Dortmund in der Einzelkritik Kollektiver Zusammenbruch
Roman Bürki, Tor: Vor der Pause war er vor allem mit dem Fuß gefordert. Zunächst, weil seine Kollegen ihn mangels anderer Optionen als Anspielstation suchten. Dann wehrte Bürki mit dem linken Fuß einen gefährlichen Schuss von Heung-Min Son ab (36. Minute). Bei dessen Tor kurz nach der Pause schaute er dem Ball hinterher, weil ihm mehr auch nicht übrig blieb. Bei den beiden anderen Treffern war es genauso.
Achraf Hakimi, Abwehr: Immer wieder spielte Tottenham weite Diagonalpässe. Das erforderte von Hakimi ein sehr gutes Stellungsspiel. Fing sich nach nervösem Beginn und überzeugte dann auch mit seinen Sprints über die rechte Seite und im Zusammenspiel mit Jadon Sancho. Im Gedächtnis bleibt aber vor allem sein Ballverlust vor dem 0:1, als er ins Dribbling ging, statt den Ball wegzuschlagen. Beim zweiten Treffer verlor er Vertonghen aus den Augen. Zusammengenommen eine ganz schwache Leistung.
Ömer Toprak, Abwehr: Noch der Beste in einer Defensive, die gegen Ende der Partie aus den Fugen geriet. Spielte ohne Schnörkel, rettete zunächst, was es zu retten gab.
Dan-Axel Zagadou (bis 77.), Abwehr: Sein erster Einsatz seit dem 1. Dezember. Eine Fußverletzung hatte ihn zur Pause gezwungen. Das merkte zunächst niemand. Der große, coole Innenverteidiger erledigte seine Aufgabe in der ersten Hälfte hinten souverän und eröffnete das Spiel mit scharfen Flachpässen anständig. Als er dann unter der Flanke von Jan Vertonghen hersprang, die Son verwertete, war doch zu merken, dass er länger pausiert hatte. Verhinderte später, dass Son ähnlich frei zum Abschluss kam (60.). In der 77. Minute ausgewechselt.
Marcel Schmelzer (77. für Zagadou), Abwehr: Viele hatten den ehememaligen Kapitän in der Startelf erwartet. Schmelzer kam dann spät für Zagadou, der mit den Kräften am Ende war. Dass er keine Sicherheit in die Defensive brachte, ist am Ergebnis abzulesen.
Abdou Diallo, Abwehr: Er überzeugte als linker Verteidiger bislang ganz selten. Das war auch in London nicht anders. Diallo zeigte Schwächen im Zweikampf, im Stellungsspiel und verlor zum Ende auch die Nerven. Nach der Einwechslung von Marcel Schmelzer rückte er auf die Position in der Innenverteidigung. Auch da wurde es nicht besser.
Axel Witsel, Mittelfeld: Beim 3:3 gegen Hoffenheim, als der BVB einen 3:0-Vorsprung verspielte, verlor auch er die Ruhe, die ihn sonst so auszeichnet. Im Wembley-Stadion fand er sie wieder - bis zur Pause. In der zweiten Halbzeit ging sie wieder dahin.
Thomas Delaney, Mittelfeld: Wehrte sich nach besten Kräften, gewann wichtige Zweikämpfe. Der Däne war noch am wenigsten dafür verantwortlich, dass die Dortmunder sich nun auch ziemlich sicher von der Champions League verabschieden müssen.
Christian Pulisic (bis 87.), Angriff: Der US-Amerikaner durfte in der Stadt vorspielen, in der er ab Sommer für den FC Chelsea auflaufen wird. Nach der Leistung im Wembley-Stadion dürfte die Diskussion noch lauter werden, warum der Klub von Roman Abramowitsch 64 Millionen Euro für Pulisic bezahlte. Ein ordentlicher Abschluss nach einer Viertelstunde, das war es.
Jacob Bruun-Larsen (87. für Pulisic), Angriff: Undankbar, in eine Mannschaft eingewechselt zu werden, in der es drunter und drüber geht.
Mahmoud Dahoud, Mittelfeld: Durfte hinter den drei Angreifern neben Thomas Delaney im offensiven Mittelfeld spielen. Spielte zwei gute Pässe, verschwand danach, obwohl er noch auf dem Platz stand. Wenn alle gesund sind, wird er wohl kaum noch viele Einsätze bekommen.
Jadon Sancho (bis 88.), Angriff: Viele Eintrittskarten musste Sancho für seine Familie und Freunde besorgen, damit sie den englischen Nationalspieler in seiner Heimatstadt sehen konnten. Vor der Pause sahen sie einige Aktionen über die rechte Seite, aber es fehlte die Konsequenz bei der Vorlage und/oder beim Abschluss. Ging dann nach dem Rückstand mit unter.
Raphael Guerreiro (88. für Jadon Sancho), Mittelfeld: siehe Bruun-Larsen.
Mario Götze, Angriff: Trug für den verletzten Marco Reus die Kapitänsbinde, trug im zentralen Angriff kaum etwas für die Offensive bei. Lief viel, um den Aufbau der Spurs zu stören. Das ist aber auch lediglich eine Selbstverständlichkeit.