Brasilien von A bis Z - DER SPIEGEL
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Brasilien-Lexikon Von A wie Açaí bis Z wie Zahnseide

Was macht man in einer Churrascaria? Wie reagiert man beim Gruß "Tudo bem"? Und muss Zahnseide wirklich sein? So bunt wie Brasilien ist dieses Glossar der wichtigsten Begriffe für Fußball-WM-Schlachtenbummler.
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A wie Açaí: Eine dunkle Beerenfrucht aus dem Amazonasbecken (hier werden Körbe davon schon auf dem Markt in Belem aufgebaut). In den vielen Saftbars wird das Fruchtmus meist gefroren serviert: Die Köstlichkeit hat dann die Farbe von Schokolade, die Konsistenz von Frozen Yogurt und einen Geschmack irgendwo zwischen Cassis und Banane.

Foto: © Paulo Santos / Reuters/ REUTERS
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A wie Amazonas: Der größte Fluss der Welt führt mehr Wasser als jeder andere, je nach Messung soll er auch länger sein als der Nil. Rekordhalter ist auch der Regenwald im Amazonasgebiet: Er ist weltweit der größte und Heimat Zehntausender Pflanzen- und Tausender Tierarten. Touristen beginnen ihre Flusssafari am besten im WM-Spielort Manaus, der Millionenmetropole im Dschungel.

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B wie Barraca: Die Buden sind die allgegenwärtigen Verkaufsstände - auf dem Land, in den Armenvierteln oder am Strand. Hier deckt man sich mit dem Nötigsten ein, erfährt den neuesten Tratsch, flirtet und lässt sich sehen.

Foto: Peter Neitzsch
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B wie Bloco: In dieser Formation tanzt, singt und trommelt im Karneval gemeinsam, wer aus demselben Viertel kommt - oder jedenfalls die Farben derselben Sambaschule trägt. Zu einem "bloco" zählen bei den großen Paraden oft mehrere Hundert verkleidete Personen.

Foto: © Nacho Doce / Reuters/ REUTERS
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B wie Bossa nova: Mit der "neuen Welle" begann in den Fünfzigerjahren eine Zeit, in der verjazzte Sambarhythmen aus Rio um die Welt gingen. Unvergessen sind die Melodien eines Antônio Carlos Jobim oder João Gilberto (Foto) auch, weil sie wie "Girl of Ipanema" auf Englisch gecovert wurden.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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B wie BRIC: Das "B" in den BRIC-Staaten steht für Brasilien. Zum Club der aufstrebenden Schwellenländer werden auch Russland, Indien und China gezählt. Nach einem Jahrzehnt des Booms hat sich Brasiliens Wirtschaft zuletzt aber deutlich abgekühlt: Steigende Preise führten im vergangenen Jahr landesweit zu Protesten gegen die Regierung (Foto).

Foto: CHRISTOPHE SIMON/ AFP
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B wie Brasília: Die Landeshauptstadt ist vom Stararchitekten Oscar Niemeyer entworfen worden. Der futuristischen Retortenstadt wurde von ihrem Planer der Grundriss eines Flugzeugs zugedacht. Heute wohnen die Wohlhabenden innerhalb des Flugzeugs - der Rest drumherum.

Foto: © Ueslei Marcelino / Reuters/ REUTERS
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C wie Caipirinha: Die Caipirinha-Menüs haben in Brasilien den Umfang von Cocktailkarten. Der Drink wird nicht nur mit Limetten serviert, sondern als Caipifruta mit fast allem, was im Land an bekannten und unbekannten Früchten wächst. Wahlweise auch mit Wodka oder Rum - am besten schmeckt eine Caipi aber mit dem Zuckerrohrschnaps Cachaça.

Foto: © Paulo Whitaker / Reuters/ REUTERS
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C wie Candomblé: Die brasilianische Mischreligion aus Christentum und afrikanischen Kulten ähnelt dem Voodoo. Die zwangskonvertierten Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen beteten katholische Heilige an, doch diese standen für die alten afrikanischen Götter.

Foto: © Pilar Olivares / Reuters/ REUTERS
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C wie Capoeira: Von afrikanischstämmigen Sklaven erfunden, wurde diese Kampfkunst als Tanz getarnt, um ein Verbot durch die weißen Großgrundbesitzer zu umgehen. Gegen einen kleinen Obolus laden Capoeira-Schulen auch Besucher ein - zum Zuschauen oder Mitmachen.

Foto: © Ricardo Moraes / Reuters/ REUTERS
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C wie Churrascaria: Veganer sollten diese Restaurants besser meiden: Rind, Lamm und Schwein werden hier in rauen Mengen serviert. Von großen Spießen schneiden die Kellner die saftigen Streifen direkt auf den Teller.

