Bizarre Orte: Das Restaurant im Nirgendwo - DER SPIEGEL
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Bizarre Orte Das Restaurant im Nirgendwo

Im Ruhrgebiet, heißt es, habe man Städte um die Industrie herum gebaut, doch mitunter baut man sie auch auf die Städte. Im Duisburger Norden wurde dafür ein Dorf planiert. Der letzte Wirt vor Ort will weitermachen bis zum Abriss. Danach geht er, weil dort "keine Heimat mehr ist".
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Keine Fotomontage: Das alte Fischrestaurant Walsumer Hof liegt in der Werkseinfahrt zum neuen Evonik-Kohlekraftwerk. Dass das noch immer so ist, liegt am Dickkopf...

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...von Matthias Langhoff, Wirt der Gaststätte in neunter Generation - und der letzte Bewohner des industriell überbauten Walsumer Oberdorfes, das ab 2006 fast komplett planiert wurde. Aufgeben ist für den Niederrheiner nicht drin, der...

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...aus einer Gastronomen-Dynastie stammt: Auch zwei seiner drei Brüder betreiben populäre Restaurants, einer einen Catering-Betrieb. Matthias Langhoff aber, von der örtlichen Presse zum "Asterix vom Niederrhein" ernannt,...

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...hat sich in den Kopf gesetzt, das seit 1838 von seiner Familie bewirtschaftete Stammhaus am Leben zu halten, bis es nicht mehr geht - und ein Kraftwerk vor der Haustür ist da kein Hinderungsgrund. In der Schänke...

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...ist die Zeit stehengeblieben. Zwei Stunden vor Öffnung ist hier bereits alles eingedeckt, denn wie fast immer ist die Wirtschaft auch an diesem Abend ausgebucht. "Die alten Kunden", sagt Langhoff, "sind uns treu geblieben": Immer wieder kämen ehemalige Bewohner des verschwundenen Dorfes, um...

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...sich eine Prise Vergangenheit abzuholen. Mehr noch: "Heimat" sagt Langhoff mehrmals und meint damit etwas, das im Ruhrgebiet immer mehr verlorengehe. Auch die alte Walsumer Dorfgemeinschaft sei zerrissen, in alle Winde zerstreut. Er selbst aber...

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...werde bleiben, solange es gehe. Wenn die Wirtschaft dann einmal schließen müsse, dann "haue ich hier ab. Weit weg. Dann ist hier keine Heimat mehr."

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Bis dahin macht er weiter, mit grimmigem Humor: "Wegen dem Ausblick", sagt Langhoff, "kommen die Leute von weit her, um in unserem Biergarten zu sitzen. Is'n richtiger Tourismus."

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Blick zurück: Bei Google Earth ist noch ein Bild zu sehen, das vor Baubeginn des eigentlichen Kraftwerks gemacht wurde. Das Dorf ist längst planiert, aber rechts des Gasthofs (linker Bildrand) zeichnen sich noch Grundrisse ab, verschwundene Straßenzüge - und die Spuren der Abrissfahrzeuge. Die Brachgelände sind heute vollständig überbaut.

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