Einzelkritik Bayern München Robben wie in alten Zeiten
Manuel Neuer (Tor): Der Nationalkeeper sticht mit seinen 1,93 Metern Körpergröße aus der kleinen Bayern-Abwehr heraus, doch die brauchte er an diesem Abend erst in der zweiten Halbzeit. Beim Anschlusstreffer Juves durch Paulo Dybala, dann mit einer Glanztat gegen Juan Cuadrados Schuss, den Neuer langarmig über sein Tor blockte. Beim 2:2 vielleicht zu zögerlich. Bitterer Abend für Neuer, der mehr Tore kassierte, als er Paraden zeigen konnte.
Philipp Lahm (Abwehr): Spielte bei Ballbesitz im halbrechten Mittelfeld und mimte dort den souveränen Ballverteiler. Gegen den Ball oft als Rechtsverteidiger. Das klappte hervorragend, Lahm behielt auch in der Defensive die Übersicht, bis die Bayern Mitte der zweiten Halbzeit die Kontrolle verloren. Danach hatte auch der Kapitän größte Mühe, Juves Angriffen standzuhalten.
Joshua Kimmich (Abwehr): Der defensive Mittelfeldspieler, den Josep Guardiola aus purer Verletzungsnot heraus gerade zum Innenverteidiger umfunktioniert, machte in der Gruppenphase fünf von sechs Champions-League-Partien mit. Gegen Juventus beorderte der Trainer den 21-Jährigen auf die rechte Abwehrseite. Kimmich führte sich dort gleich mit einem Fehlpass in der gegnerischen Hälfte ein und verursachte so Juves erste kleine Chance. Ein weiterer Fehlpass, den Paul Pogba abfing, blieb ohne Folgen. Legte seine Nervosität dann langsam ab, aber sie kam wieder als Kimmich den Ball vor dem Anschlusstreffer an Mario Mandzukic verlor. Auch beim 2:2 sah Kimmich nicht gut aus. Heute nach starken Wochen ein großer Unsicherheits-Faktor.
David Alaba (Abwehr): Stand sehr sicher in der Innenverteidigung neben Vidal, hatte dort aber auch kaum etwas zu tun in der ersten Halbzeit bei dem monströsen Ballbesitz der Bayern. Und wenn Juventus nach vorne kam, räumte der Österreicher die Bälle gewissenhaft ab. Er wirkte nur kurz vor der Pause bei einem Lupfer etwas orientierungslos. In der zweiten Halbzeit wurde auch Alaba nervöser, wobei ihn keine Schuld traf an den Gegentoren.
Juan Bernat (Abwehr, bis 74. Minute): Kam gerade rechtzeitig nach seinem Muskelbündelriss zurück, jetzt, da die Bayern in der Defensive auf Notstrom laufen. Der Spanier spielte klassisch auf seiner linken Abwehrseite, stand aber extrem hoch in der Juventus-Hälfte. Sehr aktiv in der Vorwärtsbewegung, suchte auch den Abschluss. In der zweiten Hälfte viel defensiver, weil Juve die Bayern gewaltig unter Druck setzte. Insgesamt überzeugende Leistung Bernats.
Medhi Benatia (Abwehr, ab 74.): Versuchte, in der Verteidigung mitzuhelfen, doch schon zwei Minuten nach seiner Einwechslung traf Juventus zum 2:2. Kein schöner Einstand nach seiner Verletzungspause (Archivbild).
Arturo Vidal (Mittelfeld): Der Chilene, den die Bayern von Juventus verpflichtet hatten, zeigte sich wenig beeindruckt von den Pfiffen des Publikums. Vidal prüfte Gianluigi Buffon schon nach drei Minuten mit einem strammen Schuss. Spielte wie von Guardiola am Montag angedeutet Innenverteidiger, verursachte dabei aber durch einen Fehlpass nach gut zehn Minuten gleich einen gefährlichen Konter. Danach besser, doch auch Vidal schwächelte in der zweiten Halbzeit und konnte die beiden Gegentore nicht verhindern.
Arjen Robben (Mittelfeld): Hatte gegen Juventus mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie in der Bundesliga: Spielte auffällig, aber die letzte Konsequenz fehlte ihm am Ende bis Robben dann mit seiner Flanke zum Ausgangspunkt des 1:0 wurde. Und bis er zehn Minuten nach der Pause im Juve-Strafraum nach innen zog und wunderbar gezirkelt ins linke Eck traf. Natürlich mit links, es war ein Robben-Klassiker. Jubelte dann zuerst mit Trainer Guardiola, den er Stirn an Stirn herzte nach den vielen torlosen Spielen fiel sehr viel Ballast von Robbens Schultern.
Thomas Müller (Mittelfeld): Unfassbare Szene nach 13 Minuten: Müller musste den Ball nach schöner Vorarbeit von Philipp Lahm und Douglas Costa aus fünf Metern und ohne Gegenspieler nur noch ins Tor schießen, traf ihn aber nicht richtig. Danach unauffällig, bis zur 43. Minute, als die geschockten Zuschauer im Juventus-Stadion wieder den echten Müller zu sehen bekamen und seinen trockenen Torschuss aus elf Metern. Soll erfüllt.
Thiago (Mittelfeld): Der Spanier hatte Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden, in der ersten Halbzeit mit einigen kleinen Ungenauigkeiten. In den zweiten 45 Minuten blieb das größtenteils so. Längst noch nicht so gut, wie Guardiola sich das von seinem Musterschüler wünscht.
Douglas Costa (Mittelfeld, bis 84.): Der Brasilianer verängstigte Juves Abwehr andauernd mit seinen schnellen Läufen, scharfen Flanken und seinem unbändigen Zug zum Tor. Doch nicht eine seiner Hereingaben führte kurz vor der Pause zu Bayerns 1:0 durch Thomas Müller, sondern die von ihm fein weitergeleitete Flanke Robbens. Auch danach gefährlich, wobei sein Drang Mitte der zweiten Halbzeit wie bei fast allen Bayern-Spielern abnahm.
Franck Ribéry (Mittelfeld, ab 84.): Ein paar Minuten Spielpraxis durfte der Franzose sammeln, in einer hektischen Schlussphase (Archivbild).
Robert Lewandowki (Angriff): Der Bayern-Stürmer war zunächst keineswegs unauffällig, auch er brachte Juves Abwehr immer wieder gewaltig in Bedrängnis mit dem Fuß und mit dem Kopf. Glänzte diesmal aber ausnahmsweise als Vorbereiter vor Robbens 2:0. Danach: Ziemlich unauffällig im Vergleich zu seinem Vorgänger im Bayern-Sturm, Mario Mandzukic.