Öko-Unterkünfte für Design-Fans Bio, bewusst, Boutiquehotel
Das weiße Haus: Die Casa Mãe an der portugiesischen Algarve ist nicht nur extrem stilvoll gestaltet - sie hat auch einen sehr hohen ökologischen Anspruch. "In der Küche wird praktisch ohne CO2-Fußabdruck gekocht", schreibt Clara Le Fort in ihrem Buch "Bon Voyage". Die Mandelmilch werde selbst hergestellt, die Eier stammten von den 200 Hotel-Hühnern, das Räucherfleisch komme aus der Region, und zu den Zulieferern aus dem Umland gehörten Bio-Winzer, eine Ziegenkäserei und ein Olivenölhersteller. Lokale Kunsthandwerker verkaufen ihre Produkte in einem angeschlossenen Laden. Die Pflegeprodukte im Bad sind mit Bioinhaltsstoffen wie kalt gepresstem Haselnussöl hergestellt und werden in wiederverwendbaren Tontiegeln abgefüllt.
Ruben Guerreiro, Pedro Correia/ BonVoyage/ gestalten 2019
Salbeigrün, Rosé und Gold: Das QO Amsterdam setze "neue Standards in Sachen urbane Nachhaltigkeit", schreibt Clara Le Fort in ihrem Buch über "die schönsten Boutique-Hotels für bewusstes Reisen". Das an der Amstel gelegene Haus wurde vom Verband LEED für ökologisches Bauen zum nachhaltigsten Hotel Europas gekürt. Warum? Weil hier Müllvermeidung, Wiederverwertung und Umweltschutz oberste Priorität haben. Es gibt ein zyklisch betriebenes Gewächshaus auf dem Dach - ein "sich selbst regulierendes Ökosystem, das die Hotelküche mit Obst, Gemüse, Kräutern und sogar Fisch versorgt". Aquaponik heißt das Stichwort: "Die Fischausscheidungen dienen den Pflanzen als natürlich Nährstoffquelle, die im Gegenzug die Wasserbecken der Fische reinigen."
Natur pur am Quellwasserpool: Die Finca La Donaira in Andalusien ist laut Le Fort eine "luxuriöse Interpretation des traditionellen Agriturismo". Im Jahr 2005 wurde eine zwischen Eichenwäldern liegende Farm in ein biodynamisches Bauernhofhotel umgewandelt. Die Eigentümer setzen auf Permakultur, pflegen einen Biogemüsegarten und züchten Lusitanos, die als älteste Reitpferdrasse gelten. Für ihr Hotel haben die Eigentümer von Landwirtschaftsexperten aus aller Welt beraten lassen. Regelmäßig gibt es in der Finca Vorträge - zum Beispiel von Imkern, Stampflehmbauarchitekten, Vogelnestdesignern und Künstlern.
Blick ins Grüne: Zehn themenorientierte Gästehäuser stehen Urlaubern auf dem Hofgut Hafnerleiten in Bayern zur Verfügung - unter anderem ein "Bootshaus", ein "Baumhaus", ein "Gartenhaus" und das barrierefreie "Wiesenhaus". Sie unterscheiden sich durch Besonderheiten wie einen kleinen Badeteich oder eine abgeschiedene Lage im Wald. Wer sich im Hanghaus einmietet, kann "ohne Elektrosmog und elektromagnetische Störungen strahlungsfrei abschalten", schreibt Clara Le Fort. Und auch sonst ist hier Digital Detox möglich. Die Besitzer seien überzeugt, dass "echte Erholung nur offline möglich ist" - und darum "bleiben Mobiltelefone und Laptops im Hofgut Hafnerleiten ausgeschaltet".
Offenporige Leimkalkfarbe an den Wänden, nachhaltiges Holz am Boden: Das Interieur des Amodóvar Hotel in Berlin-Friedrichshain wurde nach umweltbewussten Maßgaben gestaltet. Viel Tageslicht sorgt dafür, dass nicht immer das Licht angeknipst werden muss. Und der verwendete Strom stammt komplett aus erneuerbaren Energien. "Das zertifizierte Biorestaurant serviert ausschließlich vegane und vegetarische Gerichte", heißt es in dem Buch "Bon Voyage". Das Hotel verzichte auf industriell verarbeitete Lebensmittel und kocht mit saisonalen und lokalen Zutaten.
Chillen im Bio-Olivenhain: Die Masseria Moroseta in Apulien gewinnt ihr extra natives Öl von 650 hundertjährigen Olivenbäumen. Das Wasser kommt laut Le Fort aus einem eigenen Brunnen. Und dank der "fast ein Meter dicken Wände und der umweltfreundlichen Isolierung aus Recyclingmaterial kommt die Masseria im Sommer fast ohne Winteranlage und im Winter fast ohne Heizung aus". Sonnenkollektoren versorgten das Haus mit Strom.
Aus alt mach neu: Upcycling ist das Schlüsselwort im Londoner Boutiquehotel The Pilgrim. Die "konsequente Wiederverwertung von Materialien" prägten das Hotel, heißt es im Buch "Bon Voyage". Dank der liebevollen Neuverwertung und Restauration der vorhandenen Elemente habe man den "originalen Charakter des viktorianischen Gebäudes" erhalten können.
