"Brain Chips"-Experimente - DER SPIEGEL
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"Brain Chips"-Experimente Science-Fiction im Kopf

Rasende Kampfstiere blieben stehen, aggressive Affen wurden friedfertig: In den sechziger Jahren sorgten dramatische Experimente in der Hirnforschung für weltweites Aufsehen. Zum Pionier der "Brain Chips" wurde José Delgado, der Tiere mithilfe von Chips im Kopf manipulierte - und davon träumte, auch den Menschen zu steuern.
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Schrittmacher im Kopf: Eine weiße Ratte mit implantierten Elektroden im Gehirn. Sie verpassen dem Nager, dem zuvor Kokain verabreicht worden war, im Minutentakt Stromstöße. Mit diesem Experiment wollten Neurowissenschaftler des National Instituts of Health in Bethesda, Maryland, 1976 die Tauglichkeit der Droge als Narkotikum testen.

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José M. R. Delgado: Der Professor für Physiologie und Psychiatrie an der Yale-Universität in New Haven, Connecticut, forschte in den sechziger Jahren an der elektronischen Stimulierung des Gehirns. Er pflanzte eine Minisonde in ein menschliches Gehirn ein und fand heraus, dass er damit den Probanden fast unbegrenzt kontrollieren konnte. Über Funk konnte er gezielt alle möglichen Gefühle und Reaktionen auslösen - wie etwa Wut, Lust oder auch Müdigkeit.

Foto: AP
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Wie ein milder Stier: Bevor José M. R. Delgado seine Experimente am Menschen durchführte, forschte er an Tieren und setzte einem Stier eine Minisonde im Gehirn ein, die mit einem Funkgerät aktiviert werden konnte. Bis auf zwei Meter ließ der Professor, der sich im Sommer 1965 für die Studie selbst in die Arena wagte, das wütende Tier heranstürmen. Dann drückte er einen Knopf an dem Funkgerät, das er in der Hand hielt. Der Stier stoppte mitten in Lauf und trollte sich davon - Delgados Versuch war geglückt.

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Der Lust-Doktor: Der Mediziner Robert Heath der US-Universität Tulane pflanzte seinen Patienten "Lustelektroden" ins Gehirn, hier am 11. November 1966 bei einem Experiment an einem menschlichen Schädel. Tatsächlich war die körperliche und emotionale Schmerzempfindlichkeit einiger Patienten durch die Elektrostimulation gemindert. Zudem besserte sich der Zustand von mehreren geisteskranken Probanden überraschend, nachdem sie Elektroden und eine Batterie, die hin und wieder einen Stromstoß ins Gehirn schickte, für längere Zeit am Kopf herumgetragen hatten.

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Unter Beobachtung: Wissenschaftler des Yerkes National Primate Research Center in Atlanta setzten 1968 einem Rhesusaffen Elektroden ins Gehirn. Mit diesem Versuch wollten die Forscher herausfinden, welche Nervenzentren im Kopf Emotionen wie Wut oder Trauer steuern.

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Chip im Gehirn: Chinesische Wissenschaftler der Technischen Universität Shandong haben 2007 einer Taube Mikroelektroden ins Gehirn implantiert. Mit diesem Experiment sei es den Forschern nach eigenen Angaben gelungen, die Vögel ...

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... fernzusteuern: "Das ist weltweit das erste erfolgreiche Experiment dieser Art bei Tauben", sagte Su Xuecheng, Chefwissenschaftler des Robotertechnik-Forschungszentrums der Technischen Universität Shandong. Bei Mäusen sei ihm und seinem Team eine Fernsteuerung mit Hilfe von Brain Chips bereits 2005 gelungen.

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Künstliches Auge: Im Jahr 2000 präsentierten Neurowissenschaftler in New York eine computergesteuerte Kamera-Brille, die diesem blinden Mann das Sehen ermöglichte. Der Patient konnte mit Hilfe des Geräts, das über implantierte Elektroden im Gehirn funktionierte, Briefe lesen und große Möbel in einem Raum erkennen.

