Christliche Bands Jauchzet, froh rocket
Apokalypse possierlich: Was ist rund, puschelig und badet gerne im Sonnenuntergang? Das leibhaftige Böse! Jedenfalls, wenn man dem Cover von "Time's End" der christlichen Metal-Band Saint aus dem Jahr 1986 glauben darf. Für das christliche Hardrock-Magazin "HM" gehört die Platte mit den Kuscheldämonen auf dem Cover unter die 100 besten christlichen Metal-Alben aller Zeiten.
Splatter-Gottesdienst? Fünf junge, lächelnde Menschen, eine Blumenwiese und... eine Axt?! Das seltsam bedrohliche Cover von "Swing That Gospel Axe" der Gruppe "Butch Yelton and Upbound" wirkt, als hätte die Manson- gemeinsam mit der Kelly Family ein Album aufgenommen.
Cover aus der Unterwelt: In den vierziger Jahren beschlossen die Brüder Ira und Charlie Louvin, mit Hilfe der Country-Musik Menschen für den Glauben zu gewinnen. Und gewinnend sahen sie auch aus auf dem von Ira entworfenen Cover ihres Albums "Satan is Real" aus dem Jahr 1960 - mit strahlendem Lächeln und ausgebreiteten Armen vor einem, äh... Haufen glühender Kohlen, auf dem der Leibhaftige steht? Welcher Teufel die beiden da wohl geritten hat?
Sag niemals die: Was die christliche Rockband Petra mit dem Cover ihres Albums "Never Say Die" von 1981 wohl ausdrücken wollte? Vielleicht, dass sie sicher wie eine rote, gitarrenförmige Arche durch die Untiefen des oft so gottlosen Rock'n'Roll ziehen, während die Nussschalen der ungläubigen Konkurrenten in Flammen standen? Die zentrale Botschaft jedenfalls war wohl: Jetzt bloß nicht "die" sagen! Die Scherzkekse, die!
Modesünde: Countrymusiker Jerry Irby hatte offenbar nicht nur eine etwas exzentrische Vorliebe für psychedelisch karierte Jacketts, sondern auch ein kleines rosa Plastiktelefon, das ihn geradewegs mit Gott verband. Sollte der allerdings tatsächlich wirklich alles sehen können, wird Irby bei der "Hot Line to Heaven" wohl wieder nur in der Warteschleife gelandet sein.
Ein unmoralisches Angebot: "Jesus, benutz mich!", lautet die laszive Aufforderung der bowlingkugelartig frisierten Pop-Sirenen von den "Faith Tones" auf diesem Cover. Angesichts dieses Covers bleibt da nur die Frage: "What would Jesus do?"
Pilgerlauf: "Eines Sonntagmorgens kam Jesus in meinen Raum. Er weckte mich auf und sagte: 'Lass uns laufen gehen!'", sang Leslie Harris, begleitet von seiner Band "The House of Fire", in dem christlichen Soul-Song "Jogging For Jesus". Konsequenterweise war auch das Coverdesign der dazugehörigen Platte einfach zum Davonlaufen.
Fragen über Fragen: Mysteriös, mysteriös, dieses Cover des Albums "The Mystery Singer": Weder das genaue Erscheinungsjahr noch die Songs darauf sind bekannt. Und erst recht nicht, was zum Henker man sich bei dem Cover gedacht hat. Die Wege des Herrn sind eben unergründlich.
Ertüchtigung des Leibes Jesu Christi: "Vier, drei, zwei, bringt die Hände zusammen! Handflächen ganz aufeinander, drei, zwei, eins, Kopf nach unten und preiset den Herrn! Bauch anspannen!" Ob man sich wohl so "Praise-R-Cise", die christliche Alternative zur profanen Aerobic, vorzustellen hat? Diese Platte lieferte jedenfalls die passende musikalische Untermalung dazu.
Kopfmenschen: "The Addicts Sing" hieß es 1965, als neun ehemalige Drogenabhängige ihre Religiosität auf eine Langspielplatte pressten. in den beiden vorangegangenen Jahren waren sie bereits durch Amerika getourt - mit Liedern und Erzählungen aus dem Junkie-Leben, das sie hinter sich gelassen hatten. Das Cover des Albums jedoch, auf dem ihre Köpfe durch die Luft über New York schwebten, sah seltsam psychedelisch aus. Noch eigenartiger war jedoch die Rückseite der Hülle, die...
...eine große Abbildung enthielt, die wie eine visuelle Anleitung zum Fixen wirkte. Der Plattenlabel-Werbespruch "Der beste Name in Sachen sakraler Musik" wirkte daneben seltsam deplatziert.
Zum Teufel mit dem Artwork: Mit dem Album "To Hell with the Devil" schaffte die christliche Heavy-Metal-Band Stryper 1986 als erste christliche Rockband den kommerziellen Durchbruch im Mainstream. Mit ihrem Cover bewies die Band gesundes Selbstbewusstsein: Es zeigte die Musiker mit Engelsflügeln, die die schwarze Gitarre des Teufels zerbrachen und ihn in Ketten legten. Nicht jeder war von diesem Sendungsbewusstsein begeistert: Das Cover-Artwork des Albums wurde nach kurzer Zeit durch einen einfachen, schwarzen Umschlag mit dem Bandlogo ersetzt.
