Betrugsskandale Mit Tricks zum Titel
Vom Postboten zum Amtsarzt: So hatte sich seine Mutter das sicher nicht vorgestelllt, als sie sich von ihrem Sohn Gert Postel wünschte, er solle "etwas Besseres" werden als der Vater, ein Kfz-Mechaniker.
Der Filius nahm sich das zu Herzen und praktizierte unter dem Namen "Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy" Anfang der achtziger Jahre als stellvertretender Amtsarzt in Flensburg. Nur durch einen dummen Zufall kam seine wahre Identität ans Licht. Der vermeintliche Arzt hatte nur einen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung als Postbote gemacht.
Gert Postel kassierte dafür eine einjährige Bewährungsstrafe. Doch die blieb ohne Wirkung und schien ihn erst Recht...
...anzustacheln. Durch Flirts und Liebschaften eignete sich Postel medizinisches, forensisches und juristisches Fachwissen an und wurde erneut an etlichen Kliniken angestellt. Mit gefälschten Zeugnissen und einem gewinnenden Auftreten brachte er es zu einer Anstellung als Oberarzt in einer sächsischen Psychiatrie und galt sogar als Kandidat für einen Chefarztposten in einer Klinik bei Dresden.
Der Betrug flog erneut auf und Postel wurde 1999 zu vier Jahren Haft verurteilt, aber vorzeitig entlassen. Er veröffentlichte ein erfolgreiches Buch ("Doktorspiele") und gerierte sich seitdem als edler Vorkämpfer der Anti-Psychiatriebewegung - bejubelt von seinen Anhängern, die für ihn im Internet sogar einen eigenen Fanclub gründeten.
Narrenkappe mit fremden Federn: Friedrich Merz stand im Februar 2006 vor einer großen Herausforderung, er sollte vor dem Aachener Karnevalsverein eine humorige Rede halten - nicht gerade die starke Seite des CDU-Steuerexperten.
Zur Verwunderung aller hielt er eine fulminate Büttenansprache, für die ihn das Publikum mit stehenden Ovationen feierte. Die Begeisterung hielt allerdings nicht lange an, denn
kurz darauf meldete sich die Sekretärin Monika Rieboldt aus Bielefeld, die nachweisen konnte, dass die Merz'schen Witze zum größten Teil aus einem Artikel abgeschrieben waren, den sie in dem Online-Satiremagazin "zyn!" veröffentlicht hatte.
Der Möchtegern-Humorist, hier auf einer Aufnahme von 2005, war blamiert. "Es gibt keine Rede auf dieser Welt, in der alles neu ist", rechtfertigte sich der Ertappte schmallippig. Echte Reue hört sich anders an.
Betrug am Piano: Ihre Geschichte klang zu rührend, um sie nicht glauben zu wollen. Die krebskranke Pianistin Joyce Hatto (hier mit dem Dirigenten Martin Fogel und dem Komponisten Walter Gaze Cooper im Juni 1954) wurde immer wieder für ihre virtuosen Einspielungen bejubelt. Dass niemand sie live spielen sah, begründete sie mit ihrer schweren Erkrankung - und wer wollte da schon einen Verdacht hegen? Nach ihrem Tod im Jahr 2007 wurde sie in Nachrufen als "britisches Nationaljuwel" gewürdigt.
Peinlich wurde es für die Kritikerwelt, als 2010 herauskam, dass Joyce Hattos Klavier-Interpretation in Wahrheit nur technisch aufpolierte, umetikettierte und kopierte Aufnahmen anderer Pianisten gewesen waren. Ihr Mann, ein Tontechniker, hatte sie unter ihrem Namen veröffentlicht - vermutlich mit ihrem Wissen.
Kein richtiger Rechtsanwalt: Anderthalb Jahre dauerte es, bis 1976 ein bis dahin einmaliger Fall in der deutschen Rechtsgeschichte aufgedeckt wurde - doch die Lösung wurde zur Blamage für die Justiz.
Denn in diesem Zeitraum hatte ein junger kaufmännischer Angestellter sich erfolgreich als "Rechtsanwalt Dr. Buckert" ausgegeben, ohne auch nur ein Semester Jura studiert zu haben. Sein Fachwissen brachte er sich selbst bei, die Robe kaufte er für 160 Mark. In Bochum und Wattenscheid war der Anwalt an mehr als 100 Prozessen beteiligt und ließ sich dabei auch nicht von diffizilen Fragen des Baurechts abschrecken. Er sei "nicht ungeschickt" gewesen, wurde dem Betrüger später vor Gericht attestiert.
Enttarnt wurde er auch keineswegs durch einen juristischen Lapsus, sondern nur, weil seine Kanzlei ihn wegen des plötzlichen Todesfalls eines Kollegen aus dem Urlaub holen wollte. Erst jetzt stellte sich heraus, dass nirgends ein "Rechtsanwalt Dr. Buckert" zugelassen war.