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Hirnschrittmacher: Röntgenaufnahme eines Patienten nach einer 14-stündigen Gehirnoperation, bei der im Juni 1999 Neurowissenschaftler dem Mann einen sogenannten Hirn-Schrittmacher eingesetzt hatten. Dafür bohrten die Ärzte zwei Löcher in die Schädeldecke und platzierten im Gehirn anschließend dünne Kabel sowie Mikroelektroden, die per Elektrostimulation pro Minute circa 40 Muskelkrämpfe auslösten.

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Elektrostimulation: Die Illustration zeigt die Platzierung von Elektroden im Subthalamus - jenen Teil des Zwischenhirns, der vor allem für die Steuerung der Grobmotorik zuständig ist. Die Chips sind mit einem Schrittmacher verbunden, der im Brustkorb eingepflanzt wurde. Französische Forscher fanden heraus, dass mit Hilfe der Elektrostimulation die Symptome von Zwangsneurotikern gemildert werden konnten.

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Parkinson-Studie: Die US-Amerikanerin Sharon Pederson, hier mit ihrem Hund 2009 in Petaluma, Kalifornien, nahm an einer Studie zur Deep Brain Stimulation (DBS) teil - ein neurochirurgisches Verfahren zur Behandlung von Bewegungskrankheiten wie zum Beispiel der Parkinson-Krankheit, an der Pederson leidet. Bei der DBS werden Elektroden in den Kopf eingesetzt, die mit einem Schrittmacher ähnlichen Apparat verbunden sind. Dieses Gerät sendet kurze elektrische Impulse an das Gehirn, so dass gestörte Nervenzellen deaktiviert werden.

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Hirn und Computer: Die Röntgenaufnahme von 1998 zeigt ein Implantat, das an einen Computer angeschlossen ist, im Gehirn eines querschnittsgelähmten Patienten. Mit Hilfe des Chips konnte der Proband - mit seiner Gehirntätigkeit - einen Cursor auf einem Bildschirm bewegen. Das Experiment wurde an der Emory University in Atlanta durchgeführt.

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Studie für Suchtkranke: Professor Jürgen Voges, Direktor der Klinik für Stereotaktische Neurochirugie, betrachtet am 25. Mai 2010 im Uni-Klinikum in Magdeburg Röntgenaufnahmen von implantierten Elektroden im Schädel eines Suchtpatienten. Außer der klassischen Anwendung bei Parkinson-Patienten wurden in Magdeburg auch erfolgreich erste Heilversuche an Alkoholkranken mit Hilfe der Hirnschrittmacher praktiziert.

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Fingernageldünn: Ein Arzt zeigt im Magdeburger Uni-Klinikum eine Elektrode, wie sie zur Hirnstimulation eingesetzt wird.

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E-Implantat: Diese Röntgenaufnahme zeigt die implantierten Elektroden im Schädel eines Suchtpatienten.

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Affen-Experiment: In den achtziger Jahren führten japanische Forscher ähnliche Versuche am Gehirn von Affen durch, hier ein junger Rotgesichtsmakak. Wissenschaftler in aller Welt haben in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher Methoden ersonnen, Triebe und Stimmungen, Instinkte und Verhaltensweisen bei den verschiedensten Tieren künstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen - mit Hilfe von implantierten Elektroden im Kopf.

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Befreite Tiere: Tierschützer konnten diese Katze, der ein Gehirnimplantat eingesetzt worden war, aus der Veterinärschule an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia befreien. Insgesamt acht Tauben, zwei Hunde und drei Katzen rettete 1984 eine US-Tierschutzorganisation aus der Versuchslehranstalt.

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Flexible Seidenimplantate: Ein Elektroden-Datenstreifen aus Seidenfasern auf einem detailgetreuen Hirnmodell. Das flexible Material der neuartigen Implantate legt sich eng in die einzelnen Furchen, um einen optimalen elektrischen Kontakt zwischen Elektrode und Hirnzellen zu gewährleisten.

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