Biafra-Krieg Der Graf und die Raketen-Babys
Angriffsplanung im Sand: Carl Gustaf von Rosen (Bildmitte) und sein schwedisch-biafrisches Pilotenteam bei einer Einsatzbesprechung. Mit den bewaffneten Sportmaschinen vom Typ MFI-9B unterflogen die "Biafra Babies" in oft nur 30 Metern Flughöhe das gegnerische Radar. Gleich bei ihrem ersten Angriff im Juni 1969 konnten die fünf Piloten mehrere Maschinen der nigerianischen Luftwaffe zerstören. Auf dem Bild (von links): Gunnar Haglund, Augustus Okpe, Carl Gustaf von Rosen, Willy Murray-Bruce, Martin Land.
Sportflugzeug mit Raketen: Ein "Biafra Baby" im Anflug. Die ersten fünf Maschinen vom Typ MFI-9B der schwedischen Firma Malmö Flygindustri wurden über eine französische Briefkastenfirma nach Gabun geschleust und dort wieder zusammengesetzt. Unter den Tragflächen wurden jeweils zwölf Raketen montiert. Wegen ihrer geringen Länge von nicht einmal sechs Metern wurden die fliegenden Kisten bald "Biafra Babies" genannt - und nach den ersten Erfolgen schnell zum Mythos.
Graf Rosen in getarntem Flugzeug: Der schwedische Graf Carl Gustaf von Rosen in einer der zum Kampfflugzeug umgerüsteten Sportmaschinen des "Biafra Babies". Rosen nannte die Maschinen auch liebevoll "Minicoins", in Anspielung auf ihren geringen Anschaffungswert ("coin" = Münze). Gleichzeitig war "coin" Akronym für den Einsatzzweck (Counterinsurgency = Aufstandsbekämpfung).
Flüchtlinge in Biafra: Zivilisten flüchten im August 1968 vor nigerianischen Truppen. Die Ursachen des Biafra-Krieges lagen auch in lange unterdrückten ethnischen Rivalitäten. 1966 wurde der autoritär regierende Präsident Johnson Aguiyi-Ironsi, ein Ibo, ermordet und es kam es zu Massakern an seinen Stammesgenossen. Hunderttausende Ibos flüchteten daraufhin in ihr Kernland Biafra und riefen dessen Unabhängigkeit aus. Daraufhin kam es zum Bürgerkrieg.
Hunger und Krieg: Nachdem sich die nigerianische Provinz Biafra für unabhängig erklärt hatte, kam es 1967 zum offenen Krieg mit der nigerianischen Armee. Im Januar 1970 mussten die Rebellen kapitulieren - rund eine Million Menschen waren in dem Konflikt ums Leben gekommen, die meisten davon verhungert. Das Bild von Januar 1970 zeigt nigerianische Soldaten auf dem Vormarsch, während am Straßenrand vom Hunger ausgezehrte Kinder um Nahrung betteln.
Kämpfe um Biafra: Der Biafra-Krieg von 1967 bis 1970 war das erste Drama in Afrika, über das auch westliche Journalisten ausführlich berichteten. Sie schockierten die Welt mit Bildern von Kindern mit aufgeblähten Hungerbäuchen und blutigen Gemetzeln zwischen den verfeindeten Volksgruppen Nigerias.
Jubelnde Regierungstruppen: Nigerias Bundesarmee war den aufständischen Ibos haushoch überlegen. Doch obwohl die Rebellen schon bald ihre Hauptstadt Enugu, ihre einzige Hafenstadt und die Erdölquellen Biafras verloren, konnten sie gut zweieinhalb Jahre Widerstand leisten.
Draufgänger: Graf Carl Gustaf von Rosen im Cockpit einer "Biafra Baby"-Maschine. Gut sind im Vordergrund die unter den Flügeln montierten Raketenwerfer zu erkennen.
Weltweite Anteilnahme: Ein Mädchen wirbt 1968 um Spenden aus Deutschland für Biafra. Der Konflikt in Nigeria mit Hunderttausenden Hungertoten löste weltweit eine große Solidaritätswelle mit dem jungen Staat aus. Humanitäre Organisationen versorgten Biafra monatelang mit der größten Luftbrücke seit der Versorgung Berlins durch alliierte "Rosinenbomer" 1948/1949.
SPIEGEL-Titel 34/1968: "Biafra - Todesurteil für ein Volk", titelte der SPIEGEL im August 1968.
Flüchtlingselend: Ein Arzt händigt im August 1968 in einem Flüchtlingscamp die tägliche Ration an Milch an hungernde Kinder aus. Die Lebensmittel sind so knapp, dass auch in den Camps unzählige Kinder sterben.