Nach seiner Verurteilung zu einem Jahr auf Bewährung gab der falsche Advokat an, jetzt erst einmal Jura studieren zu wollen.
Jäher Fall statt Sternenflug: Es klang nach einer faustdicken Überraschung. Aus der Schweiz, bisher nicht als Raumfahrernation bekannt, sollte eine junge Frau ins All starten. Die blonde Physiklehrerin Barbara Burtscher wurde von den Schweizer Medien zu "unserer Frau bei der Nasa" hochgeschrieben. Sie ließ sich in diversen Interviews zitieren, sie habe im "Nasa Education Center" in Huntsville am "Astronautentraining" teilgenommen und sei dort auch als "Instruktorin" tätig gewesen. In der G-Zentrifuge habe sie bereits einen "neuen Nasa-Rekord" aufgestellt.
Schnell fand Burtscher Sponsoren und wurde überall hofiert, wie hier bei einem offiziellen Dinnerempfang des Schweizer Uhrenherstellers IWC Schaffhausen im Januar 2010. Doch dann enthüllte der Zürcher "Tages-Anzeiger", dass es gar kein "Nasa Education Center" gibt. Die Nasa habe der Schweizerin auch nie eine Astronautenausbildung in Aussicht gestellt. Burtscher habe lediglich im Sommer 2010 unentgeltlich als freiwillige Lehrerin beim US-Spacecenter in Alabama gearbeitet. Das Spacecenter ist aber eine Art Weltraummuseum für Schüler - und keine Ausbildungsstätte der Nasa.
Nun wurde die Schweizerin als "Fastronautin" verspottet. Sie selbst betonte, von den Medien falsch verstanden worden zu sein - sie habe stets darauf hingewiesen, lediglich privat zu trainieren, um sich irgendwann den Traum vom Flug ins All zu erfüllen.
Vom Halbgott zum Lebenskünstler: Zwischen 2006 und 2008 assistierte der medizinische Überflieger mit doppeltem Doktortitel und Oxford-Diplom, Christian Ehret, bei 190 Operationen.
Doch dann stellte sich heraus, dass der "Halbgott in Weiß" tatsächlich nur eine schnöde Banklehre absolviert hatte. Als der Schwindel aufflog, wurde er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Doch es gelang dem Betrüger, sich weiterhin geschickt zu vermarkten: Für sein Buch "Wahnsinn in Weiß" durfte er sogar bei Johannes B. Kerner Werbung machen.
Falscher Professor: Hörsäle sah der gelernte Maschinenschlosser Alwin S. eigentlich nie von innen - und dennoch konnte er sich erfolgreich als Forscher und Professor ausgegeben.
Denn der Mann verstand sich auf das Verkaufen, schließlich hatte er jahrelang im Vertrieb gearbeitet. Im Jahr 2000 bewarb sich Alwin S. einfach auf ein Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums, das Unternehmensgründungen in den neuen Bundesländern unterstützen wollte. Erfolgreich pries der umtriebige Pseudo-Forscher mit gefälschter Promotionsurkunde ein "Gerät zur Messung von Lungenflüssigkeiten" an und erschlich sich so in den folgenden Jahren staatliche Fördergelder in Höhe von 350.000 Euro.
Erst als seine Firma nahezu pleite war, kam der Betrug ans Licht - und der falsche Professor bekam eine zweijährige Bewährungsstrafe. "Ich schäme mich, dass ich diesen Weg gewählt habe", gab er vor Gericht zu.
Der Überflieger: Dass der Amerikaner William Hamman Pilot bei der Fluglinie United Airlines war, schien ihn irgendwie nicht richtig auszufüllen. Also gab er sich flugs als Herzspezialist aus und leitete jahrelang Schulungen für Ärzte, mit dem Ziel, die Teamarbeit zu verbessern. Die meisten Teilnehmer, so sagten die vermeintlichen Kollegen später aus, waren begeistert von den Seminaren, die sich Hamman mit Spesen im sechsstelligen Bereich vergüten ließ.
Nur: Der Pilot war überhaupt kein Doktor. Er hatte nie in einem Krankenhaus gearbeitet. Erst als er ein Stipendium für sich selbst beantragte, flog im Dezember 2010 der Schwindel auf.
Dennoch wollte die wichtigste US-Ärztevereinigung, die "American Medical Association", den so erfolgreichen Autodidakten zunächst sogar weiter unterrichten lassen. Doch dann legte der Vorstand sein Veto ein - Hammans Karriere als Arzt war damit abrupt beendet. Und auch seine Pilotenlaufbahn endete mit einem Sturzflug: United Airlines wollte mit ihrem betrügerischen Überflieger nichts mehr zu tun haben.