Brasilien Sozialprotest statt Samba
Demonstrantin in Brasília: Es ist vor allem ein Protest der Jungen aus der Mittelschicht. Sie wollen sich das System aus Korruption und Misswirtschaft nicht mehr gefallen lassen. Viele fordern besser Bildungsmöglichkeiten, auch wenn ihre Eltern die teuren Gebühren für Privatschulen gerade noch aufbringen.
In Brasilien wächst die Wut: Mehr als 200.000 Menschen haben in mehreren Städten demonstriert. Die Proteste entzünden sich an den enormen Kosten der Fußball-WM - der Ärger richtet sich aber auch gegen Kungelei und Korruption.
In Rio lieferten sich Randalierer Straßenschlachten mit der Polizei. In den Tagen zuvor hatten sich viele Menschen auch über die Polizeigewalt beklagt: In São Paulo etwa knüppelten die Sicherheitskräfte Demonstranten nieder, viele Unbeteiligte wurden getroffen, Journalisten verletzt.
Präsidentin Rousseff (r., hier mit Fifa-Präsident Sepp Blatter) versucht, die Lage zu beruhigen. "Friedliche Demonstrationen sind legitim. Es liegt in der Natur der Jugend zu demonstrieren." Doch reichen ihre Worte?
Viele Menschen sind verärgert über die Geldverschwendung im Land. Allein der Umbau des legendären Fußballtempels Maracanã in Rio de Janeiro kostet 425 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie veranschlagt.
Die Millionen könnten besser investiert werden, meinen viele Demonstranten. Sie fordern mehr Geld für Soziales, etwa für bessere Schulen und Krankenhäuser.
Viele Millionen Menschen konnten dank Sozialprogrammen der Armut entfliehen.
Für die sportlichen Großereignisse baut Brasilien in großem Stil um, Tausende Menschen werden umgesiedelt. Bürgerrechtler warnen, die Zwangsräumungen und Umsiedlungen verstießen teilweise gegen Menschenrechtsstandards. Darunter leiden auch die Ureinwohner, die ebenfalls von Zwangräumungen betroffen sind.
Demonstrationen gab es in vielen Städten, etwa in São Paulo, Rio de Janeiro und Brasília. In der brasilianischen Hauptstadt gelang es Demonstranten, Teile des Dachs des Nationalkongresses zu besetzten.