Champions-League-Analyse Warum Dortmunds Abwehr sich auflöste
Mit dem zweiten Sieg im dritten Champions-League-Spiel der Saison ist der BVB auf dem besten Wege ins Achtelfinale. Allerdings war der Sieg bei Sporting statistisch betrachtet glücklich.
Pierre-Emerick Aubameyang kam in den vergangenen Spielen nur selten gefährlich vor das Tor und hatte kaum Ballkontakte. Der Grund? Gegner wie zuletzt RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder Hertha BSC verstanden es, das Zentrum zuzustellen, Sechser wie Julian Weigl aus dem Spiel zu nehmen und die Verbindungen zu den Halbraumspielern vor Weigl zu kappen. Dadurch hing auch der BVB-Angriff meist in der Luft.
Vom funktionierenden Spielaufbau profitierte vor allem Aubameyang. Nach einem Pass von Götze über die Abwehrkette setzte sich der Stürmer gegen Ruben Semedo durch und lupfte den Ball mit viel Gefühl zur Führung ins Tor.
Weigl hatte mit 94 Ballkontakte die meisten Ballaktionen seines Teams (auf die zweitmeisten kam Sokratis mit 74). Zuletzt hatten ihn die Innverteidiger des BVB in dieser Disziplin unfreiwillig überholt, da sich Dortmund durch die Probleme im Spielaufbau gezwungen sah, viel hinten herum zu spielen.
Ganz anders verlief das Spiel gegen Sporting, in dem Weigl sein Premieren-Tor für den BVB erzielte. Er erkämpfte sich einen Ball im Gegenpressing, ließ einen Gegenspieler im Dribbling stehen und schoss aus 18 Metern zur 2:0-Führung ein.
In der zweiten Hälfte kippte die Partie aufgrund einer Reihe von ärgerlichen Umständen. Zunächst unterlief Marc Bartra ein folgenschwerer Lapsus. Der Innenverteidiger passte den Ball zum herausstürmenden Torwart Roman Bürki. Ein regelwidriger Rückpass. Es gab einen indirekten Freistoß, den Bruno César zum Anschlusstreffer nutzte (67.). Sporting war wieder dran.
Der Gegentreffer war nicht das einzige Problem. Thomas Tuchel musste nach und nach seine Abwehr verändern. Zunächst kam Lukasz Piszczek für Marc Bartra. Piszczek spielte rechts, Ginter ging nach innen (68.). In der 71. Minute musste Ginter verletzt raus, Sebastian Rode kam - Piszczek spielte nun innen, Rode rechts. In der 92. Minute erwischte es auch noch Passlack, Dzenis Burnic feierte sein Debüt.
Am Ende wurde das Spiel zu einer Abwehrschlacht, die der BVB nach sieben Minuten Nachspielzeit mit einem Quäntchen Glück für sich entschied. Die starke erste Hälfte ließ zumindest das Gefühl zurück, dass der BVB die Probleme im Spielaufbau in den Griff kriegen wird. Mit einem Sieg vor eigenem Publikum gegen Sporting am 2. November kann der BVB ins Achtelfinale einziehen.