Aufmüpfige Konservative Das sind die Tory-Rebellen
Die Tories haben seit Dienstag im Unterhaus 22 Abgeordnete weniger. Unter den Parlamentariern, denen Johnson die Parteimitgliedschaft entzog, sind ehemalige Regierungsmitglieder und ein direkter Nachfahre Winston Churchills.
Philip Hammond war über neun Jahre Regierungsmitglied, unter anderem als Verteidigungs- und Außenminister. Unter Theresa May diente er zuletzt als Finanzminister. Aus Ablehnung gegen Boris Johnsons rigorosen Brexit-Kurs trat er zurück, als dieser im Juli Premierminister wurde. Hammond hatte sich beim Referendum 2016 für den Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen und später gegen einen harten Brexit plädiert. Konservative Medien warfen ihm mehrmals Verrat vor.
Genau wie Hammond diente David Gauke seit 2010 als Minister unter David Cameron und Theresa May, zuletzt als Justizminister und Lordkanzler. Auch er legte sein Amt nieder, als Johnson Premier wurde.
Er gilt als Europafreund: Dominic Grieve . Der Anwalt stufte europäisches Recht mitunter höher ein als britisches, etwa die Kompetenzen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Von 2010 bis 2014 war Grieve Generalstaatsanwalt.
Kenneth "Ken" Clarke wird von der britischen Presse als "Big Beast" beschrieben. Der 79-Jährige diente schon in der Regierung Margaret Thatchers. Bei der Frage, wer im Falle eines Misstrauensvotums gegen Johnson eine Übergangsregierung führen könnte, gilt Clarke vielen als Favorit. Er könne - im Gegensatz zu Labour-Chef Jeremy Corbyn - eine parteiübergreifende Mehrheit gewinnen, heißt es.
Rory Stewart - eigentlich Roderick James Nugent Stewart - hat einen der ungewöhnlichsten Lebensläufe im britischen Unterhaus. Er wuchs als Sohn eines britischen Diplomaten in Malaysia auf und arbeitete zeitweise als Nachhilfelehrer für die englischen Prinzen William und Harry. Für das Außenministerium war er in Indonesien, Osttimor und Montenegro tätig und verhandelte im Irak zwischen verfeindeten Stämmen. Unter Theresa May war er zuletzt Minister für Entwicklungshilfe und Gleichstellung.
Nicht nur "Sir", sondern auch "Ritter": Oliver Letwin war unter David Cameron Staatsminister.
Sein Rauswurf aus der Tory-Partei erschütterte viele Konservative am meisten; schließlich ist Sir Nicholas Soames der Enkel des legendären Winston Churchill, Boris Johnsons großem Idol. 1993 zog er erstmals als Abgeordneter ins britische Parlament ein.
Justine Greening hatte schon viele Ministerposten inne: Unter Cameron war sie ab 2011 Verkehrsministerin, anschließend Ministerin für internationale Entwicklungszusammenarbeit und Bildungsministerin.
Seit langem bei den Torys - aber mit Pausen. Margot James trat als 17-Jährige den Torys bei, verließ die Partei aber wieder, als Margaret Thatcher den Posten als Premierministerin abgab. Im Jahr 2003 trat sie wieder ein. Ab 2008 war sie für zwei Jahre stellvertretende Parteivorsitzende.
Im Rennen um die Nachfolge Theresa Mays trat Sam Gyimah an, zog seine Kandidatur aber zurück, bevor die offiziellen Abstimmungen begannen. Er war unter allen Bewerbern der einzige, der die Bevölkerung in einem zweiten Referendum erneut über den Austritt aus der EU befragen wollte.
Stephen Hammond traf sich noch vor der verhängnisvollen Notfalldebatte am Dienstagmittag mit anderen Tory-Rebellen und Premier Johnson - das Treffen blieb aber ohne Einigung. Einer der Teilnehmer bezeichnete es anschließend schlicht als "Mist".
Die Strafanwältin Antoinette Sandbach ließ sich nicht von Johnsons Drohgebärden einschüchtern. Schon vor der entscheidenden Debatte, die den Weg für ein No-No-Deal-Gesetz ebnen sollte, gab sie an, gegen Johnsons Kurs stimmen zu wollen - und notfalls einen Parteiausschluss in Kauf zu nehmen.
Die Bildungspolitikerin Anne Milton trat schon vor Johnsons Amtsantritt von ihrem Posten als Staatssekretärin für Bildungsfragen zurück. Sie sagte, sie könne keiner Regierung dienen, mit der es die Möglichkeit eines Austritts aus der EU ohne Abkommen zwischen London und Brüssel gäbe.
Er war der Erste, der die Fraktion am Dienstag verließ - und tat das im Gegensatz zu seinen 21 ausgeschlossenen ehemaligen Tory-Kollegen freiwillig. Phillip Lee lief durch den Parlamentssaal und setzte sich zu den Liberaldemokraten - und das während Premier Johnson sprach.