"Live Aid" Sir Bob Geldof und die Benefiz-Konzerte für Afrika
Robert "Bob" Frederick Zenon Geldof wurde 1951 in Irland geboren. Neben seiner musikalischen Karriere sammelt er seit den Achtzigerjahren Spenden für Afrika, engagiert sich sozialpolitisch gegen die weltweite Armutsentwicklung und für die Entschuldung der sogenannten Dritten Welt. Er ist Hauptinitiator der Live-Aid-Konzerte, die 1985 fast zwei Milliarden TV-Zuschauer verfolgten.
London calling: Als jungen Mann zog es Bob Geldof, hier 1978, von Süd-Dublin über Vancouver (Kanada) nach London, wo die Punkwelle explodierte. Er freundete sich schnell mit Johnny Rotten von den Sex Pistols an und war fasziniert vom neuen Sound. Die Boomtown Rats hatte er bereits 1975 gegründet.
The Boomtown Rats: Bob Geldof und seine Bandkollegen Garry Roberts, Johnny Fingers, Gerry Cott und Pete Briquette (von links). Gegründet wurde die Gruppe als Nightlife Thugs, der Bandname Boomtown Rats entlehnte sich dann der Bezeichnung für die Arbeiter auf den Ölfeldern in der Biografie Woody Guthries.
Frontmann Bob Geldof (hier um 1975) schrieb auch die meisten Songs der Boomtown Rats, die anfänglich an die Londoner Punk-Szene andockten und später zu den bekanntesten britischen New-Wave-Bands zählten.
Montags-Drama: "I Don't Like Mondays" hieß im Sommer 1979 der größte Hit von Bob Geldof und den Boomtown Rats. Inspiriert wurde Geldof zu dem Song, nachdem er von einem Schulmassaker in San Diego gehört hatte. Die damals 16-jährige Brenda Ann Spencer (Foto) schoss am Morgen des 29. Januar 1979 aus ihrem Schlafzimmerfenster auf Menschen in der Grundschule gegenüber. Sie tötete den Schulleiter und den Hausmeister mit einem halbautomatischen Gewehr, das ihr Vater ihr geschenkt hatte; neun weitere Menschen wurden verletzt. Zur Begründung sagte sie: "I don't like Mondays". Seitdem sitzt die Mörderin in Haft, ihre Entlassung wurde bei mehreren Haftprüfungen abgelehnt.
Hauptrolle: In der Verfilmung von Pink Floyds Opus "The Wall" spielte Bob Geldof 1982 unter Regie von Alan Parker die Hauptrolle des Rockmusikers "Pink", der in einem Wohnwagen oder in Hotels in Los Angeles lebt und seinen Gedanken, Träumen und Ängsten nachhängt. Die Figur soll auf Pink-Floyd-Gründungsmitglied Syd Barrett (1946-2006) basieren, der die Band 1968 aufgrund psychischer Probleme verlassen musste und sich Mitte der Siebzigerjahre aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Benefiz-Hit: In den SARM Studios in Notting Hill (London) entstand 1984 einer der größten Hits der Popgeschichte - "Do They Know It's Christmas Time", komponiert von Bob Geldof und Midge Ure (rechts). Für das Band-Aid-Projekt fanden sich britische Stars ein, darunter David Bowie, Paul McCartney, George Michael, Queen, Sting, Bono Vox, Phil Collins, Duran Duran, Bananarama, Boy George, Paul Young und Spandau Ballet, um mitzusingen und zu helfen. Nachdem Geldof eine BBC-Reportage über die Hungersnot in Äthiopien gesehen hatte, beschloss er, mit seinen Mitteln etwas dagegen zu tun.
Mega-Hit: "Do They Know It's Christmas" hieß der Song, der um die Welt ging. Es wurde die bestverkaufte Single Englands.
Feed the World: Am 13. Juli 1985 versammelten sich große Stars wie David Bowie, Elton John, Queen, U2 und Elvis Costello im Londoner Wembley Stadion, um für die Hungerhilfe zu singen. Insgesamt dauerte das Musikspektakel 16 Stunden; das 20-minütige Konzert von Queen bezeichneten Musikjournalisten als "greatest live performance in the history of Rock". Der Erlös der weltweiten Spendenaufrufe betrug über 100 Millionen Euro. Die Gelder gingen an Brot für die Welt, Unicef und den Band Aid Trust.
Die Krönung: Lady Diana und Prinz Charles adelten das "Live Aid"-Konzert 1985 im Wembley Stadion mit ihrer Anwesenheit. Organisator Bob Geldof begrüßt das royale Paar auf der Ehrentribüne. Im Hintergrund applaudiert Queen-Drummer Roger Taylor.
