Bundesliga-Saisonstart - DER SPIEGEL
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Bundesliga-Saisonstart Die Erfindung des Einwurftors

Gemütlich Warmspielen zum Saisonauftakt? Von wegen. Am ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga geht es gerne rund. Zum Beginn der 46. Bundesliga-Saison zeigt einestages die spektakulärsten und skurrilsten Ereignisse der Premierenspieltage.
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Zu schnell geschossen: Beim Start der Bundesliga-Saison 1963/64 am 24. August 1963 im Bremer Weserstadion hatte der Sekundenzeiger der großen Bundesliga-Uhr noch nicht einmal eine Runde geschafft, da zappelte der Ball bereits zum ersten Mal im Netz. Handgestoppte 51 Sekunden soll es gedauert haben, bis der Dortmunder Timo Konietzka das Leder versenkt hatte - zu schnell für die meisten der 32.000 Zuschauer, von denen viele noch ihre Plätze suchten, zu schnell für das Fernsehen, zu schnell auch für die zahlreichen Pressefotografen. "Ich habe alles versucht, es gibt keine TV-Bilder. Nur ich und die Zuschauer im Stadion können sich daran erinnern", sagt Timo Konietzka (hier zu sehen während des Spiels im Zweikampf mit dem Bremer Verteidiger Max Lorenz). Auch deshalb muss der heute 70-jährige Ex-Profi von Borussia Dortmund seinen historischen Premierentreffer immer wieder schildern: "Anstoß, Franz Brungs wurde als ältester Spieler traditionell zuerst angespielt, von ihm kommt ein Pass auf die linke Außenseite zu Emma (Lothar Emmerich, d. Red.), der gab flach rein. Ich wurde angespielt zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt und habe den Ball flach mit rechts reingeschossen." Blitzstarter Konietzka blieb bis zum Schluss wach und avancierte auch noch zum Last-Minute-Mann, als er in der 90. Minute ein zweites Mal traf. Punkte gab es dafür dennoch nicht, Dortmund verlor den Bundesligaauftakt bei Werder mit 2:3. Konietzka erzielt in der Saison 1963/64 noch weitere 23 Treffer und landete hinter Uwe Seeler (30 Tore) auf Rang zwei der Torschützenliste.

Foto: dpa
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Das Meisterteam von 1966: Der 14. August 1965, wieder eine historische Premiere, wieder trifft Konietzka in der ersten Spielminute. Sein Tor nach 30 Sekunden entschied das erste Stadtderby der Bundesliga-Geschichte. Schon bei Gründung der Bundesliga zwei Jahre zuvor hatten die Blauen von 1860 München gegenüber den Roten vom Lokalrivalen FC Bayern die Nase vorn gehabt, als der DFB aus Proporzgründen nur einen Klub aus jeder bundesdeutschen Stadt zugelassen hatte. Und nun noch die Pleite beim ersten Auftritt der jungen Bayern-Elf, die mit Sepp Maier (21 Jahre), Franz Beckenbauer (19) und Gerd Müller (19) antrat. 44.000 Zuschauer verließen enttäuscht das Stadion an der Grünwalder Straße, denn sie hatten ein "hässliches und zeitweise an Selbstzerfleischung ausartendes Spiel" (so die Fachzeitschrift "Kicker") gesehen. Bayern-Mittelläufer Dieter Danzberg war nach diversen Nickligkeiten vom Platz geflogen. 60er-Keeper Petar "Radi" Radenkovic hatte Glück, dass er nach einer Tätlichkeit gegen Dieter Brenninger weiterspielen durfte. Bayern-Trainer Zlatko "Tschik" Cajkowski kommentierte selbstkritisch: "Beschämend, das nennt man dem Publikum das Geld aus der Tasche stehlen." Das Ergebnis kam den FC Bayern auf jeden Fall teuer zu stehen, denn indirekt bedeutete es eine Entscheidung in der Meisterschaft. Am Saisonende reichte es für die Bayern nur zu Rang drei - nur drei Punkte hinter dem neuen Meister, dem TSV 1860 München.

Die Aufnahme zeigt das Meisterteam der 60er von 1966 bei einem Wiedersehen am 16. Mai 1999 mit (hinten v. l.) Kapitän Grosser mit Meisterschale, Reich, Brunnenmeier, Rebele, Zeiser, Präsident Wildmoser, Heiß, Patzke, Steiner, (vorn v.l.) Wagner, Konietzka, Perusic, Kohlars.

