China: Vergessene Gefangene - DER SPIEGEL
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China Vergessene Gefangene

Wer in China ins Gefängnis kommt, verschwindet einfach. In dem schnelllebigen Milliardenland geraten die Schicksale einzelner Inhaftierter schnell in Vergessenheit. Viele Aktivisten verbringen Jahre unter Hausarrest oder im Gefängnis. Die Gründe sind oft banal.
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Shi Tao

sitzt seit zehn Jahren im Gefängnis. Die chinesischen Behörden werfen dem Journalisten und Dichtern vor, in einer E-Mail Staatsgeheimnisse weitergegeben zu haben. Der Inhalt der Mail: Ein zusammengefasstes Dokument der chinesischen Propaganda-Abteilung.

Foto: ICPC
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Gao Zhisheng

ist seit Februar 2009 "verschwunden". Der Rechtsanwalt hatte sich vor allem in politischen Fällen eingesetzt. Seine Familie floh 2009 nach seiner Festnahme in die USA. Häufig drohen in China auch den Angehörigen von Dissidenten Repressalien. So wie Gao Zhisheng sind viele Menschen in China "verschwunden". Es ist nicht bekannt, ob sie im Gefängnis sind oder einfach keinen Zugang mehr zu Internet und Telefon haben.

Foto: Hu Jia
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Yang Tongyan

sitzt seit 2004 im Gefängnis von Nanjing. Der Schriftsteller wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt weil er "den Staat gefährde". Diese und andere vage Anklagegründe werden bei Oppositionellen als Grund für lange Haftstrafen angeführt. Oft werden Menschen auch ohne Anklage und Prozess monatelang festgehalten.

Foto: ICPC
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Huang Jinqiu

ist angeblich staatsgefährdend. Der junge Schriftsteller hatte im Internet politische Essays veröffentlicht. Dafür wurde er 2003 festgenommen und muss bis 2016 im Gefängnis bleiben.

Foto: ICPC
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Liu Xiaobo

ist einer der prominentesten Inhaftierten Chinas. Seit 1989 ist er politisch aktiv. Er erlebte die Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens und setzt sich seitdem für Menschenrechte in China ein. Er ist einer der Mitinitiatoren der "Charta 08", in der Reformen und der Schutz von Menschenrechten gefordert wird. Dafür wurde er mehrfach inhaftiert - und zuletzt 2009 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. 2010 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Seine Frau, die für ihn den Preis entgegennehmen wollte, steht seitdem unter Hausarrest.

Foto: HO/ REUTERS
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Mao Hengfeng

wurde im Jahre 1988 in die Psychiatrie eingeliefert, weil sie ihr drittes Kind nicht abtreiben wollte. Das Kind kam behindert auf die Welt. In der Psychiatrie musste die schwangere Frau Medikamente nehmen. Seit dem setzt sie sich für die Rechte vor allem von Frauen in China ein. Derzeit ist sie zur "Umerziehung durch Arbeit" inhaftiert. In der Haft soll sie vor einigen Wochen eine Gehirnblutung erlitten haben.

Foto: Private
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Yang Chunlin

setzte sich für die Rechte von Enteigneten ein. In China werden Menschen für Großprojekte wie Kraftwerke oder Staudämme zwangsenteignet oder umgesiedelt. Yang Chunlin sitzt seit 2008 im Gefängnis. Er wurde zu fünf Jahren Haft und zwei Jahren "Entzug der politischen Rechte" verurteilt.

Foto: Private
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Tan Zuoren

hatte sich genau wie Ai Weiwei für die Opfer des Erdbebens 2008 eingesetzt. Weiwei wurde dafür von Unbekannten verprügelt, Tang Zuoren landete im Gefängnis. 2009 wurde der Schriftsteller aus Sichuan zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Foto: Private
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Dhondup Wangchen

wurde 2009 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Prozess wurde geheim gehalten. Der Dokumentarfilmer hatte einen Film über seine Heimat Tibet gedreht, in dem Tibeter über ihren Alltag reden.

Foto: Private
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?