "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten" endete 1968 die Ära der Karl-May-Filme.