Brettspiele und ihre Apps im Test - DER SPIEGEL
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Brettspiele im Test Sechs Klassiker und ihre Apps

"Carcassonne", "Scotland Yard", "Das verrückte Labyrinth": Viele Brettspiel-Klassiker gibt es mittlerweile auch als Apps. Wir haben sechs Handyspiele getestet, samt der analogen Vorbilder.
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Scotland Yard (Brettspiel: 1983, App: 2012)

Das millionenfach verkaufte Spiel fehlte in den Achtzigerjahren in keinem Haushalt und ist noch immer im Handel erhältlich. Allerdings dürften sich Nostalgiker, die sich das Spiel dieser Tage nachkaufen, über einige Änderungen wundern - insbesondere über Bobbys, die den Detektiven zur Seite stehen und sie bei der Jagd auf Mr. X unterstützen. Gefühlt ist es für die Detektive dadurch einfacher geworden. Das tut dem Spiel gut, denn früher hat man Mr. X (jedenfalls aus der verklärten Erinnerung heraus) ja so gut wie nie erwischt.

Die App zum Spiel gibt es auch schon seit einigen Jahren, deshalb fehlen wohl auch die Bobbys. Grafisch ist sie fast eine Kopie des Spielbretts, was auf dem Handy etwas altbacken wirkt. Besonders nervig ist, dass man auf kleineren Screens viel herumschieben muss, um den ganzen Spielplan im Auge zu behalten.

(Hinweis: Die Links zum AppStore in dieser Fotostrecke sind sogenannte Partner-Links. Besucht ein Nutzer darüber Apples Onlineshop und kauft dort ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Bei den Links zu Google Play ist dies nicht der Fall.)

Foto: Hendrik Breuer
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Scotland Yard

Brettspiel vs. App
"Scotland Yard" ist als Brettspiel zwar ein Bestseller mit starkem Namen, aber prädestiniert für eine App-Umsetzung ist das Spiel nicht. Die Kommunikation unter den Spielern und das gemeinsame Fahnden machen den großen Reiz des analogen Spiels aus. Das lässt sich eigentlich nicht auf eine App runterbrechen. Und überhaupt: Ohne die Mr.-X-Schirmmütze fehlt das wichtigste Utensil.

Fazit
Das Brettspiel ist noch immer spannend und auch nach 35 Jahren spielenswert. Die App hingegen überzeugt wenig, denn Mr. X allein zu jagen und alle Detektive selbst zu spielen, ist doch eher langweilig.

Details
Scotland Yard, Ravensburger Spieleverlag, für 2-6 Spieler ab 8 Jahren, ca. 30 Euro.
App von Ravensburger Digital für Android  und iOS , 4,99 Euro.

Foto: Ravensburger Digital
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Das verrückte Labyrinth (Brettspiel: 1986, App: 2012)

"Wer schiebt, der hat's - Geister und Schatz" ist einer dieser Uralt-Slogans, die so blöd sind, dass man sie vermutlich sein Lebtag nicht vergisst. Natürlich steht der Spruch noch immer auf der Schachtel des Spiels. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an "Labyrinth"-Produkten, doch das Original bleibt unerreicht, was die Beliebtheit bei Familien angeht. Im Gegensatz zu "Scotland Yard" bietet die App zu "Das verrückte Labyrinth" einige Extras, vor allem knifflige Labyrinthe und Schiebe-Rätsel. Die kennt man zwar schon von anderen Apps, sie sind aber trotzdem herausfordernd und helfen dabei, einige Zeit totzuschlagen.

Foto: Hendrik Breuer
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Das verrückte Labyrinth

Brettspiel vs. App
Übers Brettspiel brauchen wir nicht zu reden: Es ist ein tolles Familienspiel, das Kinder ab sechs Jahren spielen können und das den Erwachsenen ebenfalls Spaß macht. Die App funktioniert auch gut mit Kindern; vor allem am Tablet, wenn man Details etwas besser erkennen kann. Allerdings erkennt man dann auch, dass die App dem Achtzigerjahre-Look des analogen Spiels folgt: Grafisch hätte sie ein Update verdient gehabt.

Fazit
Unentschieden. Bei "Das verrückte Labyrinth" überzeugen sowohl Brettspiel als auch App, insbesondere wenn man mit Kindern spielt.