Foto: dpa
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Oympiastadion in Berlin: Nur aus politischen Gründen und entgegen jeder sportlichen Qualifikation stieg Tasmania Berlin 1965/66 in die Bundesliga auf. Lokalkonkurrent Hertha BSC war wegen verbotener Handgeldzahlungen die Lizenz entzogen worden, aber mitten im Kalten Krieg sollte Berlin nicht von der Erstliga-Landkarte verschwinden. Doch entgegen allen Erwartungen geriet die Premiere des Neulings aus Neukölln äußerst verheißungsvoll: 2:0 siegte Tasmania gegen den Karlsruher SC. Vor sensationellen 81.524 Zuschauer im Olympiastadion traf Wulf-Ingo Usbeck doppelt, erst nach Flanke von Wolfgang Neumann, dann nach unwiderstehlichem Alleingang. Nach dem Überraschungssieg zum Saisonbeginn allerdings gelingt den Berlinern fast gar nichts mehr. Es folgen 31 Niederlagen und vier Remis. Kein halbes Jahr nach dem glorreichen Auftakt wollen an derselben Stätte gerade mal 827 Unerschütterliche die Tasmania gegen Borussia Mönchengladbach sehen - nahezu freie Platzwahl im ganz weiten Rund des größten deutschen Stadions. Erst im letzten Heimspiel gelingt beim 2:1 gegen Mitabsteiger Neunkirchen ein weiterer Sieg. Die traurige Bilanz am Saisonende: 15:108 Tore und 8:60 Punkte - bis heute unerreichte Minusrekorde und wohl für immer ein schmachvoller Sonderplatz in den Bundesliga-Annalen.

Foto: Getty Images
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Auf der Bank: Nicht zuletzt dank eines Eigentors ihres späteren Erfolgstrainers Otto Rehagel, damals noch Aktiver beim 1. FC Kaiserslautern, besiegte der FC Bayern am ersten Spieltag der Saison 1968/69 die Roten Teufel aus der Pfalz und sicherte sich die Tabellenführung. Zwar gewann Alemannia Aachen zum Auftakt höher (4:1 in Nürnberg), doch da damals bei Punktgleichheit noch das Torverhältnis über die Platzierung entschied, ging die erste Tabellenführung an die gegentorlosen Bayern. Und die gaben den Platz an der Sonne auch an den folgenden 33 Spieltagen nicht mehr her und wurden Meister. Es ist der erste Durchmarsch der Bundesliga-Geschichte. Es ist ein Kunststück, das danach nur noch drei Mal gelingt - immer den Bayern: 1972/73, 1984/85 und 2007/08. Übrigens: Ab der Saison 1969/70 wird das Divisions- durch das Subtraktionsverfahren abgelöst. Seitdem entscheidet bei gleicher Punktzahl die Tordifferenz.

Im Bild Otto Rehhagel (l.) als Trainer von Werder Bremen am 8. April 1983 beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg, neben ihm sitzt Rudi Völler.

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Für den VfB: Es war der 11. August 1973, als Stuttgart gegen den FC Schalke spielte. Erstes Bundesligaspiel, drei Tore - so einen Einstand gab es noch nie. "Kennen Sie den Ohlicher?", fragte verblüfft das Fachblatt "Kicker" seine Leser. Die meisten Experten mussten mit dem Kopf schütteln, sie hatten den 23-jährigen Stuttgarter Neuzugang vom FV Ravensburg ebenso wenig auf dem Zettel wie die Schalker Hintermannschaft an diesem Nachmittag. Die VfB-Fans skandierten begeistert: "Heut' war der Hermann mit dem Hammer da!" Ohlichers Dreierpack bescherte dem VfB die Tabellenführung und dem angehenden Diplom-Ingenieur prompt eine Einladung ins "Aktuelle Sportstudio" des ZDF. Als er dort an der Torwand leer ausgeht, erklärt er routiniert: "Wichtiger ist, dass ich weiter in der Bundesliga treffe." Das gelang famos: 14 Tore legte der Stürmer in dieser Saison noch nach. Insgesamt blieb Ohlicher den Stuttgartern zwölf Jahre treu und kam dabei auf 96 Tore in 318 Erstligaspielen. Außer ihm gelang bislang nur vier weiteren Spielern ein ähnlich furioses Bundesliga-Debüt mit drei Toren: Engelbert Kraus (1860 München, 17. Spieltag 1963/64) Olaf Marschall (Dynamo Dresden, 1. Spieltag 1993/94), Adhemar (VfB Stuttgart, 20. Spieltag 2000/01) und Martin Fenin (Eintracht Frankfurt, 18. Spieltag 2007/08).