Foto: © Paulo Whitaker / Reuters/ REUTERS
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E wie Evangelikale: Der Papst kommt aus Südamerika, und Brasilien hat die größte katholische Bevölkerung der Welt. Doch immer mehr Brasilianer konvertieren zu evangelikalen, christlichen Sekten. In den ärmeren Gemeinden sprießen Freikirchen wie die "Versammlung Gottes" oder die "Vier Evangelien" wie Pilze aus dem Boden.

Foto: © Ueslei Marcelino / Reuters/ REUTERS
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F wie Favela: In den illegalen Armensiedlungen leben oft Hunderttausende in einem Labyrinth aus selbst errichteten Gassen und Treppen - ein ideales Operationsgebiet für Drogengangs. Vor der Fußball-WM versuchte die Polizei in Rio, etliche Favelas durch massiven Einsatz zu befrieden. Doch kurz vor der WM versuchen die Drogenbosse, den Raum wieder zurückzugewinnen.

Foto: © Sergio Moraes / Reuters/ REUTERS
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F wie Funk: Brasilianischer Funk hat mit James Brown so viel zu tun wie ein Maschinengewehr mit einer Spritzpistole. Baile-Funk heißt der harte, oft Gewalt verherrlichende Favela-Rap auf tanzbaren Rhythmen. Die Mittelschicht rümpft über diese vulgäre Ghettomusik nur die Nase.

Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERS
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F wie Futevôlei: Der Mix aus Beachvolleyball und Fußball ist die perfekte Sportart für Brasilien. Dabei treffen Ballgefühl und spielerische Raffinesse der Kicker auf den Körperkult der Sonnensucher und Strandsportler. In Rio findet jedes Jahr die Futevôlei-Meisterschaft statt.

Foto: © Sergio Moraes / Reuters/ REUTERS
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F wie Fusca: So wird in Brasilien der deutsche VW-Käfer genannt, der gemeinsam mit dem Bulli seinen Siegeszug durch ganz Südamerika angetreten hat. Seit den Fünfzigerjahren wurde das Kultauto im Land selbst gefertigt; 1996 lief der letzte Brasilien-Käfer vom Band.

Foto: © Nacho Doce / Reuters/ REUTERS
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G wie Gaucho: Den Mate-Becher in der einen Hand, die Zügel in der anderen - die brasilianischen Cowboys gehören zu jeder Ranch im Süden. Dort wo das Land an Argentinien und Uruguay grenzt, sind die Weiden am saftigsten und die Steaks am besten.

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G wie Gringo: Die ursprünglich Nordamerikanern zugedachte Bezeichnung benutzen Brasilianer für alle hellhäutigen Ausländer, die nicht Portugiesisch oder Spanisch sprechen. Merkmale eines Gringos: große Statur, unbeholfene Art, besitzt viel Geld und ist leicht zu übertölpeln.

Foto: © Pilar Olivares / Reuters/ REUTERS
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T wie Tupi: Die Indio-Sprache Tupi wurde vor der Kolonialisierung überall an der brasilianischen Küste gesprochen. Noch heute zeugen Ortsnamen wie Ipanema (Foto) oder Itatiaia vom Vermächtnis der Tupi. Mehr als 200 Indio-Stämme bestehen noch heute, sie leben vor allem im Amazonasgebiet. Einige von ihnen hatten noch nie Kontakt zur westlichen Zivilisation.

Foto: Michael Regan/ Getty Images
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J wie Jeitinho: die brasilianische Art, ein Problem zu lösen. Kommt von "dar um jeito" - einen Ausweg finden, etwas hinzubiegen. Und den finden Brasilianer mit Sicherheit. Vor allem dann, wenn unorthodoxe Methoden nötig sind - zum Beispiel im Kampf mit der allgegenwärtigen Bürokratie.

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K wie Karneval: Kann man nicht erklären, muss man erleben. Weltweit bekannt ist der Karneval in Rio mit dem spektakulären Einzug ins Sambódrom (Foto), doch gefeiert wird auch andernorts - in Natal, Recife oder Olinda. Kenner schätzen den Straßenkarneval in Salvador, bei dem Bands auf Lastwagen der tanzenden Menge einheizen.

Foto: VANDERLEI ALMEIDA/ AFP
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M wie Maracanã: Das Maracanã-Stadion in Rio ist eine Legende. Mit 200.000 Zuschauerplätzen war es einst das größte der Welt. 1950 bezwang hier Uruguay im Finale der Fußball-WM das Nachbarland Brasilien. Für 2014 erhielt die alte Dame ein komplett neues Gesicht, was nicht jedem gefällt.

