René Weller Ein Mann vom richtigen Schlag
Mehr Scheine als sein: Jahre bevor das Privatfernsehen Henry Maske und Co. zu Box-Millionären machte, galt der schöne René Weller als stärkstes Zugpferd der nationalen Boxszene - ohne dass der Pforzheimer bei seinen Kämpfen ansatzweise so viel verdiente wie seine Nachfolger in den Neunzigerjahren. Aber er verstand sich auf Selbstinszenierung: "Ich sorgte meistens dafür, dass die Hallen
Harald Weller (links) in Aktion: Schon der Vater des späteren Weltmeisters stand im Ring, doch zunächst dachte der Sohn gar nicht daran, seinem alten Herrn nachzueifern: Weller junior wurde als Judoka Stadtmeister und bewies auch auf dem Fußballplatz Talent. Erst als Muhammad Ali die (Box-)Welt erschütterte, kam auch René Weller auf den Geschmack. Sein Vater starb viel zu früh an Krebs.
Beginn einer schillernden Karriere: Bei den Deutschen Meisterschaften der Amateure in Eppelheim besiegte Linksausleger René Weller (hinten) im Finale Hans Pillarz im Bantamgewicht und holte sich 1972 den ersten Titel seiner Laufbahn. Großes Vorbild für den jungen Boxer aus Pforzheim war Muhammad Ali, dessen Stil er im Ring zu kopieren versuchte. "Wenn der kämpfte", sagt Weller, "waren das nicht bloß Boxkämpfe, sondern die große Show!"
Legendärer Kampf: Im Februar 1964 boxte Muhammad Ali gegen den scheinbar unschlagbaren Weltmeister Sonny Liston - und zerlegte ihn nach allen Regeln der Boxkunst. René Weller war davon tief beeindruckt.
Hobbymaler: Zwischen seinen Kämpfen fand der gelernte Heizungsmonteur und Goldschmied Entspannung beim Malen. Hier eine Momentaufnahme des legendären "Thrilla in Manila" von 1975, des dritten, letzten und intensivsten Kampfes zwischen Ali und Joe Frazier. Weller, hier im Jahr 1976, sollte erst 1980 ins Profilager wechseln und bis dahin in den Leichtgewichtsklassen das deutsche Boxen dominieren.
Der Größte: Gut aussehend, starker und ungemein schneller Boxer, mit gigantisch großer Klappe - wie Muhammad Ali wollte René Weller auch werden.
Das Vorbild: 1979 erfüllte sich für Weller ein Lebenstraum, als er an der Seite von Muhammad Ali eine Woche lang im Auftrag eines Getränkeherstellers auf Promo-Tour durch Deutschland reisen durfte. Der Glanz des Champs strahlte auch auf Weller ab, der sich in diesen Tagen nicht nur Witze und Zaubertricks abguckte, sondern auch, wie man als Boxer außerhalb des Rings die Öffentlichkeit unterhalten kann.
Premiere als Profi: 1980 wurde Weller unter die Fittiche von Boxmanager Wilfried Sauerland genommen, am 12. Juni 1981 kämpfte er seinen ersten Profikampf und besiegte den Italiener Potito Di Muro (vorn) in Köln nach Punkten - der erste von insgesamt 55 Kämpfen als Profi (52 Siege, 24 durch K.o., eine Niederlage, zwei Unentschieden).
Rolle des Aufschneiders: Auch weil Weller selbst kein Problem mit diesem Image hatte, wurde er in der Folge als der "schöne René" zum Box-Playboy des deutschen Boxens der Achtzigerjahre aufgebaut. Fotos wie diese stilisierten den flinken Kämpfer zum Sexsymbol, er selbst nannte sich "Golden Boy", was bei der Wahl der Unterwäsche eine Rolle gespielt haben dürfte.
Harte Arbeit am Playboy-Image: Die Medien wurden nicht müde, Wellers Image weiter auszubauen. Auf Fotos sah man ihn vorzugsweise halbnackt und von schönen Frauen umgeben. In Interviews füllte er die Rolle des Macho-Faustkämpfers perfekt aus und sagt Sätze wie diesen: "Frauen gehören für mich hinter den Herd, Emanzipation würde ich in meinem Haushalt nicht zulassen."
