Caryl Chessman Tod nach Telefonpanne
Jurist in Handschellen: Chessman wehrte sich aus der Haft erbittert gegen sein Todesurteil. In seiner Zelle las er sich in die kalifornische Rechtsprechung ein und legte insgesamt 42-mal Berufung ein und zog 15-mal vor das Oberste Bundesgericht. Hier wird er nach einer Anhörung am 8. Dezember 1955 zurück ins Gefängnis gebracht.
Das letzte Bild: Noch kurz vor seiner Exekution am 2. Mai 1960 wirkte Chessman gelassen und entspannt. Er rechnete offensichtlich mit einer weiteren Verschiebung dieses inzwischen neunten Hinrichtungstermins. Tatsächlich kam der erhoffte Anruf, der nochmals Aufschub gewährte, sogar - doch um Sekunden zu spät.
Selfmade-Anwalt: Im November 1957 strebte Chessman ein neues Verfahren vor Gericht an. Dabei griff er unter anderem die ungenauen Protokolle seines ersten Verfahrens an: Der eingesetzte Stenograf war im Laufe des ersten Prozesses verstorben, ohne alle Mitschriften transkribiert zu haben. Sein Nachfolger, der nicht nur mit dem Ankläger verwandt, sondern auch Alkoholiker war, konnte darüberhinaus einige seiner eigenen Aufzeichnungen nicht lesen. Zu einer erneuten Gerichtsverhandlung gegen Chessman kam es trotzdem nicht.
Im Hintergrund sitzt Charles Fricke, der Richter, der Chessman 1948 ursprünglich verurteilt hatte, zwischen den Zuschauern im grauen Anzug und schaut zur Seite.
Die Gaskammer: Neben Caryl Chessmann wurden bis 1995 noch 195 weitere Häftlinge in San Quentin mit Gas hingerichtet, bis die Methode als "grausam und ungewöhnlich" abgeschafft wurde. Seit 1996 kommt hier die Giftspritze zum Einsatz.
Autor hinter Gittern: Während seiner zwölf Jahre in der Todeszelle schrieb Caryl Chessman insgesamt vier Bücher, die in etliche Sprachen übersetzt und zu Bestsellern wurden. Durch sie wurden er und seine Geschichte weltweit berühmt.
Das vierte, im Jahr seiner Hinrichtung 1960 erschienene Buch hieß "The Kid was a Killer".
Im Mittelpunkt: Während seiner Haftzeit mauserte Chessman sich zum Medienstar. Nachdem seine Bücher bereits das Interesse der Weltöffentlichkeit erregt hatten, berichteten auch bald die Medien über ihn. Hier spricht er noch am 17. Februar 1960, zwei Tage vor seinem achten Hinrichtungstermin, während einer Pressekonferenz vor Reportern.
Ein Todgeweihter vor der Linse: Namenhafte Zeitungen weltweit rissen sich um die Geschichte von Caryl Chessman. Immer wieder gab er Interviews (wie hier am 21. Oktober 1959) und zierte die Cover renommierter Magazine.
Glücklichere Tage: Der damals achtjährige Caryl Chessman kniet 1929 vor seinen Großeltern, ganz rechts stehen seine Eltern mit dem Hund Tippie. Im gleichen Jahr überlebte Chessman einen Autounfall, bei dem seine Mutter schwer verletzt wurde und anschließend querschnittsgelähmt war. Nachdem Chessman später ein halbes Jahr an Diphtherie erkrankt im Bett bleiben musste, begann er seine ersten Straftaten zu begehen. Er landete bereits als Jugendlicher mehrmals im Gefängnis, die Schwere seiner Verbrechen nahm anschließend stetig zu.
Gegen eine Hinrichtung: Nicht nur in den USA, auch weltweit demonstrierten die Menschen für das Leben von Caryl Chessman. So behauptete der kalifornische Gouverneur Pat Brown später, der Termin vom 19. Februar 1960 sei verschoben worden, da sich zu dieser Zeit Präsident Dwight D. Eisenhower auf einer Südamerikareise befunden habe. Dort seien die Proteste so heftig gewesen, dass er bei einer Hinrichtung Chessmans die Sicherheit des Präsidenten zu sehr gefährdet hätte.
Hier sind protestierende Studenten am 30. April 1960 in Los Angeles zu sehen.
Der letzte Protest: Noch am Tag des letzten Hinrichtungstermins hatten sich Demonstranten auf der Zufahrtsstraße nach San Quentin versammelt. Eine halbe Stunde bevor Chessman dann tatsächlich starb, begann die Polizei damit, die sich heftig wehrenden Fürsprecher von der Straße zu entfernen.
Für die Todesstrafe: Es gab allerdings auch Gegenstimmen zu all den Protesten. Befürworter einer Hinrichtung Chessmans warfen vor allem den ausländischen Medien vor, sie würden nicht über das Schicksal seiner mutmaßlichen Opfer berichten.
Ungewöhnlicher Antrag: Nachdem Chessmans Bücher so erfolgreich waren, verbot der Gefängnisdirektor seinem Starhäftling kurzerhand das Schreiben. Dieser Antrag auf Berufung, der am 20. Februar 1957 beim Gericht von San Rafael einging, war dann auch in Ermangelung üblichen Materials mit Bleistift auf Klopapier geschrieben. Abgesehen von dem ungewöhnlichen Material benutzte der Autodidakt Chessman jedoch die gleiche juristische Fachsprache wie auch jeder praktizierende Anwalt. Der Antrag wurde zwar angenommen, bereitete jedoch einige Probleme beim Abheften.
Zu Beginn der Haftzeit: Chessman war gerade einmal 27 Jahre alt, als er 1948 in Los Angeles verhaftet wurde. Bis heute bestehen Zweifel daran, ob er tatsächlich der gefürchtete "Rotlicht-Bandit" war, als der er verurteilt wurde.
Filmreif: Bislang wurde Chessmans Geschichte zweimal verfilmt. Das erste Mal bereits 1955 mit dem Titel "Todeszelle 2455" mit William Campbell in der Hauptrolle und ein...
...zweites Mal 1977 mit Alan Alda als Chessman in dem Film "Der Mann in der Todeszelle".
Auf dem SPIEGEL: Auch DER SPIEGEL berichtete immer wieder über Chessman. Im März 1960 widmete das Magazin dem Todeskandidaten sogar eine Titelgeschichte.
Klicken Sie hier , um diesen SPIEGEL-Titel zu lesen!