BVB in der Einzelkritik Schwach-Gelb
Roman Bürki, Tor: Hatte sich in den vergangenen Spielen nach einigen Unsicherheiten zu Saisonbeginn deutlich gesteigert. Auch gegen die Bayern glänzte der Schweizer Nationaltorwart mit starken Paraden, erst gegen Robert Lewandowski (8. Minute), dann gegen Franck Ribéry (11.) und auch gegen James (46.). Bei den beiden Treffern in der ersten Hälfte durch Jérôme Boateng (12.) und Thomas Müller (40.) war er machtlos.
Jeremy Toljan, Abwehr (bis 88. Minute): Spielte zuletzt gegen Mainz und gegen Hoffenheim 90 Minuten durch, schon hieß es, er würde in seiner Entwicklung mit am meisten vom neuen Trainer Peter Stöger profitieren. Bis zum Mittwoch. Ganz schwache Partie des 23-Jährigen in der ersten Halbzeit, wurde auf der rechten Abwehrseite gerade von Ribéry und David Alaba schwindlig gespielt. Ex-BVB-Profi Steffen Freund erklärte kürzlich, Toljan werde in zwei Jahren der beste deutsche Rechtsverteidiger sein. Angesichts der Leistung der ersten 45 Minuten am Mittwoch eine gewagte These. Stabilisierte sich nach dem Wechsel.
Alexander Isak (ab 88. Minute, links): Vergab in der Nachspielzeit die große Chance auf den Ausgleich, als sein abgefälschter Schuss knapp neben dem Pfosten landete.
Marc Bartra, Abwehr (bis 35. Minute): Im letzten Spiel eines auch für ihn - aufgrund seiner Verletzung beim Anschlag auf den BVB-Bus im Frühjahr - bewegten Jahres spielte der Spanier eine durchwachsene Partie. War noch einer der sichersten Dortmunder in einer ansonsten taumelnden Abwehr, hatte aber auch seine Schwierigkeiten, den schnellen Spielzügen der Bayern immer zu folgen. Wurde schon nach 35 Minuten auswechselt.
Mahmoud Dahoud (ab 35.): Sollte für mehr Offensivdrang im Spiel der Dortmunder sorgen. Hatte auch gute Ansätze mit einigen Solosprints, blieb aber meist in der Münchner Defensive hängen. Sucht nach seinem Wechsel von Mönchengladbach nach Dortmund weiter nach seiner Rolle als Spielgestalter.
Sokratis, Abwehr : Der kernige Innenverteidiger, berüchtigt für seinen bedingungslosen Einsatz, wirkte sonderbar müde und nicht wirklich bei der Sache. War bei den beiden Gegentreffern in der ersten Hälfte nicht unmittelbar beteiligt, zeigte aber bei Standardsituationen im eigenen Strafraum ungewohnte Schwächen. Konnte im Spiel nach vorne kaum Akzente setzen.
Ömer Toprak, Abwehr : Einer der Wackelkandidaten in der Mannschaft von Peter Stöger, immer öfter wurde zuletzt über einen Wechsel in den kommenden Wochen zu einem anderen Verein spekuliert. Stand bei den beiden ersten Münchner Toren zu weit von seinen Gegenspielern entfernt, rumpelte dafür vor dem 0:2 mit Mitspieler Marcel Schmelzer zusammen. Äußerst unglückliche Aktionen in einem schwachen Spiel, kämpferische Steigerung in der zweiten Halbzeit.
Marcel Schmelzer, Abwehr : Warf sich beherzt in einen Gewaltschuss von James und klärte in höchster Not zur Ecke nach sechs Minuten. Der Kapitän wechselte bald auf die Position des Linksverteidigers, stand beim 0:2 durch Thomas Müller aber auch falsch. Machte es in der zweiten Hälfte besser, seinen ungemütlichen Schuss aus spitzem Winkel lenkte Sven Ulreich gerade noch über die Latte.
Julian Weigl, Mittelfeld: Zurück an alter Wirkungsstätte in München, wo er bis 2015 für seinen Heimatverein, den TSV 1860 spielte. So selbstbewusst er noch unlängst erklärte, er freue sich über seine spielerischen Freiheiten in seinem Spiel auf der Sechser-Position, so schwach agierte er gegen die Bayern. Holprig im Spielaufbau, es gelang ihm gerade in der ersten Halbzeit zu keiner Zeit, geordnete Aktionen einzuleiten. Schwach auch im Defensivverhalten, bei den ersten zwei Gegentoren als unbeteiligter Zuschauer nahe an den Torschützen. Nach Seitenwechsel gelang ihm mehr, aber auch nicht allzuviel.
Raphael Guerreiro, Mittelfeld (bis 57.): Kam nach seiner Knöchel-Operation erst Mitte der Vorrunde zurück, fand seitdem nur mühsam zu seiner Form. Auch diesmal eher Mitläufer als Mitgestalter. Passte sich der Leistung seiner Mannschaft an. Trabte beim 0:2 durch Thomas Müller teilnahmslos hinterher. Seine Auswechslung nach 58 Minute war überfällig.
André Schürrle (ab 57.): Sorgte vor dem Spiel abseits des Platzes für Aufsehen, als sein Berater einen möglichen Abschied aus Dortmund andeutete. Auf dem Feld eher harmlos, mal links, mal rechts, sehr lauffreudig, aber meist wirkungslos.
Shinji Kagawa, Mittelfeld: Überzeugte in den ersten beiden Spielen unter Stöger, im dritten erst in der zweiten Halbzeit. Erkannte als einer der ersten die seltsame Münchner Schläfrigkeit nach dem Seitenwechsel, riss das Spiel an sich, vergab, als er von halb links verzog (58.). Auch seinen harmlosen Kopfball zehn Minuten später konnte Ulreich mühelos entschärften. Bereitete dann aber mit einer feinen Flanke den Anschlusstreffer durch Yarmolenko vor.
Christian Pulisic, Angriff: Rettete am Samstag noch Stögers Heimdebüt, als er kurz vor Ende den 2:1-Siegreffer gegen Hoffenheim erzielte. Der 19-Jährige, in seinem Heimatland gerade zum jüngsten US-Fußballer des Jahres der Geschichte gekürt, mühte sich, leitete über links die Großchance von Yarmolenko in der ersten Halbzeit ein. Er selbst blieb ohne Torgefahr.
Andriy Yarmolenko, Angriff: Einer der großen Enttäuschungen beim BVB in der Hinrunde. Auch diesmal scheiterte er zunächst kläglich, als er frei vor Ulreich nicht das Tor traf sondern dafür nur den Kopf von David Alaba auf der Linie. Auch in der zweiten Halbzeit eher hölzern und ungelenk, dann aber genau zur Stelle, als er die Flanke von Shinji Kagawa zum 1:2 verwertete.