Details
Das verrückte Labyrinth von Max J. Kobbert, Ravensburger Spieleverlag, für 1-4 Spieler ab 6 Jahren, ca. 25 Euro.
App von Ravensburger Digital für Android  und iOS , 4,99 Euro.

Foto: Ravensburger Digital
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Catan (Brettspiel: 1995, Catan Universe App: 2017)

Schaf für Holz, irgendjemand? Bitte?! Über zwanzig Millionen "Die Siedler von Catan"-Brettspiele gingen weltweit bereits über die Ladentheken. Auch wenn das Spiel der besseren Vermarktbarkeit wegen heute nur noch "Catan" heißt, ist es weiterhin der Goldstandard, wenn's darum geht, neue Leute zum Spielen zu bringen. Dank ständigem Geschacher um Ressourcen ist kaum ein Spiel so interaktiv wie "Catan".

Es gab schon einige Apps, neu ist "Catan Universe", in dem man plattformübegreifend das Grundspiel mit allen Erweiterungen online, als "Pass and Play" und gegen eine künstliche Intelligenz (KI) spielen kann. An den In-App-Käufen der Digitalversion kommt man allerdings nicht wirklich vorbei.

Foto: Hendrik Breuer
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Catan

Brettspiel vs. App
Ähnlich wie bei "Scotland Yard" ist die Live-Kommunikation mit den Mitspielern ein entscheidender Erfolgsfaktor des Spiels. Die App macht in Sachen Handel zwar alles richtig, doch bleibt es bei einem recht sterilen Austausch von Ressourcen. Man kann halt nur Ja oder Nein anklicken, sämtliches Flehen, Tricksen, Bluffen entfällt. Gefühlt kommt es daher zu weniger Tauschaktionen als beim Brettspiel, insbesondere wenn man gegen die analytische KI spielt. Dadurch gehen Spiele im "Catan Universe" schneller voran als live.

Fazit
Wer mindestens drei Leute zusammenbekommt, die Lust auf "Catan" haben, sollte unbedingt das Brettspiel herausholen, gerade auch mit Spiele-Neulingen. Alleine ist man im "Catan Universe" gut aufgehoben, selbst wenn man in der "kostenlosen" App schnell zu Käufen verleitet wird.

Details
Catan - Das Spiel von Klaus Teuber, Kosmos, für 3-4 Spieler ab 10 Jahren, ca. 25 Euro.
Catan Universe App von USM für alle Plattformen, grundsätzlich erst einmal kostenlos

Foto: USM
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Carcassonne (Brettspiel: 2000, neue App: 2017)

Das über zehn Millionen Mal verkaufte "Carcassonne" ist beides: ein leicht zu erlernendes Familienspiel, das schon viele Sechsjährige hinbekommen, und ein zutiefst strategisches Spiel, für das regelmäßig Turniere und eine jährliche Weltmeisterschaft ausgerichtet werden. Man kann bei diesem Legespiel also richtig gut werden, wenn man viel spielt und einige taktische Kniffe beherrscht. Im Gegensatz zu "Catan" ist es weniger glückslastig und gut für zwei Personen geeignet. Diese Voraussetzungen prädestinieren "Carcassonne" für eine gute App-Umsetzung.

Foto: Hendrik Breuer
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Carcassonne

Brettspiel vs. App
Ein Riesenvorteil von Apps, die das Spiel gegen eine künstliche Intelligenz zulassen, ist, dass man verschiedene Herangehensweisen ausprobieren und viele Partien "durchknüppeln" kann. Das gilt besonders für "Carcassonne", bei dem man das Einsetzen von Bauern und das Wegschnappen von eigentlich besetzten Städten üben muss, will man besser werden. Mit der komplett erneuerten App von 2017 bekommt man das alles gut hin. Einziger Wermutstropfen: Bislang gibt nur die beiden Mini-Erweiterungen "Der Fluss" und "Der Abt" als In-App-Käufe. Sehr geübte "Carcassonne"-Spieler bemängeln die Stärke der KI, online findet man allerdings immer "echte" Kontrahenten.

Fazit
Bei "Carcassonne" eignet sich die App besonders gut zum Training in der S-Bahn oder alleine auf der Couch, so wird man fit fürs nächste Spiel in der echten Welt.

