Blick zurück auf 68 "Wir hätten über uns selbst gelacht"
Nackter Protest: Happening an der Pädagogischen Hochschule Bremen
Mann am Megafon: Christoph Köhler in der Aula des Alten Gymnasiums in Bremen während einer Schulbesetzung
Unter dem Banner der Revolution: Demonstrieren geht über Studieren - und auch über jede Schulstunde. Weil es in Bremen seinerzeit noch keine Universität gab, übernahmen in der Hansestadt vor allem Schüler die Rolle von handelnden Subjekten und Trägern der Weltrevolution.
Lifestyle à la '68: Proletariermütze, Fusselbart und selbstgedrehte Halfzware-Zippen - das Lebensgefühl der '68er war frei von Fitneskult noch Markenwahn.
Konfrontation auf der Straße: Da blieb kein Auge trocken: Um die Weltrevolution voranzutreiben, war auch schon mal der Einsatz von Eiern oder Mehl gegen die Staatsmacht angezeigt - gelegentlich auch der von Steinen.
Trautes Zwiegespräch: Der Dialog zwischen Alt und Jung wurde in den Sechzigern zunehmend schwierig - angesichts des Kasernentons vieler Altvorderen rüstete die Jugend auch schon mal kommunikativ auf - wie hier bei einer Besetzung des Lehrerzimmers des Alten Gymnasiums in Bremen 1968.
Haupt- und Nebenwidersprüche: Die richtige politische Einordnung mancher Entwicklungen forderte die ganzen dialektischen Fähigkeiten junger Sozialisten.
Skeptischer Blick nach vorn: Die spätere Anwältin Ingeborg Lösekann als Schülerin in den sechziger Jahren.
Besetzer im Persianer: Der spätere Stadtteilbürgermeister Robert Bücking (l.) als Schüler im Pelzmantel seiner Mutter bei einer Schulbesetzung
Junge Revolutionärin: Die Aktivistin des "Sozialistischen Schülerbundes" (SBB) und spätere Journalistin Irmela Hannover auf dem "Festival der Jugend" in Dortmund.
Geblümter Beat-Look: Die spätere Journalistin Tissy Bruns als Jugendliche. Von den Anfängen als Maoistin führte sie ihr politischer Weg Anfang der Siebziger in den MSB Spartakus und zur DKP, aus der Bruns im Juni 1989 austrat. Sie arbeitete als Journalistin für "taz", "Welt" und "Tagesspiegel" und wurde in den Neunzigern als erste Frau Vorsitzende der Bundespressekonferenz.
In der ersten Reihe: Die spätere Grünen-Politikerin Krista Sager trägt bei einer Demonstration ein Transparent gegen das KPD-Verbot.
Wolf Leschmann: Die alten Männer Mao und Marx mutierten zu Helden der Jugend, der sozialistische Gruß zur gern genutzten Provokation der Bürger. Wolf Lerchmann fing sich wegen seines "antiautoritären" Verhaltens eine glatte "Sechs" in Mathe als "Verhaltenszensur" ein. Mit Genossen sprengte er die Zeugniskonferenz.
Bernhard Docke: Der spätere Rechtsanwalt Berhard Docke als Schüler. Am humanistischen Alten Gymnasim in Bremen engagierte er sich im Sozialistischen Schülerbund (SSB). Er wurde später als Anwalt des deutschen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz bekannt.
Ungeplanter Zwischenstop: Der sogenannte "Bremer Straßenbahnstreik" gegen Fahrpreiserhöhungen war für viele Bremer Schüler die Initiation als politische Aktivisten. Wie man erkennt, waren durchaus auch Busse betroffen.