Ein Hotel für Künstler und verlorene Seelen Tatort und Inspiration
Kunstraum: Besucher sitzen am 19. November 1983 in der Lobby des Chelsea Hotels. Im Mittelpunkt steht ein wuchtiger Kamin, umrahmt von moderner Kunst. Es sind Bilder, mit denen etliche Künstler dem Hotelmanager Stanley Bard, der das Hotel 52 Jahre lang bis zum 18. Juni 2007 führte, die Zimmermiete bezahlten.
Chelsea Hotel: Die Fassade des berühmten New Yorker Hotels mit den verschnörkelten Eisenbalkonen im Jahr 2007. Transparente der Bewohner fordern "Bring back the Bards!" Gemeint ist David Bard, der das Hotel 1939 übernahm, renovierte und die heruntergekommene Absteige zum Mythos machte.
Backsteingigant: Das Chelsea Hotel in der 222 West 23rd Street in New York wurde 1883 als Apartmenthaus gebaut, erst ab 1905 wurde es als Hotel genutzt. Bob Dylan, Patti Smith und Andy Warhol sind nur drei berühmte Namen auf der Gästeliste, die sich wie ein Who is Who der internationalen Kulturszene liest.
Arthur Miller: Der amerikanische Dramatiker wohnte nach seiner Scheidung von Marilyn Monroe 1961 für mehrere Jahre in einer Suite des Chelsea Hotels. Damals zählte es nicht gerade zu den besten Adressen im Big Apple - kaputte Heizungen und Lifte waren an der Tagesordnung. Miller urteilte, dort herrsche eine "Atmosphäre des unkontrollierbaren Verfalls".
Dylan Thomas: Geschwächt von seinen ständigen Alkoholexzessen starb der walisische Schriftsteller am 9. November 1953 während seines Aufenthalts im Chelsea Hotel an einer Lungenentzündung.
William S. Burroughs: Auch der amerikanische Schriftsteller und Autor des Kultromans "Naked Lunch" war im Chelsea Hotel zu Gast. Das Foto zeigt Burroughs 1965.
"The Chelsea Girls": 1966 drehte Andy Warhol einen Film über das fiktive Leben der Bewohner des New Yorker Chelsea Hotels. In aneinandergereihten Episoden wird von Drogenexzessen und Gewaltausbrüchen erzählt. Die Aufnahme zeigt das Plakat zum Film.
"Chelsea Girl": Sängerin Nico, mit bürgerlichem Namen Christa Päffgen, auf dem Cover ihres Albums "Chelsea Girl" von 1967. Es war ihr erstes Solo-Album. Der Titel nimmt Bezug auf ihr Leben im Chelsea Hotel, New York.
Das Glamour-Paar: Andy Warhol, rechts, zusammen mit der Sängerin Nico, aufgenommen auf einer Party in Warhols Studio am 19. September 1968. Die beiden Künstler lernten sich 1964 über Bob Dylan kennen. Die Deutsche spielte eine Rolle in Warhols Film "The Chelsea Girls".
Eingangsbereich: Die Lobby des Chelsea Hotel in New York, aufgenommen am 4. Dezember 1983 - 100 Jahre nach dem Bau des Gebäudes. Der Glanz vergangener Zeiten und moderne Kunst verschiedener Stilrichtungen dominieren den Raum.
Warhol und seine Musen: Der Künstler zusammen mit Nico, Mary Woronov und Susan Bottomly, von links, am 19. Dezember 1966 in New York. Die drei Models spielten in Warhols gleichnamigem Film die "Chelsea Girls".
Edie Sedgwick: Das amerikanische Model war Mitte der sechziger Jahre Muse von Andy Warhol. Auch sie bewohnte das Chelsea Hotel. In seinem Film "The Chelsea Girls" von 1966 wurde eine Episode mit ihr herausgeschnitten - wahrscheinlich aufgrund der beginnenden Differenzen mit Warhol. Die Aufnahme zeigt sie, rechts neben Pat Hartley, als Darstellerin in dem Film "Ciao! Manhattan", der erst 1972 veröffentlicht wurde - ein Jahr nach ihrem frühen Tod.
Gregory Corso: Der Beat-Poet 1981 in Boulder, Colorado. Der Schriftsteller war vor dem Boom des New Yorker Chelsea Hotels in den sechziger Jahren häufig hier zu Gast. Für die Dichter der Beat Generation war das Hotel eine Bühne, besonders für Allen Ginsberg und Gregory Corso.
Germaine Greer: Die feministische Autorin und Publizistin Germaine Greer im Dezember 1971 vor dem Eingang des Chelsea Hotel in New York.
Herbert Huncke: Die Subkultur-Ikone und späterer Autor inspirierte die Schriftsteller der Beat Generation - so soll die Figur Elmer Hassel in Jack Kerouacs Roman "On the Road" von 1957 Huncke nachempfunden sein. Die Aufnahme zeigt ihn 1995 im Chelsea Hotel.
Nancy und Sid: Der Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious mit seiner Freundin Nancy Spungen 1978 in London. Am 12. Oktober 1978 wurde Nancy im Chelsea Hotel in New York erstochen aufgefunden. Vicious wurde zunächst verdächtigt, doch gegen eine Kaution wieder freigelassen. Noch vor dem Prozess starb er am 9. Februar 1979 an einer Überdosis Heroin - ebenfalls in einem Zimmer des Chelsea Hotels.
Tod im Hotel: Helfer tragen am 12. Oktober 1978 den Leichnam der ermordeten 20-jährigen Nancy Spungen aus dem Chelsea Hotel. Sie wurde im Bad des Zimmers 100 erstochen aufgefunden. Ihr Freund Sid Vicious, Bassist der Punkband Sex Pistols, wurde der Tat verdächtigt.