Foto: Peter Neitzsch
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M wie Motel: Die Motels sind eine brasilianische Institution. Doch Vorsicht: So mancher Tourist, der dort arglos eincheckte, mag sich über das einschlägige Fernsehprogramm gewundert haben. Denn diese Übernachtungsmöglichkeit wird vor allem von Liebespaaren fürs Stelldichein genutzt - sowie von Prostituierten und ihren Freiern.

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O wie Oktoberfest: Bier, Blasmusik und Würste - das passt nicht zu Brasilien? Weit gefehlt! Das zweitgrößte Oktoberfest der Welt wird in Blumenau gefeiert. 700.000 Besucher pilgern dann in den Ort mit den deutschen Wurzeln - nur der Karneval in Rio lockt mehr Gäste. Echte Bayern erinnert das Bierfest aber mitunter mehr an Disneyland als an das Münchner Original.

Foto: Peter Neitzsch
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P wie Pré-Pago: Eine aufgeladene Prepaidkarte ist unabdingbar, denn Telefonieren ist die große Leidenschaft der Brasilianer. Ohne ihr Smartphone gehen sie nicht aus dem Haus. Selbst wenn beim Essen im Restaurant mit Facebook-Freunden Kontakt gehalten wird, ist das keineswegs unhöflich. Posing und Selfies gehören zu jedem Ausflug.

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R wie Real: Brasiliens Währung, der Real, hat in den vergangenen Jahren erstaunliche Höhenflüge hinter sich. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsboom sorgte er dafür, dass das Land für die Einheimischen zum teuren Pflaster wurde. Aber auch für Urlauber ist Brasilien nicht ganz billig: Drei Reais sind etwa ein Euro - genug für ein Busticket oder ein Dosenbier.

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S wie Samba: Schnelle Rhythmen und wirbelnde Tänzer, das ist der Samba des Karnevals. Doch der Musikstil ist viel mehr als Trommeln, Kostüme und Glitzerwagen. Das beweisen Texte wie die des sozialkritischen Liedermachers Bezerra da Silva. Der verstorbene Sambamusiker aus den Favelas sang gleichermaßen gegen korrupte Politiker und Liebeskummer an.

Foto: © Sergio Moraes / Reuters/ REUTERS
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S wie São Paulo: Mit mehr als elf Millionen Einwohnern zählt die Megapolis São Paulo zu den größten Städten der Welt. Der Verkehr lärmt Tag und Nacht, bittere Armut prallt auf obszönen Reichtum. Doch "Sampa" ist auch das kreative Herz Brasiliens mit Galerien, Kunsthappenings und legendären Clubs, die Paulista sind die Bohème unter den Brasilianern.

Foto: Peter Neitzsch
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S wie Saudade: Aller Lebensfreude zum Trotz ist Saudade - Melancholie, Sehnsucht und Weltschmerz - ein ur-brasilianisches Gefühl. Nirgends kommt es besser zum Ausdruck als in den Klängen des Bossa nova oder in der Literatur des Landes. Manchmal macht er sich auch auf den Gesichtern enttäuschter Fußballfans breit.

Foto: © STRINGER Brazil / Reuters/ REUTERS
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T wie Tele Novela: Brasiliens Geschenk an die Fernsehproduzenten der Welt sind die Novelas. Wenn um 19 Uhr die beliebten Seifenopern laufen, sitzen vor allem die weiblichen Familienmitglieder pünktlich wie sonst nie vorm Fernseher und schalten TV Globo ein. Andere Sender könnten um diese Zeit ihren Betrieb genauso gut einstellen.

Foto: © Bruno Domingos / Reuters/ REUTERS
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T wie Tudo bem: Die brasilianische Begrüßungsformel mit "Wie geht's?" zu übersetzen, würde zu kurz greifen. "Tudo bem" - das ist Frage, Antwort und Lebensgefühl zugleich: Alles in Ordnung? Alles in Ordnung! Es geht gut, und es wird gut gehen. So lange man sich nur nicht zu viele Sorgen macht. Und vielleicht geht ja auch mit der Fußball-WM alles gut.

Foto: Michael Regan/ Getty Images
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Z wie Zahnseide: Der Fio Dental (Zahnseide) getaufte G-String wurde an den Stränden Rios - in Ipanema und Copacabana - erfunden. Dort bringt er nicht nur die Hinterteile zahlreicher Strandbesucherinnen zur Geltung, sondern ziert auch jede zweite Postkarte. Die Herren halten mit knappen Badeslips dagegen.

Foto: © Pilar Olivares / Reuters/ REUTERS
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Z wie Zuckerhut: Der Berg vor der Bucht von Rio de Janeiro ist das Wahrzeichen der Stadt. Seinen Namen erhielt der Zuckerhut wegen seiner markanten Glockenform. Früher diente der Pão de Açúcar den Seeleuten zur Orientierung, heute den Urlaubern als Aussichtspunkt.

Foto: © Sergio Moraes / Reuters/ REUTERS
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