Luxus in der Wildnis: Schauspieler und Künstler wie Alain Delon, Romy Schneider und Serge Gainsbourg gingen einst im Hotel Caribou ein und aus - und genossen die einsame Lages des Hauses auf dem Cap Corse im Norden Korsikas. Heute steht hier das Misíncu, eine Luxusherberge in "authentischem mediterranen Look mit korsisch-griechischen Einflüssen". Ausgeblichenes Eichenparkett, große Korbsessel und 32 Zimmer im Vintage-Ambiente - so wird das Haus beschrieben. Der Öko-Aspekt? "Die Gärten bepflanzte Landschaftsarchitekt Jean Mus mit einheimischen Sträuchern. Für seine strengen Naturschutzrichtlinien erhielt das Misíncu das Europäische Umweltzeichen." Solarenergie, Wassersparmaßnahmen und ein kluges Abfallmanagement würden Ressourcen schonen, so das Fazit der Autorin.
Noch mal Frankreich, diesmal Festland: Gaspard de Moustier rief das Hotelprojekt Coucoo im Jahr 2009 ins Leben. Inzwischen umfasst es drei Öko-Resorts: zum einen Baumhäuser in der Picardie, schwimmende Häuschen in der Region Franche-Comté und ein weiteres Projekt in Belfort nahe der Schweizer Grenze. Umweltfreundliche Materialien wie Lärchen- oder Douglasienholz und Schafwolle als Isolierung zählen zu den Standards. Biomimetik ist das Schlüsselwort - man ahmt Elemente und Strukturen aus der Natur nach. "Die Baumhäuser wirken wir riesige Vogelnester, andere Häuschen ähneln mit ihren Stelzenkonstruktionen langbeinigen Kranichen", heißt es in "Bon Voyage". Wer hier seinen Urlaub bucht, kommt am Umweltschutz nicht vorbei. Er erhält nach der Ankunft ein interaktives Dokument, das über wertvolle Energiespartipps, Recyclingsmöglichkeiten und Wassersparmaßnahmen informiert. "Der Gast wird zum perfekten Wald-, See- und Weltenbürger", schreibt Clara Le Fort.
Wrack zum Wohnen: Die namibische Skelettküste ist für ihre Wetterumschwünge, eine heftige Brandung - und die vielen Schiffswracks berühmt, die aus den Dünen hervorragen. Mit ihrer hölzernen Gerippe-Architektur erinnern auch die Shipwreck Lodges an ein gekentertes Schiff. Von den solarbetriebenen Chalets aus haben Gäste einen Blick bis zum Atlantik - und wer genau hinschaut, entdeckt auch einige der bedrohten Tiere, die in dieser Umgebung leben und für die sich das Hotel einsetzt. Initiatoren sind lokale Tourismusunternehmen, die auch die Einheimischen in ihre Arbeit einbeziehen.
"Nachhaltiger Luxus trifft hier auf tief verwurzelten Naturschutz" - so urteilt die Buchautorin über das Song Saa Private Island, ein privates Inselresort auf dem kambodschanischen Koh-Rong-Archipel. Das Resort selbst war laut Le Fort daran beteiligt, dass ringsherum ein 100 Hektar großes Meeres- und Naturschutzgebiet entstand. Mitgründerin und Kreativdirektorin Melita Hunter habe von Fischern Treibholz sammeln lassen, um damit Terrassen zu bauen. Aus alten Betten wurden Tischplatten und aus Ölfässern neue Leuchten.
Das Titilaka liegt am 281 Meter tiefen Titicacasee in Peru. Hier konzentriere man sich auf "soziales Engagement und den Schutz der natürlichen Umgebung". Mit sicheren, gut bezahlten Arbeitsplätzen unterstütze das Haus nachhaltig die wirtschaftliche Entwicklung der umliegenden Dörfer. "Das Hotel kauft viele Lebensmittel und handgefertigte Textilien vor Ort und ist so für Familien aus der Region eine wichtige Einnahmequelle." So könnten auch lokale Initiativen wie der Bau einer Trinkwasseranlage gefördert werden.
Das Ovolo Woolloomooloo empfängt seine Gäste in einer alten Werft in Sydney. Wo einst Wolle verschifft wurde, geht es nun industriell-stylisch zu. Die Speisekarte der Bar ist zu hundert Prozent pflanzenbasiert - aber ansonsten ist hier nicht viel öko drin.
Das Sacromonte in Uruguay ist für die Verfasserin von "Bon Voyage" ein "stilvolles Bio-Ressort und Weingut zugleich". Hundert Hektar Land erheben sich über die zerklüftete Sierra, das Konzept wurde von dem peruanischen Architekten Edmond Borit erdacht. Begrünte Dächer und emissionsarmes Glas sorgten für eine hohe Umweltverträglichkeit, schreibt Clara Le Fort in ihrem Hotelband.
Die zu Australien gehörende Lord-Howe-Insel zählt zum Unesco-Welterbe. Das einzige Luxusresort der Insel, die Capella Lodge, wird in Clara Le Forts Buch "Bon Voyage" als Ökohotel bezeichnet, das sich hier "bestens einfügt". Umweltverschmutzung sei hier quasi nicht existent, per Fahrrad gelange man durch die steppenähnliche Weiten - und an die Strände und Lagunen. "Den Eigentümern war es ein Anliegen, bestmögliche Ausblicke zu bieten und unbedingt die Natur zu respektieren."