Tottenham in der Einzelkritik Momente purer Klasse
Hugo Lloris, Tor: Wie er sich fast aus dem Stand vom Rasen federte und Dan-Axel Zagadous Kopfall aus kurzer Distanz um den Pfosten lenkte, war klasse (44.). Auch sonst wirkte der Franzose sicher, mit einer Ausnahme: Den Schuss von Thomas Delaney in der 35. Minute ließ Lloris prallen, zu seinem Glück putzte Sánchez aus.
Serge Aurier, Abwehr: Erhielt den Vorzug vor Kieran Trippier und spielte extrem offensiv. Wartete oft auf Höhe von Dortmunds Linksverteidiger Abdou Diallo, um sich für Flugbälle hinter die Abwehr anzubieten. Gemessen daran blieb er lange ziemlich wirkungslos im Angriff. Dann flankte er perfekt auf Vertonghen - 2:0.
Juan Foyth, Abwehr: Den 21-Jährigen, der zuletzt im Dezember eingesetzt worden war, hatte der BVB offenbar nicht auf der Rechnung. Andernfalls hätte er Foyth vermutlich noch gezielter unter Druck gesetzt. Dann nämlich machte er Fehler: Entweder er brachte seine Mitspieler mit schlecht getimten Pässen in Not, oder er verlor die Bälle gleich selbst. Verlor zudem das Duell mit Zagadou vor dessen Großchance (44.). Aber: Wie stabil Foyth aus der Pause kam, das war beeindruckend gut.
Davinson Sánchez, Abwehr: Seine Rolle als zentraler Spieler einer Fünferabwehr mag ungewohnt gewesen sein, sie ergab jedoch Sinn: Der schnellste Spurs-Verteidiger gewann die wenigen Laufduelle, die er sich mit BVB-Stürmer Mario Götze liefern musste. Sánchez machte ein aufregend gutes Spiel, oft war er die letzte Bastion auf Dortmunds Weg zum Tor, er war es auch, der den Ball vor dem 2:0 eroberte.
Toby Alderweireld, Abwehr: Am Wochenende gegen Leicester saß er noch auf der Bank, vermutlich wurde er geschont. Mit der gewünschten Wirkung: Gar nicht so oft gefordert wie erwartet. Aber sicher, wenn es darauf ankam.
Jan Vertonghen, Abwehr: Eigentlich sollte der gelernte Innenverteidiger links in der Fünferkette mithelfen, Dortmunds Jadon Sancho zu decken, was mit einigen Ausnahmen auch gelang. Dass er nach vorne einen geringeren Beitrag leisten würde, nahmen die Spurs dafür in Kauf. Eigentlich. Dann tauchte Vertonghen plötzlich vorne auf, einmal, zweimal, immer wieder. Das Ergebnis; Flanke vor dem 1:0, 2:0 selbst erzielt, Mann des Spiels.
Moussa Sissoko, Mittelfeld (bis 90.+1 Minute): Ist er ein Sechser? Ein Achter? Flügelstürmer? Gewiss ist Sissoko einer der interessantesten Spieler auf dem Platz, ach was, des ganzen Wettbewerbs. Was nicht allein als Lob verstanden werden sollte. Sissoko kann dribbeln, Zweikämpfe gewinnen, zu Tiefenläufen ansetzen, und all das tat er gefühlt überall auf dem Platz. Das ist unberechenbar, für den Gegner wie für die Mitspieler, viel öfter aber Ersteres.
Victor Wanyama (ab 90.+1): Trat nicht nennenswert in Erscheinung, dafür kam er zu spät ins Spiel.
Harry Winks, Mittelfeld: Aufgrund von Sissokos unberechenbaren Laufwegen musste Winks Angriffe absichern und als Anspielstation im Aufbau dienen. Viel Last auf den schmalen Schultern des 23-Jährigen. Winks aber machte seine Sache gut, er sicherte viele zweite Bälle, wirkte ballsicher. Allerdings: Bei der Frage, wann er sich zurück in Richtung Strafraum bewegen muss und wann er den Gegenspieler pressen darf, liegt er noch recht oft daneben.
Christian Eriksen, Mittelfeld: Tottenhams Anführer. Wie gut Eriksen eigentlich ist, deutete der 26-Jährige ein paarmal an: wenn er mit rechts den Ball führte, um dann ansatzlos mit links zu passen; wenn er sich mit kurzen Bewegungen absetzte und vom Unsichtbar- in den Ballverteilermodus wechselte. Sein Ballgewinn führte zum 1:0, seine Ecke zum 3:0. Eriksen war schlicht zu gut für den BVB.
Son Heung-Min, Angriff (bis 90.): Der BVB ist sein Lieblingsgegner. Gegen kein Team hat der ehemalige Bundesligaprofi mehr Tore erzielt (neun). Und dieser Treffer war besonders schön: Wie Son die Hereingabe mit der Innenseite volley nahm und perfekt platzierte, war ein Moment purer Klasse.
Erik Lamela (ab 90.): War dabei, als die Spurs den BVB bezwangen. Zumindest auf dem Spielberichtsbogen.
Lucas Moura, Angriff (bis 85.): Eigentlich auf dem rechten Flügel zu Hause; gegen Dortmund spielte er als Stürmer. Mit dieser zentraleren Rolle kam er nicht zurecht. Bewegte sich unpassend, wenn er sich ins Mittelfeld fallen ließ, das wirkte improvisiert statt koordiniert. Dabei begann die Partie vielversprechend für Lucas, als er per Volley beinahe ein Traumtor erzielt hätte (7.). Beinahe gelungen, das galt auch für manch aussichtsreiche Situation im weiteren Spielverlauf. Aber beinahe genügt nicht.
Fernando Llorente (ab 85.): Kam kurz vor Schluss, vermutlich, um Bälle festzumachen und so das 2:0 über die Zeit zu bringen. Llorente leistete mehr, er entschied mit seinem Kopfballtreffer die Partie, vermutlich gar dieses Achtelfinale.