Cartoons zum Büroleben Schlümm-schlümm, diese Kollegen
Kollegentyp T wie Turnbeutelvergesser: Muffige Umkleiden und klebrige Medizinbälle, Zirkeltraining und Stufenbarren - für Schüler gibt es so viele Gründe, sich dem Sportunterricht zu entziehen. Erfahrene Simulanten wissen tausendundein Synonym für Bauchgrimmen, Nabelsausen, Fuß- oder Kopfweh. Mädchen haben immer gerade ihre Tage, gern auch vier Wochen hintereinander. Bei Jungs hat sich das nicht durchgesetzt. Sie müssen anders lügen: "Ich hab' mein Sportzeug vergessen."
Was früher bei Bewegungsmuffeln funktionierte, klappt auch bei Arbeitsmuffeln in Unternehmen. Sie haben immer eine Ausrede griffbereit, warum gerade sie gerade jetzt gerade diese Aufgabe auf gar keinen Fall übernehmen können. Die Arbeitswelt kennt noch einen zweiten Typus von Turnbeutelvergessern: fahrige Mitarbeiter, die nichts geregelt bekommen, wenn sich nicht andere darum kümmern, zum Beispiel die Sekretärin oder ein Teamkollege.
A wie Aleinikow: Der weißrussische Fußballer Sergej Aleinikow spielte von 1984 bis 1992 in der sowjetischen Nationalmannschaft. Des schönen Namens wegen nennen auch Freizeitkicker mitunter Mitspieler so, die durch zu viele Alleingänge glänzen wollen. 2011 verpassten Bayern-Spieler dem holländischen Solodribbler Arjen Robben diesen Spitznamen. Im Büroleben ist "Aleinikow" ein Mitarbeiter, der auf Teams pfeift, Kollegen konsequent ignoriert und die Meriten gemeinsamer Arbeit exklusiv ernten möchte.
B wie Bartleby: Keine wüste Beschimpfung, eher eine feinsinnige literarische Anspielung - Bartleby ist die Titelfigur einer Erzählung des US-amerikanischen Schriftstellers Herman Melville, bekannt durch "Moby Dick". Bartleby, Schreiber einer Kanzlei in Manhattan, kopiert Akten fleißig und mechanisch per Hand, bis er die eintönige Arbeit verweigert. Dazu sagt er nicht viel, fast immer nur den einen Satz, mal mürrisch, mal gleichmütig oder flötensanft: "I would prefer not to" - "Ich würde vorziehen, es nicht zu tun". Oder kürzer: "Ich möchte lieber nicht." Zunächst sind es bestimmte Arbeitsaufträge, die Bartleby ablehnt, später alle Zumutungen seines Berufes.
Melvilles Story zeigt, wie ein Möchtenicht seinen Chef das Fürchten lehrt. Übel heimleuchten könnte der störrischer Angestellte heute auch Experten für Change Management ("Nein, ich möchte mich lieber nicht verändern"). Wer einen Kollegen "Bartleby" schimpft, zeiht ihn der Drückebergerei. Und gibt ihm eine diskrete Warnung mit. Denn mit dem Schreiber nimmt es kein gutes Ende: Er verhungert im Gefängnis, weil er "lieber nicht" essen möchte - Bartleby geht an seiner Welt- und Lebensverweigerung zugrunde.
B wie Brückenschlampe (auch: Brückenschwein): Ein versierter Kurzurlaubsplaner nimmt immer an den Brückentagen zwischen Feiertag und Wochenende Urlaub, und das häufig für ein ganzes Jahr im voraus - so früh, dass die Kollegen nicht mehr zum Zuge kommen.
C wie Copydresser: Der Copydresser verfügt bei der Wahl seiner Kleidung über kein eigenes Stilempfinden. In seiner Verunsicherung kauft er Kollegen immer exakt die gleichen Klamotten nach. Damit ist er aber keineswegs geschützt vor dem Spott des Modenazis, der auf kleine wie größere Gehässigkeiten spezialisiert ist und seine Kollegen mit ungebetenen Style-Ratschlägen bewirft.
E wie E-Mail-Ausdrucker: Gleich ordnerweise drucken sie ihren gesamten Mailverkehr aus und füllen Schränke damit. Intelligente Suchmöglichkeiten der E-Mail-Programme ersetzen sie durch panisches Blättern in den Ordnern; anstelle einer Weiterleitung der Mail erhält man Fotokopien mit handschriftlichen Anmekrkungen. URGS!
G wie Großraumpartisan: Weil dieser Mitarbeiter am liebsten im Verborgenen kämpft, umgibt er sich mit möglichst vielen Kübelpflanzen und beschlagnahmt sie auch schon mal in der Nachbarschaft. Kein Grund zu ernster Sorge - es sei denn, er erscheint eines Tages im Flecktarn und benimmt sich wie Chuck Norris.