Schiebung? Im Juni 1983 kämpfte Weller in Italien um die Europameisterschaft und war gegen den Sizilianer Lucio Cusma klar überlegen, doch die Ringrichter werteten den Kampf als Unentschieden, womit Europameister Cusma seinen Titel behielt. Für viele Beobachter ein Skandal.
Finstere Drohungen: Vor dem Kampf gegen Cusma hatte die sizilianische Mafia Weller Angebote gemacht, die er eigentlich nicht hätte ablehnen können - entweder lasse er sich früh fallen und akzeptiere eine hohe Geldsumme auf seinem Konto, oder man werde ihn während des Duells erschießen. Weller reiste mit zwei Leibwächtern an, einer von ihnen war Peter Althof (ganz links), der später als Bodyguard von Michael Jackson und Henry Maske berühmt wurde.
Zu flink für die Gegner: René Weller während eines Kampfes in seiner Ringecke. Später bekam er für vier Kämpfe gar Angelo Dundee, den langjährigen Trainer von Muhammad Ali, an die Seite gestellt. Wie der große Champion im Schwergewicht lebte der Leichtgewichtler Weller von seiner Schnelligkeit und seiner Beweglichkeit. Er sagt: "Jeder Boxer kann K.o. geschlagen werden. Aber mich hat man nie gekriegt."
Jubelpose: Am 7. Oktober 1983 erreichte Weller den Gipfel. Hier jubelt er nach seinem K.o. in der ersten Runde gegen James Ortega über den Weltmeisterschaftstitel des im internationalen Vergleichs eher wenig einflussreichen Verbandes WAA im Superfedergewicht. Weil er nie in einem offiziellen WM-Kampf besiegt wurde, darf er sich heute "ungeschlagener Weltmeister" nennen.
Liebling der Fotografen: Paradiesvogel Weller war für jede noch so absurde Idee zu haben, auf diesem Foto posiert er kurz nach seinem WM-Sieg mit Tochter Kim Jennifer als König seines Sports, stilecht mit Umhang und Goldkrone. Mit dem Edelmetall kennt Weller sich aus: Stets gern trug er auffälligen Schmuck und nutzte die vorhandenen Kenntnisse und Kontakte, um am Rande seiner Kämpfe die Börse mit dem Verkauf von Uhren oder Ketten aufzubessern.
Weller und die Frauen: "Das war damals unglaublich, die sind ihm in Scharen nachgerannt und hätten alles gegeben, um nur mal seinen Po zu berühren", sagt seine heutige Gattin Maria. Zeitweise musste der Boxer Leibwächter beschäftigen, um die aufdringlichen Damen im Zaum zu halten: "Die standen nach den Kämpfen schon Schlange vor seiner Kabine und rissen sich die T-Shirts vom Körper." Das Foto zeigt Weller 1983 mit seiner damaligen Freundin Doris Heinz in seinem Boxstudio.
Mann des Volkes: Nach seinem Punktsieg am 5. Oktober 1984 gegen den britischen Meister George Feeney in der Frankfurter Festhalle sprach Europameister Weller zu seinen Fans. "Die Leute haben sich für einen normalen Leichtgewichtsboxer nicht interessiert", sagt er heute, "deshalb musste ich ihnen immer auch eine Show bieten." Von den Millionen-Einschaltquoten der Maskes und Michalczewskis ein Jahrzehnt später war er allerdings noch weit entfernt, Boxen hatte Mitte der Achtziger einen eher negativen Ruf, als einer der wenigen Kämpfer schaffte es Weller zu nationaler Berühmtheit.
Gewinner: Nach seinem Sieg durch Technischen K.o. gegen Konrad Mittermeier im Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Leichtgewicht 1987 spricht Weller hier in die Mikrofone. Ein Jahr zuvor hatte er die erste und einzige Niederlage seiner Profilaufbahn kassiert, gegen den späteren WBO-Weltmeister Gert Bo Jacobsen aus Dänemark hatte er nach acht Runden verletzungsbedingt aufgeben müssen und seinen EM-Titel verloren.
Massage für den Champ: 1991 hatte der schöne René noch immer einen schönen Körper, aber die inzwischen mehr als 400 Kämpfe hatten ihre Spuren hinterlassen, zwei Jahren später beendete er seine Karriere. Er war fester Bestandteil der Boxszene in der legendären "Ritze" auf St. Pauli, hatte die Hauptrolle in einem Spielfilm ("Macho Man"), einen "René-Weller-Rap" aufgenommen, war in jeder Fernsehsendung des Landes und ist Ehrenbürger einer amerikanischen Kleinstadt. Sein Fazit heute: "Ich habe das Maximum herausgeholt."
