Katastrophe mit Ansage Explosion in 16 Kilometer Höhe
Freudig fieberte die Crew der "Challenger"-Mission auf einem im November 1985 aufgenommenen Pressefoto ihrer Mission entgegen. Bis es zu dem verhängnisvollen 28. Januar 1986 kommen sollte, wurde der Start noch mehrmals verschoben - mal wegen schlechter Wetterbedingungen, dann wieder wegen eines defekten Türgriffs.
Hintere Reihe von links: Ellison S. Onizuka, Sharon Christa McAuliffe, Greg Jarvis, Judy Resnick; vordere Reihe Mike Smith, Dick Scobee und Ron McNair.
Ausgebrannte Kapsel: Es war ein Schock für die USA, als 1967 während eines Bodentests Feuer an Bord der "Apollo 1"-Kapsel ausbricht und drei Astronauten darin sterben.
Pazifik statt Mond: Eigentlich sollte die Crew der "Apollo 13"-Mission im April 1970 auf dem Mond landen, doch dieser Plan musste nach der Explosion eines Tanks aufgegeben werden. Mit technischer Improvisation und viel Glück konnten die Astronauten lebend zur Erde zurückkehren und landeten schließlich sicher im Pazifischen Ozean. Die Geschichte der "Apollo 13" wurde 1995 mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt.
Tödliches Los: Für Christa McAuliffe ging ein Traum in Erfüllung, als sie unter mehr als 11.000 Lehrern ausgewählt wurde, um als erste Zivilistin ins All zu fliegen. Sie sollte für das von US-Präsident Ronald Reagan beworbene "Teacher in Space"-Programm aus der "Challenger" per TV-Schaltung ihre Landsleute unterrichten - und damit deren Begeisterung für Naturwissenschaften anfachen. Gleichzeitig wollte die Nasa damit suggerieren, die bemannte Raumfahrt sei inzwischen zur ungefährlichen Routine geworden. Nach der Katastrophe kündigte Reagan fast trotzig an, weiterhin Zivilisten und Lehrer ins All schicken zu wollen.
Start ins Unglück: Um 11.38 Uhr Ortszeit steigt am Kennedy Space Center in Florida die Raumfähre "Challenger" in den Himmel. Vor den Fernsehgeräten in den USA bricht Jubel aus; alles scheint problemlos zu laufen bei der historischen Mission, dem 25. Start eines Space Shuttles und dem ersten Flug mit einer Zivilistin an Bord. Doch nicht einmal anderthalb Minuten später mündet die Mission in die bis dahin größte Katastrophe der Raumfahrt.
Kurz nach dem Abschuss: Die meisten Zuschauer feierten noch den gelungenen Start, als, kaum sichtbar, etwa 59 Sekunden nach dem Start die ersten Flammen außen an der "Challenger" züngelten.
Der Schock: Nur 73 Sekunden nach dem Start explodierte die "Challenger"-Raumfähre in etwa 16 Kilometer Höhe. Riesige, weiße Rauchwolken bildeten sich und...
...die beiden Feststoffraketen der Challenger schossen wie wild gewordene Feuerwerkskörper durch die Luft, lange Rauchspuren hinter sich herziehend.
Peinliche Kommunikationspanne: Als die "Challenger" bereits explodiert war, leierte der Sprecher im Nasa-Kontrollraum noch immer technische Daten herunter, offenbar war seine Aufmerksamkeit allein auf den Flugplan fokussiert. Schließlich stockte er und stellte mit tonloser Stimme fest: "Obviously a major malfunction", offensichtlich eine schwere Fehlfunktion. Reporter nannten diese Einschätzung die "Untertreibung des Jahres".
Aufräumarbeiten: Nach dem Unglück dauerte es noch fast eine Stunde, bis die letzten Trümmerteile des Shuttles vom Himmel gefallen waren. Rettungsteams wurden sofort losgeschickt, auch wenn sich niemand vorstellen konnte, dass die Astronauten den Absturz überlebt haben könnten. Erst nach sechs Wochen wurde die Kapsel mit den sterblichen Überresten der sieben Raumfahrer gefunden.
