Halima, 20, musste zu Boko Haram "Fliehst du noch einmal, schächten wir dich wie ein Tier"
Halima in ihrer Unterkunft in Bol im afrikanischen Tschad. Die junge Frau wurde von der Terrorgruppe Boko Haram zusammen mit sechs anderen als Selbstmordattentäterin losgeschickt. Sie zündete ihren Sprengsatz nicht, die anderen schon. Sie verlor durch die Explosionen beide Beine.
Till Mayer
Jetzt lernt Halima, 20, Lesen und Schreiben. Für die Menschen auf ihrer Heimatinsel Gomerom Doumou fordert sie Entwicklung und eine ordentliche Schule. Oft muss im Tschad ein Lehrer 120 Kinder unterrichten. Und wenn jungen Menschen jede Perspektive fehlt, bedeutet das Zulauf für Boko Haram.
Um auf Halimas Heimatinsel Gomerom Doumou zu kommen, besteigt man in Bol ein klappriges Holzboot.
Dann geht es durch ein Inselmeer über den Tschadsee. Der Lotse braucht oft viel Geschick, um immer eine Fahrrinne zwischen den Inseln und schwimmenden Grasteppichen zu finden.
Mindestens eineinhalb Stunden ist man mit dem Boot von Bol nach Gomerom Doumou unterwegs.
Auf der Insel herrscht ein beschauliches Leben. Ein Kuh mit gewaltigen Hörnern beäugt neugierig das ankommende Boot und seine Passagiere.
Halima ist froh, zu Besuch in der Heimat zu sein und wirft kurzerhand ihre Gehhilfen in die Luft. Wütend auf ihre Familie ist sie nicht mehr. Mit 14 wurde sie verheiratet. Ihr Mann schloss sich der Terrormiliz Boko Haram an, so wie andere von den Inseln auf dem Tschadsee.
Freundinnen holen sie am Ufer ab. Gemeinsam geht es zum Dorf.
Als das Boot wieder Richtung Bol ablegt, verbirgt Halima ihr Gesicht hinter den Händen. Es ist anstrengend für sie, in ihr altes Leben zurückzukehren, wenn auch nur für ein paar Stunden.
"Viele in Bol kennen heute meine Geschichte und sind gut zu mir", sagt Halima.
Schulbildung ist ihr wichtig geworden. Von der Organisation "Humanity & Inclusion" (Handicap International) hat Halima Prothesen erhalten. Die Organisation engagiert sich am Tschadsee auch für inklusiven Unterricht.