Und ewig steht die Föhnwelle: Weller mal wieder im Mittelpunkt. 1996 brachte er ganz offiziell seine Schmuckkollektion "Rewell" heraus und belieferte die Reichen und Schönen und Glitzernden mit fingerdicken Ketten und glänzenden Gürtelschnallen.
Weller als Freigänger Anfang des neuen Jahrtausends: 1999 wurde er wegen Kokainhandels, Hehlerei, Anstiftung zur Urkundenfälschung und unerlaubten Waffenbesitzes zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Am 31. Januar 2003 entließ man ihn wegen guter Führung vorzeitig. Die Verhaftung durch die Polizei beschreibt er heute als "schlimmsten Moment meines Lebens".
Unter der Haube: Im November 2013 heiratete Weller seine Langzeitfreundin, die Journalistin Maria Dörk. Unregelmäßig sah man die Wellers in Reality-TV-Formaten, zuletzt im Juli 2016 in "Das Sommerhaus der Stars - Kampf der Promipaare". Sie über ihn: "Ohne mich wäre er hilflos, er kennt sich in vielen alltäglichen Dingen nicht aus. Und dann ist er so gutmütig, dass er sich wieder von falschen Freunden ausnutzen ließe." Das Foto zeigt das Ehepaar 2005 im "Europa Park" in Rust bei Freiburg, als Weller Jurymitglied bei der "Miss Germany"-Wahl war.
Im Prozess: Weller 1999 vor dem Karlsruher Landgericht mit seinem Anwalt Michael Schilpp. Seine heutige Frau sagt: "Da gibt es nichts zu beschönigen, da hat der René einfach Scheiße gebaut." Das Gericht verurteilte den früheren Boxer zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren.
Macho, Macho: 1985 wurde aus dem Faustkämpfer Weller auch ein Leinwandheld, als Boxer Dany Wagner verprügelte er gleich zu Beginn des "einzigen Actionfilms, der jemals in Nürnberg gedreht wurde" (so die "Nürnberger Zeitung") drei Drogendealer und freundete sich mit der Arztsekretärin Sandra Petersen (Bea Fiedler) an. Sechs Jahre später klagte Weller erfolgreich gegen die im Film eingebauten Sexszenen, was ihn jedoch nicht daran hinderte, 2017 in der Fortsetzung von "Macho Man" mitzuwirken.
Immer textilsparend: "Ich bin der einzige Deutsche, der nackt besser aussieht als angezogen", behauptete der Leichtgewichtsboxer mal und ließ auf diesem Foto von 1981 dann doch die Hosen an.
Immer gut für ein Spektakel: "Selten gab es einen Sportler, der so hartnäckig dafür gesorgt hat, dass er im Gespräch bleibt", schrieb die "Bild" schon Anfang der Achtziger über Weller, der auch nach der aktiven Karriere Gefallen daran fand, sein Publikum zu überraschen. 2005 startete er in einer Karlsruher Diskothek gemeinsam mit dem Aktionskünstler Marko König (mit Kettensäge) und dem "zehnfachen Weltmeister der Fakire" Benji le Fakir (ganz unten) eine Unterhaltungsshow mit dem Titel "Die Rückkehr der harten Jungs". Hier lässt sich Weller einen auf seiner Brust liegenden Balken mit einer Kettensäge zerteilen, während er auf einem Nagelbrett liegt, das wiederum auf dem zehnfachen Weltmeister der Fakire platziert ist.
Die frühen Jahre: Weller 1976 neben Freundin Ute auf einem Schaukelstuhl. Erst 1980 wechselte er ins Profilager und bestritt bis dahin 355 Amateurkämpfe. Die genaue Zahl seiner Freundinnen ist unbekannt.
Auch ein Gefängnis: 2005 zog Weller (2. v. r.) ins Big-Brother-Dorf, auf dem Foto unter anderem mit, von links: Harry aus der zweiten Big-Brother-Staffel, Bert und Cindy, Cornelia Corba und Ali Khan). Er wurde aber nach nur einer Woche rausgeworfen, weil er den Mitbewohner seinen nackten Hintern präsentiert hatte.