Die Rede des Präsidenten: Noch am Nachmittag des Unglücks hielt US-Präsident Ronald Reagan eine Rede an die Nation. "Heute ist ein Tag zum Trauern und Erinnern", begann er. "Wir trauern um sieben Helden". Reagan erinnerte die Fernsehzuschauer an Sir Francis Drake, der auf den Tag genau 390 Jahre zuvor auf seinem Schiff vor der Küste von Panama gestorben war. "Die Grenzen seiner Zeit waren die Ozeane (...). Er lebte für die See, starb auf See und wurde dort beerdigt. Heute können wir über die 'Challenger'-Crew sagen, ihre Hingabe war die Gleiche wie die von Drake."
Letzte Reise: Die sterblichen Überreste der sechs bei der Explosion ums Leben gekommenen Astronauten und der Zivilistin Christa McAuliffe werden vom Kennedy Space Center feierlich abtransportiert. Derweil wurde in den USA über die letzten Momente in der "Challenger" spekuliert. Nach der Auswertung der aufgezeichneten Bordkommunikation traf das Unglück die Crew völlig überraschend. Allerdings wurden drei der gefundenen Sauerstoffmasken noch benutzt, was dafür sprechen würde, dass zumindest einige Astronauten den minutenlangen Absturz der Raumkapsel nach der Explosion noch bei vollem Bewusstsein erlebt haben könnten.
Unglücksursache: Auf einem Inspektionsfoto vom 28. Januar 1986 ist zu erkennen, dass die Startrampe der "Challenger" am Morgen des Unglücks völlig vereist war. Das könnte ein Grund für die porösen Dichtungsringe gewesen sein, die die Katastrophe verursacht hatten. Durch sie waren leicht entzündliche Gase aus einer der beiden Feststoffraketen entwichen, die schließlich die Explosion des noch mit gut 1,5 Millionen Litern Treibstoff gefüllten Außentanks ausgelöst hatten. Ein Ingenieur des Herstellers der Feststoffraketen hatte noch einen Tag vor dem Start die Chefetage seiner Firma vor dem möglichen Problem mit den Dichtungsringen bei großer Kälte gewarnt. Doch die ignorierten seinen Ratschlag und gaben der Nasa grünes Licht.
John Glenn: Der spätere US-Senator hatte 1962 als erster Amerikaner die Erde umkreist. "Ein Vierteljahrhundert haben wir diesen Tag vermeiden können", sagte er nach dem Unglück - und ließ durchblicken, dass die Katastrophe für ihn nicht ganz überraschend kam: "Wir haben darüber geredet und spekuliert, und nun ist es geschehen."
Auch die Leiter der Bodenkontrolle Jay H. Greene, rechts, und Alan L. (Lee) Briscoe mussten die Explosion der "Challenger" an ihren Bildschirmen verfolgen. Insgesamt dreimal hatte der Start zuvor bereits verschoben werden müssen. Wahrscheinlich wurden auch deshalb die Warnung eines Ingenieurs, nicht bei großer Kälte zu starten, ignoriert.
Forschung für die Sicherheit: Nach der Explosion der "Challenger" forschte die Nasa verstärkt an Rettungssystemen für ihre Astronauten. Hier wird im November 1987 in der Wüste von Utah ein System getestet, das der Crew im Notfall eine Rettung ermöglichen könnte. Aber auch später entwickelte Rettungssysteme konnten nicht immer Katastrophen verhindern. So konnten die Astronauten an Bord der "Columbia" trotz Sicherheitssystems nicht gerettet werden, als das Shuttle beim Eintritt in die Erdatmosphäre zerbrach.
Gedenken an die toten Raumfahrer: In Cape Canaveral erinnert dieses Denkmal an die bei Unfällen ums Leben gekommene Astronauten, unter anderem an die Mitglieder der "Challenger"-Crew. Zum 20-jährigen Jubiläum der Explosion wurde das Denkmal am 28. Januar 2006 mit Rosen geschmückt.