Norbert Röttgen Absturz eines Musterschülers
Die Kanzlerin und ihr ehemaliger Kronprinz: Lange galt Norbert Röttgen als "Muttis Bester", nun musste er nach dem Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen als Bundesumweltminister zurücktreten.
Der Umweltminister war in die Kritik geraten, nachdem er am Sonntag als Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen das schlechteste Ergebnis der CDU in Nordrhein-Westfalen eingefahren hatte.
Röttgen am Sonntagabend: In Nordrhein-Westfalen hagelte es eine deftige Wahlniederlage für die CDU und ihren Spitzenkandidaten Röttgen.
Röttgen als Wahlkämpfer: Ihm wurde das Potential zugesagt, selbst einmal Kanzler zu werden. Doch dann kam der Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen - und alles wurde anders.
Norbert Röttgen ist ein seltener politischer Absturz widerfahren. "George Clooney" vom Rhein wurde er in Nordrhein-Westfalen genannt. Aus der Union gab es viel Kritik an Röttgen, weil er stets offen gelassen hatte, ob er auch im Fall einer Wahlniederlage in Düsseldorf bleiben werde.
Mitte April läutete Röttgen in Münster die heiße Wahlkampfphase ein. Mit dabei auch seine Ehefrau Ebba. Die beiden haben zwei Kinder, leben in Königswinter.
"Norbert Röttgen Wählen" - Parteifreunde empfangen den CDU-Politiker in Wuppertal mit Plakaten. Am Ende taten dies nur 26,3 Prozent der Wähler. Ein volksnaher Straßenwahlkämpfer zum Anfassen war Röttgen nie. Er wirkte nüchtern, kam eher als "Klassenprimus" denn als "Landesvater" rüber.
Röttgen wurde lange in der CDU als "Kronprinz" von Kanzlerin Angela Merkel gehandelt. "Muttis Bester" hieß er in Berlin, hier sind die beiden beim Wahlkampfauftakt 2012 in Münster zu sehen.
Im Januar 2005 begann Röttgens steiler Aufstieg. Der Politiker wurde auf Vorschlag Merkels zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt (hier im August 2004).
Röttgen bei seiner Vereidigung als Bundesumweltminister im Oktober 2009: Mit geschliffener Rhetorik, nüchternem Intellekt und fachlicher Kompetenz profilierte sich der promovierte Jurist.
Der CDU-Mann stand für einen Modernisierungskurs und Annäherung an die Grünen - das gefällt nicht jedem in seiner Partei. Hier besucht der Minister im April 2010 einen Offshore-Windpark in der Nordsee. Röttgen setzt auf alternative Energien.
Röttgen bei seiner ersten Bundeskabinettsitzung im Oktober 2009: Er war es, der gegen Widerstände in der schwarz-gelben Koalition den Atomausstieg vorantrieb. Er gilt als Modernisierer in seiner Partei und Türöffner zu den Grünen. Den Konservativen in seiner Partei war er ein Dorn im Auge.
In der CDU baute Röttgen seine Machtbasis aus und gewann im Jahr 2010 den Mitgliederentscheid um den Landesvorsitz klar gegen Ex-NRW-Integrationschef Armin Laschet, hier links im Bild.
Röttgen und Jürgen Rüttgers, der den NRW-Landesverband von 1999 bis 2010 führte. Der Ex-Ministerpräsident Rüttgers zog sich 2010 nach der Landtagswahl zurück, seine CDU war damals auf 34,5 Prozent abgestürzt. Röttgen machte es 2012 noch schlechter - die Wahlniederlage läutete seinen Rücktritt ein.