Details
Carcassonne von Klaus-Jürgen Wrede, Hans im Glück, für 2-5 Spieler ab 6 Jahren, ca. 15 Euro.
App von Asmodee Digital für Android  und Steam, 7,99 Euro. Für iOS  und macOS gibt es seit längerer Zeit Carcassonne-Apps von TheCodingMonkeys.

Foto: Asmodee Digital
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Zug um Zug (Brettspiel: 2004, neue App: 2015)

"Zug um Zug" wurde bereits 2004 zum "Spiel des Jahres" gekürt. Zum wirklichen Hit und drittem Spiel im Bunde der modernen Klassiker (neben "Catan" und "Carcassonne") wurde es allerdings erst dank früher App-Umsetzungen, durch die viele Spieler auf das Brettspiel aufmerksam wurden.

Damit kommt "Zug um Zug" eine Vorreiterrolle zu und man weiß nun, dass analoge und digitale Spiele gar nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich perfekt ergänzen. Sitzt man in der Gruppe zusammen, spielt quasi niemand auf dem Tablet via "Pass and Play"; ist man auf Reisen, beim Pendeln oder alleine, holt man das Handy heraus und kann so auch auf diesem Weg ein paar schnelle Runden "Zug um Zug" spielen.

Foto: Hendrik Breuer
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Zug um Zug

Brettspiel vs. App
Alles, was für "Carcassonne" gilt, kann man in abgeschwächter Form auch über "Zug um Zug" sagen. Die neue App eignet sich besonders gut zum Ausprobieren von Strategien. Schafft man beim Spieleabend mit Freunden kaum mehr als zwei Partien, kann man alleine gegen die künstliche Intelligenz auch mal fünf, sechs Partien am Stück durchziehen. Im Gegensatz zur neuen "Carcassonne"-App gibt es für "Zug um Zug" fast alle Erweiterungen, allerdings sind die als Zusatzkäufe nicht gerade billig.

Fazit
Verglichen mit "Catan" und "Carcassonne" erscheint der Einstieg bei "Zug um Zug" einen Ticken einfacher, zudem sieht das Spiel moderner aus und geht zügiger voran. Spielt man also mit Bekannten der Marke "Brettspiele sind doch langweilig!", ist "Zug um Zug" immer eine gute Wahl, um sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Details
Zug um Zug von Alan R. Moon, Days of Wonder, für 2-5 Spieler ab 8 Jahren, ca. 38 Euro.
App (heißt "Ticket to Ride") von Asmodee Digital für Android , iOS , Amazon und Steam, 9,99 Euro.

Foto: Asmodee Digital
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Pandemie (Brettspiel: 2008, App: 2013)

"Pandemie" ist ein Spiel, das vor rund zehn Jahren einen wahren Boom an kooperativen Spielen ausgelöst hat, der bis heute anhält. Gemeinsam "gegen das Brett beziehungsweise das Spielsystem" zu spielen (also quasi gegen eine analoge KI), bietet ja auch eine Reihe an Vorteilen: Alle gewinnen oder verlieren zusammen, man kann sich beratschlagen und gegenseitig helfen.

Trotz der Flut an Koop-Spielen kann kaum ein Konkurrent "Pandemie" das Wasser reichen. Zu gut ist das Original, bei dem jeder Spieler die Rolle eines Spezialisten übernimmt und man gemeinsam versucht, vier Seuchen auszurotten, die sich rasend schnell über die Welt ausbreiten.

Foto: Hendrik Breuer
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Pandemie

Brettspiel vs. App
Die App setzt das Brettspiel nahezu eins-zu-eins um, sieht sehr gut aus und bietet daher ein originalgetreues Spielerlebnis, allerdings gibt es darüber hinaus nicht viel. Als Einzelspieler muss man alle Rollen gleichzeitig übernehmen. Die "KI der Seuchen" ist dieselbe wie im analogen Spiel, KI-Mitspieler gibt es nicht. Gut ist, dass die In-App-Erweiterungen sehr günstig sind.

Fazit
"Pandemie" ist als Brettspiel großartig und eines der wichtigsten Spiele der letzten zehn Jahre, die App ist eine originalgetreue digitale Kopie davon - und gut für Superfans.

Details
Pandemie von Matt Leacock, Z-Man/Asmodee, für 2-4 Spieler ab 12 Jahren, ca. 35 Euro.
App von Asmodee Digital für Android , iOS , Amazon und Steam, 3,99 Euro.

Foto: Asmodee Digital
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