Göttliche Stilberatung? Für die Rockabilly-Musikerin Isabel Baker stand, so deutet dieses Cover von 1965 an, eines fest: Gott ist nicht nur unfehlbar und unergründlich - sondern auch unglaublich stylish. Schließlich schuf er nicht nur die Bienen und Bäume, Menschen und Marder, sondern auch neonfarbene Kunstledersofas, Vokuhilas, Miami Vice - und dieses zeitlos elegante Plattencover. Gegen so viel Style sieht selbst Isabel ganz schön blass aus.
Sch(w)eißidee: Dass man vom Tanzen ganz schön ins Schwitzen kommt, ist nichts Neues. Wenn einem der Schweiß jedoch - wie diesem Herrn - schon in Wasserfällen aus den Poren schießt und man bis zur Hüfte im eigenen Saft steht, wird es bedenklich. Aber darin dann noch getauft werden? Der Coverdesigner des christlichen Reggae-Samplers "Dancehall Baptism" zumindest schien es für eine gute Idee zu halten.
Fersengeld für den Herrn: Ah, da kommt Jesus! Oh, und da kommt eine Horde schreiender Frauen mit geblümten Röcken und Gitarren, die hinter ihm herwetzt. Kein Wunder, dass der so rennt.
Vier touchy Pfarrer: Wohin gucken die Herren des Ministers Quartet da so sehnsuchtsvoll? Und vor allem - wer ist dieser "er", der offenbar außerhalb des Bildes steht, aber erst angefasst werden darf, wenn das Cover-Shooting vorbei ist.
Vokuhilalala! Die christliche Band "Family Force 5" aus Atlanta, Georgia, feiert neben dem Herrn und einer bizarren Mischung aus Blues, elektrischen Beats und geschrienen Vocals vor allem den Lebensstil des amerikanischen Südens: In Südstaaten-Farben lackierte Autos, Goldzähne, Feinrippunterhemden und - natürlich - Vokuhilas! Selbst der Albumtitel "Business up Front / Party in the Back" ist eine Huldigung an die Kickermatte.
Balken im Auge: Eigentlich sollte die christliche Punkband Lust Control, als sie 1988 gegründet wurde, Talking Ass heißen. Obwohl "sprechender Arsch" kein ungewöhnlicher Titel für eine Punk-Combo gewesen wäre, war mit "ass" "esel" gemeint - in Anspielung auf die Bibelgeschichte um den sprechenden Esel des Propheten Balaam.
Nach einem Blick auf das Cover ihres Albums aus dem Jahr 1994 schien sowohl Esel als auch Arsch ein passender Name für die Band, die hier ihre konservativste Seite zeigte: Sie beschimpften darauf Feministinnen und Abtreibungsgegnerinnen als "Feminazis".
Ins Schwitzen gekommen: Die Zeitschrift "Christianity Today" bezeichnete Larry Norman im Juni 2005 als "Vater der christlichen Rockmusik". Und tatsächlich war sein Album "Upon This Rock" von 1969 eines der frühesten Beispiele für die Vermischung von Rock und Religion. Nur warum zum Teufel war darauf Norman nackt zu sehen - dem scheinbar Dampfwolken unter den Achselhöhlen hervorschossen?
Du sollst Dir kein Bildnis machen: "Boah, ist die Scheibe laut! Extrem laut! Und mit Gitarren! Wie, da ist ja gar kein Bild drauf? Scheißegal, spiel das Ding einfach ab!"
Die Message hinter dem Cover der "Extremely Loud Guitar Disc" von 1994 war so einfach wie direkt. Hinter der Lautmalerei verbarg sich ein Sampler mit christlichen Hardrock- und Metal-Bands wie "X-Sinner" und "Holy Soldier".
Glaubensströmung: Australier machen keinen Metal, die surfen und kiffen nur? Und bestenfalls schraddeln sie Hard Rock. Falsch! Die australische Metal-Band Mortification etwa veröffentlicht seit 1990 extrem harten Thrash-Metal auf Alben wie "Triumph of Mercy" von 1998, auf dessen Cover ein sichtlich bekiffter junger Herr auf einer Traumwelle aus der Hand Gottes zu reiten scheint.
Dicke Luft im Gotteshaus: Feingemacht, Kind geschnappt, Gasmaske auf und ab in die Kirche - so scheint ein Sonntag bei der christlichen Hardcore-Band No Innocent Victim diesem Cover nach auszusehen. 1998 veröffentlichten sie gemeinsam mit der unbekannteren Hardcore-Band Phanatik aus New Jersey diese nur vier Songs kurze EP.
Rocken für die Religion: Neben Larry Norman ist Mylon LeFevre einer der größten Pioniere der christlichen Rockmusik. Sein Album "Mylon, We Believe" von 1969 gilt als eines der ersten "Jesus Rock"-Alben. Das Cover seines Albums "Weak at the Knees" von 1977 hingegen sah eher aus wie von allen heiligen Geistern verlassen: Hatte LeFevre sich sein Oberteil aus einer im örtlichen Gemeindezentrum geklauten Tischdecke genäht?
"Weniger ist mehr!", dachte sich der Gestalter dieser Plattenhülle eines christlichen Samplers wohl. Aber egal, der Inhalt ist, was zählt - und das war laut Titel "Generic Christian Music" - also etwa "Normale christliche Musik". Gut, dass das Coverdesign nicht auch normal für die christliche Musik war.
Weihrauch: Zum Glauben fand der amerikanische Plattenproduzent und Songschreiber Gary S. Paxton nach eigenen Angaben, als er 1971 vollkommen stoned in eine Kirche eintrat. Schaut man sich seine Album "Terminally Weird / But Godly Right" von 1978 so an, stellt sich da unweigerlich die Frage, was sein Coverdesigner so geraucht hatte.