H wie Honk: Helfer ohne nennenswerte Kenntnisse (oder auch: Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse)
K wie Kontrollfreak: Dieser Cheftypus muss alles wissen. Immer. Wenn ein Angestellter einen Locher braucht, will er's persönlich genehmigen. Eine gut funktionierende Abteilung regelt die Verteilung von Früh-, Spät- und Wochenendschichten unter sich? Kommt gar nicht in Frage. Ein Neuntklässler möchte einen Tag für ein Schulpraktikum dem Betriebskoch über die Schulter schauen? Aber nur mit seiner Zustimmung. Kein E-Mail-Verteiler ohne ihn, jeder Urlaubsantrag mit ihm - aber leider überrollt die Welle an Detailinformationen den Kontrollfreak täglich, die Mitarbeiter müssen sich permanent in Geduld üben, weil die Entscheidungen sich verschleppen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter. Allesüberwacher zeigen keine Scheu, ihre Angestellten bei Fehlern betriebsöffentlich statt hinter verschlossener Tür zu rüffeln. Und als Fehler gilt ihnen alles, was jemand anders erledigt als sie selbst. Wer als Mitarbeiter das eigenständige Denken nicht einstellen, sondern selbst Verantwortung übernehmen will, wird sich an so einem Boss häufig reiben. Und Reibung - hier irrt die Naturwissenschaft - erzeugt keineswegs immer Wärme.
P wie Pebkac: Die IT-Abteilung und der Rest eines Unternehmens sind oft Paralleluniversen. Man kennt sich kaum, man spricht nicht immer die gleiche Sprache. Wer sich zu oft zu erbost bei den IT-Experten über die immer gleichen Alltagsprobleme beschwert, landet bei ihnen in der Schublade für Störungsmeldungen hoffnungslos beratungsresistenter Härtefälle, mit dem Etikett Pebkac. Das Kürzel steht für "Problem exists between keyboard and chair". Um es noch präziser zu lokalisieren: zwischen dem rechten und dem linken Ohr des Nutzers. Andere Varianten lauten Picnic ("Problem in chair not in computer"), Eifok ("Error in front of keyboard") oder ID10T error ("Idiot error").
S wie Schnappatmer: Medizinisch ist Schnappatmung eine schwere Atemstörung, die lebensbedrohlich sein kann und bei der jemand buchstäblich nach Luft schnappt. Medial ist der Begriff seit etwa 2011 beliebt und beschreibt beispielsweise die Rage, in die Politiker sich flugs reden, sobald Thilo Sarrazin im TV-Palaver eine neue Streitschrift bewirbt oder Günther Grass mit Nachfülltinte Israel kritisiert.
In Unternehmen ist der Schnappatmer ein dauerempörter Kollege - schon bei kleinen Ungerechtigkeiten schüttelt ihn heiliger Zorn.
S wie Selbstverzwerger: Weiß was, kann was, ist kundig und kompetent - und duckt sich trotzdem immer weg, wenn es darauf ankommt. Manche Mitarbeiter (häufiger: Mitarbeiterinnen) sind einfach keine Mittelpunktmenschen und machen sich gegenüber den Sonnenkönigen, die jederzeit selbstbewusst auftrumpfen, bewusst oder unbewusst klein.
Sie sind nett, höflich, fleißig und überhaupt sympathisch. Aber sie leben im "Eigentlich"-Land. Denn wenn sie sich in Meetings überhaupt etwas zu sagen trauen, schränken Selbstverzwerger sich in jedem Satz ein: "Ich weiß, das ist gar nicht mein Fachgebiet, aber..." - "Könnte man nicht vielleicht auch..." - "Falls noch ein bisschen Zeit ist, hätte ich da nur eine kleine Ergänzung..." Hätte hätte Fahrradkette. Aber manchmal lösen sich Selbstverzwerger nach einigen Monaten aus dem Zustand permanenter Schüchternheit und entwickeln plötzlich Mut zum eigenen Standpunkt. Dann ist jeder froh, sie im Team zu haben.
S wie Sitzheizung: Hält seinen Bürostuhl warm, macht sonst nicht viel.
W wie Wickelvolontär: Als er Bundeskanzler und noch nicht lupenreiner Gazprom-Lobbyist war, bezeichnete Gerhard Schröder Familienpolitik abschätzig als "Gedöns". Aus der Spielwiese für Polit-Neulinge ist längst ein aufgeladenes Thema geworden, das Wahlen entscheiden kann. In ihrem früheren Amt als Familienministerin zog sich Ursula von der Leyen den heiligen Zorn konservativer Unionisten zu, als sie das Elterngeld durch "Vätermonate" ergänzte: Das Elterngeld wird ein Jahr gezahlt; zusätzliches Geld für zwei weitere Monate erhalten Familien, wenn auch der Vater nach Geburt eines Kindes eine Auszeit nimmt.
Die CSU, erbost über Leyens Attacke auf die klassische Hausfrauenehe, spottete prompt und sehr prägnant über das "Wickelvolontariat". Diese Steilvorlage wurde in Unternehmen dankbar verwandelt - wer sich für zwei Monate ums Kind kümmern geht, wird als Wickelvolontär verabschiedet. Oder verabschiedet sich per Rundmail gleich selber so.
"Kollegen sind die Pest" - die schönsten Frotzeleien sind als SPIEGEL-ONLINE-Buch erschienen. Ihre Kollegen gönnen Ihnen nix, der Chef noch weniger? Gönnen Sie sich halt selbst etwas: