Bhagwan-Bewegung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bhagwan-Bewegung Orgien im Namen des Herrn

Heulen, hotten, Halleluja: Für die einen war Bhagwan Shree Rajneesh ein Menschenfänger, für andere der Erlöser. In den achtziger Jahren verfielen Tausende Menschen dem Inder, der Enthaltsamkeit predigte und Dekadenz lebte. Auch in Deutschland fand der Guru-Hype zahlreiche Anhänger - darunter einige Prominente. Von Nadine Helms
1 / 34

Schreien, Prügeln, Weinen: Der Dokumentarfilm "Ashram in Poona" von 1979 zeigte auch einige Szenen aus den umstrittenen und bei Jüngern beliebten "Encounter-Gruppen" - spezielle Therapiegruppen, die von angestauten Aggressionen befreien sollten. Hier wurde geschrien, geprügelt und geheult. Hier brachen auch Knochen - bis die Sitzungen oft in sexuellen Orgien gipfelten.

Foto: DDP
2 / 34

Nicht ohne seine Mütze: Bhagwan Shree Rajneesh, der "Göttliche", 1984. Der begabte Rhetoriker zeigte sich in der Öffentlichkeit oft mit Mütze, gern auch selbstgestrickt - hier die Fellversion.

3 / 34

"Ashram in Poona": Der Münchner Filmemacher Wolfgang Dobrowolny, einst selbst Bhagwan-Anhänger, drehte 1979 den umstrittenen Dokumentarfilm "Ashram in Poona". Hier eine Szene mit meditierenden Jüngern in der typischen roten Kleidung.

Foto: ddp
4 / 34

Philosoph und Witzbold: Bhagwans morgendliche Vorträge, die sogenannten "lectures", gehörten zum Pflichtprogramm der Jünger. Nach den philosophischen Vorträgen wurde der Rauschebart oft zum Witzeerzähler. (Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "Ashram in Poona")

Foto: ddp
5 / 34

Ein Jünger-Leben: Die einfachsten Mittel reichten ihnen zum Leben aus - Hauptsache des Meisters Bild wachte über allem. In der Peripherie um den Ashram hausten hunderte Jünger - oft in simplen Bambushütten, wie dieses Szenenfoto aus "Ashram in Poona" dokumentiert.

Foto: ddp images
6 / 34

Der Sessel und die Abstellkammer: Ein doppelter Bandscheibenvorfall plagte den verwöhnten Guru. Da musste ein handgefertigter Ohrensessel her. Die Jünger verehrten den Sessel, den der erleuchtete Hintern des Herrn berührt hatte, fast genauso wie den Meister selbst. Nach jeder "lecture" wurde der Thron des "Gesegneten" mit einem Tuch abgedeckt und bis zum nächsten Vortrag wieder in einer Abstellkammer untergebracht.

Foto: AP
7 / 34

Der Luxus-Guru: Der Guru, wie man ihn kennt: Auf seinem Thron, mit Fellmütze und Luxus-Uhr - hier auf einem Bild von 1984, aufgenommen in Rajneeshpuram in Oregon, USA.

8 / 34

Tränen und Umarmung: Trost auf dem Matratzenlager - eine Aufnahme aus Poona, 1979.

Foto: AP
9 / 34

Trance-Dance: Barfüßige Jünger tanzen sich in Trance, 1979 in Poona.

Foto: AP
10 / 34

Rote Warteschlange: Rajneeshpuram, 1984: Bhagwan-Jünger ("Sannyasins"), in vorgeschriebener roter Kleidung und mit Mala (einer Halskette), warten andächtig auf den Meister.

11 / 34

Rollen im Rolls: Die auf der Ranch in Oregon täglich hart arbeitenden Jünger durften ihre Arbeit nur ein Mal am Tag unterbrechen: zum "drive by" des Meisters. Sie reihten sich entlang des Weges auf, während sich der Exzentriker in einem seiner 93 Rolls Royces an ihnen vorbeikutschieren ließ. Um für Abwechslung bei dieser täglichen Zeremonie zu sorgen, waren sogar 365 "Rolls" geplant - einen für jeden Tag des Jahres. Im Hintergrund die einfachen Wohnbaracken des Stadt-Versuchs Rajneeshpuram.

12 / 34

Blumenkinder: "Sannyasin" huldigen hier ihrem Meister beim "drive by" mit Blumen, die sie ihm auf die Motorhaube seines Rolls Royce legen. Bei diesem Ritual war Bhagwan offenbar voll in seinem Element und erntete dafür in den Medien Hohn und Spott.

Foto: AP
13 / 34

"Zorba, the Buddha": Anthony Quinn (l.) als Alexis Sorbas in dem Spielfilm "Zorba, the Greek" von 1964. Zahlreiche Bhagwan-Diskos und -Restaurants wurden "Zorba the Buddha" genannt - diese Namensgebung sollte die Verbindung griechischer Lebensfreude und asiatischer Mystik symbolisieren.

Foto: ddp images
14 / 34

Die Angst vor dem Virus: Ein kollektives Gebet von Jüngern in Rajneeshpuram, Oregon, 1984. In Rajneeshpuram ging es gesitteter zu als noch in Poona: Sexuelle Orgien wurden verboten - aus Angst vor Aids.

15 / 34

Die Abkehr: 1985 distanzierte sich Bhagwan von seiner bisherigen Lehre des Rajneeshismus wegen Unstimmigkeiten in der Führungsriege. Am 30. September 1985 wurden in einer aufsehenerregenden Aktion im kommuneneigenen Krematorium die rote Kleidung der Sannyasin und sämtliche Bücher verbrannt.

Foto: AP
16 / 34

Guru in Ketten: Ende 1985 wird Bhagwan Shree Rajneesh in den USA verhaftet. Es gab Probleme mit den Behörden wegen seiner Aufenthaltserlaubnis. Nachdem er sich bereit erklärt hatte, das Land sofort zu verlassen, wurde seine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Foto: AP
17 / 34

Vegetarier-Oase: In der Gemeinde Antelope, nahe der Stadt Rajneeshpuram, machten Bhagwan-Jünger aus dem Café des Ortes ein vegetarisches Restaurant und nannten es "Zorba the Buddha" (Aufnahme von 1982).

18 / 34

Rot ist out: Tanzende Jünger feiern die Abkehr vom Rajneeshismus - ganz wie der Guru es befohlen hat. Sie müssen jetzt nicht länger ausschließlich rote Kleidung tragen.

19 / 34

Losgelöst: Nach einem Treffen zwischen Jüngern und Meister ("Darshan") wird gefeiert und getanzt.

20 / 34

Überwachte Erklärungen: Das Bild vom 20. Juli 1985 zeigt Bhagwan bei einer Pressekonferenz im großen Versammlungssaal in Rajneeshpuram. Er beantwortet die Fragen eines Reporters - unter den strengen Blicken seiner schwerbewaffneten Privatpolizei, der "Peace Force", die ihn vor Attentaten schützen sollte.

Foto: AP
21 / 34

Immer wieder sonntags: Ein sogenanntes "Darshan", 1984 in Rajneeshpuram. Immer sonntags wurden neue Jünger gesegnet und erhielten ihre Kette Mala und einen neuen Namen. Während der Meister dies in den Anfängen noch selbst erledigte, mussten später seine Priester ran - in diesem Fall Swami Amand Teertha.

22 / 34

Osho-Kommune heute: Im Meditationszentrum in Poona ist das Sannyasin-Lebensgefühl von damals auch heute noch lebendig.

23 / 34

Osho heute: Stille Meditation in der Chuang Tzu Halle im Osho International Meditation Resort im indischen Poona, Januar 2010. In diesem Raum wird die Urne mit der Asche von Osho aufbewahrt. Der Raum ist täglich mehrmals für Meditationen geöffnet. Eine Inschrift auf einem großen Spiegel erinnert an Osho: "Never Born, Never Died, Only visited this planet earth between Dec 1, 1931 and Jan 19, 1990".

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
24 / 34

Welcome: Diese Aufnahme vom Neujahrstag 2010 zeigt das Welcome Center des Osho International Meditation Resort in Poona, Indien. Alle Besucher des Resorts lassen sich hier nach ihrer Ankunft registrieren.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
25 / 34

Verpflegung: Die "Zorba the Buddha"-Cafeteria am Swimmingpool im Osho-Meditationszentrum in Poona ist eines der zwei Restaurants des Resorts. Zu vegetarischen Speisen gibt es abends sogar Wein zum Essen (Aufnahme vom 1. Januar 2010).

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
26 / 34

Partytime: Das Osho-Resort in Poona veranstaltet jeden Mittwoch- und Samstagabend Disco-Partys mit DJs aus der ganzen Welt, hier eine sogenannte Plaza Party im Januar 2010.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
27 / 34

Vegetarische Pause: Die sogenannte Meera Cafeteria im Osho Meditationsresort in Poona, Indien, im Januar 2010. Dies ist eines der zwei Restaurants der Anlage. Hier gibt es Frühstück, Mittag- und Abendessen, alles vegetarisch.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
28 / 34

Entspannung: Im Osho-Resort im indischen Poona wird nicht nur bei Meditationen entspannt. Diese Aufnahme vom Januar 2010 zeigt den Swimmingpool im sogenannten ClubMed (Club Meditation).

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
29 / 34

Hinter Glas: Osho-Anhänger bei der sogenannten Za Zen Meditation, einer stillen Sitzmeditation, in einem Gang im Garten des Osho International Meditation Resorts in Poona, Januar 2010.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
30 / 34

Übers Wasser gehen: Ein Mann in der typischen roten Kleidung schreitet "über" das Wasser zur Meditation im sogenannten Buddha Auditorium im Osho Meditationsresort im indischen Poona, Januar 2010.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
31 / 34

Selbstbedienung: Self Service in der "Meera Cafeteria" im Osho-Resort im indischen Poona. Zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gibt es eine Auswahl an indischen und westlichen Gerichten, allerdings vegetarisch (Foto von 2010).

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
32 / 34

Tanzkultur: Jeden Vormittag wird im Osho-Resort in Poona für eine Stunde getanzt ("Dance Celebration", Aufnahme vom 1. Januar 2010).

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
33 / 34

Morgenstund: Dieses Bild (Januar 2010) zeigt Osho-Anhänger beim Morgenyoga in der "Buddha Grove" im Osho-Resort in Poona.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
34 / 34

"Sufi Whirling": Wie tanzende Derwische wirbeln Anhänger Oshos allmorgendlich beim "Sufi Whirling" im Meditationsresort im indischen Poona herum.

Foto: Kamiar Ehsani/Kamiar Ehsani
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?