Brasilianische Wohnmaschine Riesenwelle im Betonmeer
Kurvig: Das Edifício Copan in sanfter S-Form trägt klar die Handschrift seines Schöpfers. Typisch für den brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer ist der Schwung in seinen Entwürfen, dem er seinen Spitznamen verdankt - "Herr der Kurven".
Top-Adresse: Mit seiner geschwungenen Form sticht das Edifício Copan zwischen den bauklotzartigen Hochhäusern São Paulos markant hervor. Rund 5000 Menschen leben in dem Gebäude - im Herzen der brasilianischen Metropole an der belebten Avenida Ipiranga.
Instandsetzung: Ein Arbeiter streicht am 19. Januar 1998 eine Feuertreppe im Edifício Copan. Insgesamt kümmern sich mehr als hundert Hausmeister um das 116.000 Quadratmeter große Gebäude.
Stararchitekt Niemeyer: "Als ich das Copan gemacht habe, war die Straße kurvig, und es folgt nur dieser Kurve", erklärte der inzwischen 104-jährige Brasilianer seinen Entwurf für die "Betonwelle" in São Paulo. Niemeyer selbst ist ebenfalls eine Legende: Der Mann, der die Hauptstadt Brasilia plante, gilt als bedeutendster brasilianischer Architekt der Geschichte.
Oscar Niemeyer 1989 in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro.
Haus der Superlative: Das Edifício Copan steht zweimal im Guinness Buch der Rekorde. Kein anderer Baukörper der Welt beherbergt so viele Wohnungen, 1160 an der Zahl. Und kein anderes Gebäude der Welt kann so viel Wohnfläche vorweisen: 116.000 Quadratmeter.
Ganz oben: Auf dem Dach des Edifício Copan gibt es eine Terrasse, die für Besucher zugänglich ist und auch bei trübem Wetter einen traumhaften Blick über die Skyline São Paulos bietet. 2011 wählten buddhistische Mönche die Aussichtsplattform als Ort ihrer Meditation.
Mikrokosmos: Neben Cafés und Restaurants befindet sich im Edifício Copan eine Einkaufsstraße mit mehr als 80 Geschäften, sogar eine Kirche steht den Bewohnern im Haus zur Verfügung. Wegen der umfassenden Infrastruktur waren sich die Behörden einig, dass das Haus eine eigene Postleitzahl verdiente.
Jalousie-Design: Die horizontal geschwungenen Betonlamellen an der Frontseite lassen den Architektur-Koloss sanfter erscheinen. Doch sie haben auch einen ganz praktischen Nutzen - sie dienen als dauerhafter Schutz vor der Sonne.
Übernahme der CNI: Nachdem der ursprüngliche Auftrag- und Namensgeber des Edifício Copan, die Companhia Pan-Americana de Hotéis e Turismo, pleitegegangen war, fiel das Mammutprojekt in die Hände des CNI, des Dachverbands der brasilianischen Industrie.
Architektenwechsel: Niemeyers Entwürfe von hängenden Gärten an der Fassade sowie einem Hotel im Haus samt Riesen-Kino wurden nach der CNI-Übernahme aus Kostengründen ad acta gelegt. Niemeyer konnte das egal sein, er war zu diesem Zeitpunkt mit einem anderen weitaus prestigeträchtigerem Projekt, dem Aufbau der Retortenstadt Brasília, beschäftigt. Für Copan war nun sein Kollege Carlos Lemos zuständig.
Von unten: Das Copan-Gebäude, das eigentlich aus sechs Wohnblöcken besteht, misst an seiner höchsten Stelle 140 Meter. 32 Stockwerke geht es aufwärts.
Im Bau: Spatenstich des berühmten Wohngebäudes in São Paulo war 1957 - aber erst neun Jahre später war es fertiggestellt.
Einer von Tausenden: Als mit der Industrialisierung in den vierziger Jahren die Bevölkerungszahl in São Paulo explodierte, brauchte die Stadt dringend neuen Wohnraum. Mit dem Copan schufen die Bauherren das bis heute weltgrößte Wohnhaus. Rund 5000 Menschen leben in dem Gebäude.