Star-Aufgebot: Zum großen Finale fanden sich beim "Live Aid"-Konzert im Londoner Wembley Stadion Superstars wie Freddie Mercury, Paul McCartney, Bono Vox, George Michael und Bob Geldof ein, um gemeinsam "Do They Know It's Christmas" anzustimmen. Weltweit schauten an diesem Tag fast zwei Milliarden Fans an den Fernsehern zu.
Das US-Pendant: Zeitgleich zu London fand am 13. Juli 1985 in Philadelphia "USA For Africa" statt, die US-Variante des Live-Aid-Benefiz-Konzerts. Superstars wie Joan Baez (Foto), Mick Jagger, Bob Dylan, Lionel Richie, die Beach Boys, Madonna, Tom Petty, Black Sabbath, Tina Turner und Teddy Pendergrass kamen für den guten Zweck ins John F. Kennedy Stadion. Aufsehenerregend war die Wiedervereinigung von Led Zeppelin mit Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones sowie Phil Collins am Schlagzeug. Collins war der einzige Künstler, der dank eines Concorde-Flugs an beiden Orten auftrat.
Gemischtes Doppel: Pop trifft Politik - Bob Geldof und U2-Sänger Bono (2. von links) im Gespräch mit George W. Bush und dessen Gattin Laura beim G8-Gipfel 2005 in Schottland.
Entwicklungshilfe: In einem Dorf nahe Addis Abeba in Äthiopien besuchte Geldof im Mai 2003 Waisenkinder. Seit Jahrzehnten reist er mehrmals im Jahr nach Afrika, um zu helfen. Schätzungsweise 14 Millionen Äthiopier sind noch heute vom Hunger betroffen.
Hello Afrika: Bob Geldof im Juli 1991 zu Besuch bei Nelson Mandela, damals nach Jahrzehnten aus der Haft des früheren Apartheid-Staates Südafrika entlassen und Präsident des African National Congress
Kanzlertreff: In Heiligendamm traf Bob Geldof 2007 beim G8-Gipfel auch Angela Merkel. "Eine bemerkenswerte Frau", so Geldof, der die Bundeskanzlerin als "aufmerksame Zuhörerin und absolut verlässlich" lobt, was bei Politikern alles andere als selbstverständlich sei.
Ritter Bob: Im Juli 1986 zeigen sich TV-Moderatorin Paula Yates und Ehemann Bob Geldof vor dem Buckingham Palace, nachdem dieser von Queen Elizabeth II. zum Ritter ("Knight Commander of the British Empire") geschlagen wurde.
Familienidyll: Bob mit Ehefrau Paula Yates und den Töchtern Fifi Trixibelle, damals 6, und Baby Peaches (2. von rechts) im Jahr 1989
Familiendrama: Das Foto zeigt Bob Geldof mit seiner Tochter Peaches 2009 bei einer Modenschau in London. Am 7. April 2014 starb Tochter Peaches in ihrem Haus in Wrotham, vermutlich an einer Überdosis. Sie hinterließ zwei Söhne. Ihre Mutter Paula, die nach der Trennung von Bob mit INXS-Sänger Michael Hutchence (gest. 1997) liiert war, war bereits im Jahr 2000 an einer Überdosis Heroin gestorben.
Kings of Pop: Bei den Brit-Awards überreichte Bob Geldof 1996 Michael Jackson den "Artist Of A Generation"-Award in London. Bei der Show performte Jackson den "Earth Song". Er ist auch Mitkomponist von "We Are The World", der US-Benefiz-Nummer zur Afrikahilfe. Dem großen Live-Aid-Konzert in Philadelphia ("USA For Africa") blieb er 1985 jedoch fern, weil seiner Auffassung nach nicht genug afroamerikanische Künstler auftreten durften, so begründete es Jackson jedenfalls.
Ratten und Katzen: The Bobkatz heißt Geldofs Zweitband neben The Boomtown Rats. Mit ihr spielt er "Irish Jazz", hier im Juli 2017 beim Opening der Jazz-Wochen im Festsaal des Bayerischen Hofs in München.
Weißer Ritter: Bob Geldof (links) mit Autor Alex Gernandt beim Interview in München. "Man kann mich Sir Bob nennen, muss man aber nicht", so der zum Ritter geschlagene Sir Bob. "Das ganze Knighthood-Ritual finde ich ein bisschen albern, aber es ehrt mich auch."