Im Bild Fans des VfB Stuttgart, die im Oktober 2006 ihre Mannschaft im Spiel gegen Bayer Leverkusen anfeuern.

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Mal mehr mal weniger Meister: Die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde 1974 Weltmeister, doch in ihren Bundesligamannschaften lief es für die frischgebackenen Champs schlecht. Gerade einmal 48 Tage waren seit dem Triumph im WM-Finale von München vergangen, als am 24. August 1974 die neue Bundesligasaison begann. Das Gros der Weltmeisterelf schien da noch ziemlich berauscht, und so kam etwa der FC Bayern gehörig unter die Räder - die Bayern kassierten beim Gastspiel im Frankfurter Waldstadion pro Weltmeister ein Gegentor. Mit Sepp Maier, Georg "Katsche" Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Uli Hoeneß erlitt der Titelverteidiger seine bis dahin höchste Bundesliga-Niederlage. Einzig Paul Breitner war aus dem Weltmeister-Sextett ausgeschieden und zu Real Madrid gewechselt. Seine Abschiedsworte wurden zum Menetekel: "Die Bayern sind satt und brauchen vom Zeugwart bis zum Schuhputzer eine neue Motivation." Trainer Lattek wurde im Winter in höchster Abstiegsnot freigestellt, am Ende landete der Serienmeister nach 14 Niederlagen und 63 Gegentoren auf Rang zehn - so weit hinten wie nie zuvor.

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Einwurfkönig Uwe Reinders : Es war ein Tor, wie es die Bundesliga noch nicht gesehen hatte. Am 21. August 1982 warf Werder-Bremen-Stürmer Uwe Reinders in der 44. Minute des Auftaktspiels gegen Bayern München von der linken Seite kraftvoll ein. Eine harmlose Standardsituation, doch der Ball flog über 35 Meter weit vor das Tor. Bayerns neuer Torwart, der Belgier Jean-Marie Pfaff, wurde überrascht und verschätzte sich. Von seinen Fingerspitzen rutschte die Kugel ins Netz. 1:0 für Werder, der Endstand. Ganz Deutschland lachte über die Münchner Keeper, denn: Hätte Pfaff den Ball einfach durchgelassen, hätte es Abstoß gegeben. Laut Regel dürfen aus Einwürfen direkt keine Tore erzielt werden. Schließlich heißt das Spiel ja Fußball.

Foto: Marco_Kohlmeyer/ DPA
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Nach Kamerun geflüchtet: Was Bayern-Coach Udo Lattek am 10. August 1985 von der Trainerbank erleben musste, war ein weiterer verkorkster Auftakt der besonderen Sorte. Mit 0:1 schickte Bayer Uerdingen die Bayern in die Kabine, und wieder sorgte eine ungewollte Slapstick-Einlage für eine Niederlage. Und wieder war Keeper Pfaff betroffen. Doch dieses Mal traf ihn keine Schuld, mit diesem Schuss war einfach nicht zu rechnen: In der 34. Minute kam es im Mittelfeld zu einer Pressschlagsituation. Bayern-Mittelfeldspieler Helmut Winklhofer traf den Ball optimal, sein kraftvoller Schuss senkte sich aus etwa 35 Metern sehenswert in die Maschen - leider die des eigenen Tores. Winklhofer blieb "mit den Nerven total fertig" in der Halbzeit in der Kabine, Trainer Lattek gab süß-sauer lächelnd zu Protokoll: "Das ist jetzt unser Torjäger. Ich wollte ihn für das nächste Spiel schonen." Wenig später entschieden sichdie Zuschauer der Sportschau dür das Eigentor als "Tor des Monats". Die Siegermedaille hat Helmut Winklhofer bis heute nicht bei der ARD abgeholt.

Das Bild zeigt Udo Lattek als Trainer der Nationalmannschaft von Kamerun bei einem Benefizspiel im Oktober 2004 in Hamburg.

