60 Jahre Bravo "Auch wegen deiner Brüste kann ich dich beruhigen!"
Ein Tweet zum 60. Geburtstag: Am 26. August 1956 erscheint die Bravo zum ersten Mal, damals noch als Film- und Fernsehzeitschrift. Auf dem Titel: Marilyn Monroe.
Die Aufklärungsseiten der "Bravo" kennt jeder. Noch immer zählt "Dr. Sommer" zu den beliebtesten Rubriken des Heftes.
Es begann harmlos: Mit dem "Knigge für Verliebte" startete Bravo 1962 eine damals noch verpönte Aufklärungsserie.
Seit 1969 heißen die Seiten "Dr. Sommer". Der Psychotherapeut Martin Goldstein schrieb unter seinem Synonym Dr. Jochen Sommer: "Das schlimmste ist, wenn man sich mit seinen Problemen einsam und verlassen fühlt."
"Was in einem Mädchen vorgeht, wenn es schon mit 14 Geschlechtsverkehr hat": Die "Bravo" 1971. So viel Offenheit brachte der Zeitschrift aber Ärger ein. 1972 wurden zwei Ausgaben mit Artikeln zum Thema Selbstbefriedigung als jugendgefährdend eingestuft und indiziert.
Aufklärung als Auftrag: Die Informationsserie sei in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entstanden, heißt es in dieser Ausgabe von 1973. Junge Leser sollten über Verhütungsmittel informiert werden.
"Wie komme ich an meinen Traumboy ran?" Sprechstunde im Jahr 1988.
Hosen runter: Jugendliche erzählen in der "Bravo" von ihrem ersten Mal und können im "Bodycheck" den eigenen Körper mit den nackten Brüsten und Penissen anderer vergleichen.
In dieser Ausgabe von 2011 fragt eine Elfjährige, ob sie schon in der Pubertät ist. Dr. Sommer besänftigt: "Auch wegen deiner Brüste kann ich dich beruhigen!"
Aber Dr. Sommer ist nicht nur für Fragen rund um Sex und Liebe zuständig - Jugendliche können sich mit Problemen jeglicher Art an den Ratgeber wenden.
Sommer 1993 - ihr erinnert euch? Jungs waren laut Bravo "absolut 'in'" mit einem Body, der "wie eine zweite Haut sitzt".
Egal jedoch in welches Jahrzehnt man schaut: Die meisten Fragen drehen sich um die Pubertät und die komischen Dinge, die der Körper während dieser Phase tut. In der Hochphase in den Neunzigern erreichten Dr. Sommer wöchentlich bis zu 4000 Fragen. Mittlerweile sind es nur noch rund 300.
Die Aufklärungsseiten wurden trotzdem ausgebaut. Sieben Seiten Dr. Sommer gibt es in der aktuellen Jubiläumsausgabe.
Darunter eine Doppelseite, die sich einzig und allein der Liebeskummerbekämpfung widmet.
Und sogar für die Eltern der pubertierenden Teens gab es im Juni erstmals ein Sonderheft, das sie in Sachen Aufklärung unterstützen soll.
Die Eltern von heute sind die "Bravo"-Leser von gestern. Hier die Beatles, mit ihren gerade gewonnenen "Bravo"-Ottos im Jahr 1966. In ihrer Mitte: Lieselotte Krakauer, die erste "Bravo"-Chefredakteurin.
Berühmt wurde die Zeitschrift auch durch ihre Starschnitte. In der Mitte des Heftes befindet sich jeweils ein Poster, auf dem nur ein Teil des endgültigen Bildes zu sehen ist. Die Leser müssen das Endergebnis zusammensammeln. Die erste Starschnitt-Aktion fand 1959 statt und war ein Poster von Brigitte Bardot.
Elvis Presley schaut sich 1957 mit "Bravo"-Reporter Thomas Beyl eine Ausgabe an. Auf dem Titelbild: Er selbst.
"Ich realisiere immer mehr, dass Teenager auf der ganzen Welt gleich sind - auch wenn sie durch Ozeane getrennt sein mögen!" In der "Bravo" habe er von seinen vielen deutschen Fans gelesen, schrieb Elvis 1957 in krakeliger Handschrift vom Set seines Films "Loving You". Er bedankt sich darin bei den Lesern.
Der Münchner Journalist Alex Gernandt war ein Vierteljahrhundert bei der "Bravo", zuletzt als Chefredakteur. Ein Moment sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben, sagt er: Der Video-Dreh in den Favelas von Rio de Janeiro, wo Michael Jackson den Clip zu seinem Hit "They Don't Care About Us" drehte.
Jackson war von massenweise Security umringt. Für Gernandt war das "unglaublich spannend".
Michael Jackson wusste, wie wichtig das Jugendmagazin in den Neunzigern für die deutschen Fans war. Dementsprechend eng war die Beziehung zwischen dem Superstar und dem "Bravo"-Reporter.
Am 1. Juli 2009, knapp eine Woche nach Jacksons Tod, erschien ein Sonderheft zu dem Superstar. Zum einzigen Mal wurde das "Bravo"-Logo, das eigentlich immer bunt ist, in schwarz auf das Cover gedruckt.
Auch ein wichtiger Teil der "Bravo": Geschichten aus dem, na ja, wahren Leben, mit Sprech- und Gedankenblasen versehen - die Foto-Lovestory.
Mütter, die Angst haben, dass ihre Töchter mit Italienern durchbrennen: Die Foto-Lovestory im Jahr 1978.
Mütter, die plötzlich vor der Zimmertür stehen, wenn bei ihren Töchtern gerade "aus dem Schmusen wildes Petting wird": Die Foto-Lovestory im Jahr 2002.
"Mich laust der Affe": Eifersucht im Jahr 1988.
Die Foto-Lovestory gibt es auch heute noch - nur mit ein bisschen mehr "Yeah" und "OMG!".
Aber natürlich immer mit Happy End!