Flüchtlingscamp in Dresden 50 Quadratmeter Deutschland
Flüchtlings-Zeltlager in Dresden an der Bremer Straße: Hier gibt es nur alte Industrie-Anlagen, Autohändler und Firmengelände - von Infrastruktur keine Spur.
Hastig errichtete Anlagen: Ein Mädchen geht am Freitag an einer der Camp-Toiletten vorbei. Ärzte beklagen die mangelnde Hygiene.
Das Flüchtlingscamp wurde Ende Juli innerhalb weniger Stunden errichtet. Es bietet Platz für etwa 1100 Migranten. Das Standardzelt ist 50 Quadratmeter groß, 28 bis 34 Menschen wohnen darin.
Zwei Ärzte vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, die als Freiwillige in dem Camp arbeiten, kritisieren die Zustände in dem Zeltlager massiv. Medizinische und hygienische Mindeststandards würden nicht eingehalten, sagten sie in einem Interview mit "Zeit Online". In der Zeltstadt gibt es nach Einschätzung des Mediziners Gerhard Ehninger zu wenige Toiletten, anfangs auch noch ohne fließendes Wasser. "So konnten sich virale Durchfallerkrankungen und die Krätze ausbreiten", so der Arzt.
Flüchtlinge versammelten sich Ende Juli am Eingang der Zeltstadt an der Bremer Straße in Dresden. Sie protestierten damit gegen die schlechten Bedingungen im Lager. Die Migranten verlangten unter anderem feste Behausungen.
Zudem sei die Situation im Ambulanzcontainer schlecht, bemängeln die Ärzte weiter. Es fehle an vielen Utensilien wie Untersuchungsliegen, Blutdruckmessgeräten, Stethoskopen und Desinfektionsmitteln. Auch die fachgerechte Lagerung von Medikamenten sei nicht möglich, da es in dem Container bis zu 35 Grad Celsius warm wird.
Der sächsische Innenminister Markus Ulbig besuchte die Zeltstadt am 3. August. Er informierte sich über die Arbeit der Helfer vor Ort.
Nach Angaben der sächsischen Landesregierung hat es in den vergangenen Tagen "deutliche Verbesserungen" in der Zeltstadt gegeben - im Vergleich zu Ende Juli. "Die hygienische Situation im Camp war anfangs kritisch und ist noch nicht optimal", sagte Andrea Fischer, Staatssekretärin im Sozialministerium. Alle Verantwortlichen hätten in den vergangenen Tagen "sehr engagiert an der Verbesserung der Situation gearbeitet und werden das auch weiter tun".
Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bereiten die Essensausgabe vor. Ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer betreuen die Flüchtlinge.
Auch der neu gewählte Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert kritisiert die Verhältnisse in der Zeltstadt, für die das Land zuständig ist. "Wie kann es sein, dass es mitten im Herzen Dresdens einen Ort gibt, in dem Menschen bei bis zu 40 Grad in Zelten untergebracht sind?", fragte er bei einer Stadtratssitzung.
Hilbert kritisierte die Landesregierung: Der Freistaat müsse aufhören, Probleme nur zu verwalten, sondern rechtzeitig informieren und gemeinsam mit den Kommunen menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeiten finden, fordert der OB. Um die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge zu verbessern, werde die Stadt "schnellstmöglich drei Ärzte und drei Krankenschwestern aus dem Gesundheitsamt" schicken.