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Der Falle entkommen und am Pfosten gelandet: Am 9. August 1986 machte Frank Mill, Dortmunder Millioneneinkauf aus Gladbach, beim Debüt für seinen neuen Arbeitgeber ein Riesenspiel und bereitete beim 2:2 in München beide Dortmunder Treffer mustergültig vor. Doch davon sprach hinterher niemand mehr - jeder hat nur diese eine, unglaubliche Szene des Spiels im Kopf. Erneut hatte die Bayern-Abseitsfalle nicht funktioniert, Borussia-Regisseur Marcel Raducanu spielte im richtigen Moment ab, Mill war durch, umkurvte auch noch Torwart Pfaff und lief mutterseelenallein aufs leere Tor zu. Mill: "Auf einmal lag der Ball genau zwischen meinen Beinen. Ich konnte ihn nicht mehr richtig kontrollieren. Pfaff kam wieder herangestürmt. Ich musste abschließen. Und so kam dieser Kunststoß zustande. Statt den Ball zu versenken, schoss ich ihn tatsächlich an den kurzen Pfosten. Unfassbar. Es war die Lachnummer schlechthin." Die TV-Bilder dieser Aktion wurden wieder und wieder gezeigt, wochenlang zogen seine Teamkollegen Mill damit auf. Noch Monate später fand der Stürmer keine Ruhe: "In der Winterpause war ich mit meiner Frau im Urlaub in San Francisco. Da lief eine Fernsehsendung mit sportlichen Kuriositäten, wie einer einen Basketballkorb abreist und solche Sachen. Und plötzlich läuft da mein Klopper. Ich dachte, ich guck' nicht richtig!"

Das Bild zeigt Frank Mill während des VOX-Allstars-Turniers im Dezember 1997 in Bielefeld.

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Heimspiel zu Hause: Schweigen ist manchmal Gold. Das wusste man nirgendwo so gut wie beim HSV in Hamburg, wo die ultrakurzen Pressekonferenzen des allseits verehrten österreichischen Trainers Ernst Happel ("Schreibt's was ihr wollt. Ist mir eh wurscht!") längst Kultstatus erlangt hatten. Happel-Nachfolger Josip Skoblar pflegte einen anderen Stil und tappte gleich bei seiner Premieren-Pressekonferenz im Sommer 1987 ins verbale Abseits. Angesprochen auf seinen Wunsch an den Spielplan verwirrte der Jugoslawe die Journalisten mit der Aussage: "Es ist überhaupt nicht wichtig, dass wir zuerst zu Hause spielen. (...) Wichtig ist, dass wir zuerst ein Heimspiel haben." So kam es. Das 5:2 über Schalke am 1. August 1987 im Volkspark-Stadion bescherte Skoblars Mannschaft am ersten Spieltag die Tabellenführung. Doch zum Teil bizarre Personalentscheidungen, vor allem der Einsatz seines nicht Bundesliga-tauglichen Landsmanns Mladen Pralija auf der Torwartposition, lassen den Meisterschaftskandidaten HSV ins Mittelmaß abrutschen. Skoblar musste schon Anfang November 1987 wieder gehen und durfte Pralija gleich mitnehmen.

Foto: Getty Images
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Fehlkauf: In der Saison 1990/91 wollte Hauptstadtklub Hertha BSC Berlin ganz oben angreifen. Der eingekaufte Starstürmer Uwe Rahn traf zwar gleich gegen den FC St. Pauli, dennoch ging der Saisonstart am 9. August 1990 mit 1:2 verloren. Von da an ging es richtig bergab. Rahn entpuppte sich als Flop, die Hertha schaffte nur einen Heimsieg und verschliss gleich drei Trainer in einem halben Jahr. Nach Werner Fuchs (bis 12. November) mussten auch Pal Csernai (bis 12. März) und Peter Neururer (bis 27. Mai) vorzeitig ihren Hut nehmen. Kurios: Nach der Auftaktniederlage führt die Tabelle die Berliner immerhin auf Rang 11. Es ist das einzige Mal in der gesamten Saison, dass die Hertha nicht das Schlusslicht ist. Anschließend gibt es 33 Mal die rote Laterne - trauriger Bundesliga-Rekord, den nicht einmal Lokalrivale Tasmania bei seinem kurzen Bundesliga-Intermezzo 1965/66 schaffte. Auch St. Pauli bringt das Spiel kein Glück. Für die Hamburger ist es einer von nur zwei Auswärtssiegen, ebenfalls zu wenig für den Klassenerhalt.

Das Bild zeigt Uwe Rahn als Spieler von Borussia Mönchengladbach im Juli 1985.

Foto: AP
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Anfangseuphorie: Wiedervereinigung auch auf dem Fußball-Rasen - 1991 wurde die Bundesliga auf 20 Klubs aufgestockt, aus dem Osten stießen Hansa Rostock und Dynamo Dresden hinzu. Nach der letzten DDR-Oberliga-Meisterschaft (25. Mai) und dem Sieg im letzten FDGB-Pokal über Stahl Eisenhüttenstadt (2. Juni) erstürmte Hansa Rostock als erster Ostklub die Tabellenspitze der gesamtdeutschen Bundesliga. Am 3. August 1991 schossen Florian Weichert (2), Roman Sedlacek und Michael Spieß im Ostseestadion für die Truppe von Trainer Uwe Reinders ein deutliches 4:0 über Nürnberg heraus. Doch die Anfangseuphorie verpuffte bald, Hansa beendete die Saisonende als Drittletzter und musste absteigen. Dennoch: Die Jungs von der Küste sind bis heute der erfolgreichste Bundesligaklub aus den neuen Bundesländern.

Foto: Getty Images
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Fans: Noch ein ungewöhnlicher Tabellenführer war der FC St. Pauli. Am Ende des ersten Spieltags der Saison 1995/96 stand der Aufsteiger aus Hamburg nach einem 4:2 über 1860 München überraschend ganz oben. Auf dem Kiez ahnte man die Flüchtigkeit dieses Ruhms und feierte das Fest, wie es gerade gefallen war. Lange vor den legendären "Weltpokalsiegerbesieger"-T-Shirts von 2002 und den "Retter"-Leibchen von 2003 fanden in Hamburg speziell zur Tabellenführerschaft produzierte Textilien reißenden Absatz. Auf der Vorderseite des Spitzenreiter-Shirts prangte eine Schlagzeile des Lokalblatts "Hamburger Morgenpost" ("St. Pauli gejagt von Bayern München"), auf der Rückseite die Tabelle des ersten Spieltags. Prompt wurde am Millerntor auch die Ansage des Anrufbeantworters geändert. "Hallo, sie sprechen mit dem Fanladen des derzeitigen Tabellenführers der 1. Fußball-Bundesliga, FC St. Pauli", hieß es dort nun - allerdings nur kurz. In 45 Jahren Bundesliga gelang 29 verschiedenen Klubs der Sprung auf Platz eins. Was für Bayern München (550 Tabellenführungen), Werder Bremen (129) oder Borussia Mönchengladbach (128) Routine war und ist, blieb für St. Pauli bislang ein einmaliger Festtag.

Die Aufnahme zeigt St.-Pauli-Fans im Millerntor-Stadion, die 1995 den Aufstieg ihres Teams bejubeln.

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Triumph: Es war das Comeback des Jahres, gleich am ersten Spieltag und gleich in doppelter Hinsicht. Zweitliga-Aufsteiger FC Kaiserslautern besiegte durch ein Kopfballtor von Michael Schjönbergs zum Saisonbeginn Rekordmeister Bayern mit 0:1 im Münchner Olympiastadion. Es war auch die überaus süße die Rache des Otto Rehhagel, der 15 Monate zuvor als Bayern-Trainer gefeuert worden war. Rehhagel übte sich in Understatement: "Wir kämpfen nur um den Klassenerhalt. Es wird noch Jahre dauern, bis der FCK den Absturz des Jahres 1996 in die Zweite Liga endgültig aufgearbeitet hat." Prophetische Worte, wie sich mittlerweise herausgestellt hat, auch wenn die Roten Teufel das Trauma vorübergehend im Eiltempo bewältigt zu haben schienen - sensationell wurde der FCK am Saisonende Meister, mit zwei Punkten Vorsprung vor den Bayern.

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Mit allen Mitteln: In der Saison 1999/2000 ging es in der Bundesliga Grabschern und Grätschern ans Leder. Die Schiedsrichter setzten die neuen Anweisungen der FIFA konsequent um und griffen rigoros durch. Schon Trikotzupfen hatte ab sofort die gelbe, Grätschen von hinten in schweren Fällen sogar die rote Karte zur Folge. So flogen am ersten Spieltag gleich sieben Profis vom Platz - Bundesliga-Rekord. Dortmunds Sergej Barbarez (nach Tätlichkeit) und Leverkusens Boris Zivkovic (nach Notbremse) sahen glatt Rot, Ned Zelic und Christian Prosenik (beide 1860 München), Ludwig Kögl (Unterhaching), Zvonimir Soldo (VfB Stuttgart) und Mehdi Ben-Slimane (SC Freiburg) bekamen Gelb-Rot. Zivkovic musste nach seinem Foul gegen den davongeeilten Duisburger Markus Beierle sogar schon nach vier Minuten zum vorzeitigen Duschen. Auch das ist ein Rekord.

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