Christoph Soeder: Forgetting Forgetfulness - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Musiktherapie bei Demenz Wenn die Erinnerung zurückkommt

Auch wenn Demenz nicht heilbar ist, kann Musik Betroffenen helfen, sich zu erinnern. Der Fotograf Christoph Soeder hält bewegende Momente fest, in denen Menschen singen wie früher.
1 / 12

Ein erstaunliches Phänomen: Auch wenn bei Menschen, die an Demenz erkrankt sind, vieles in Vergessenheit gerät - an Musikstücke aus ihrer Kindheit und Jugend können sich viele noch erinnern. Der Fotograf Christoph Soeder hat die Musiktherapeuten Julia Pohl und Michael Bäßler bei ihrer Arbeit begleitet.

Foto: Christoph Soeder
2 / 12

Zeitlebens hat Herr Hohm, der früher als Postbeamter arbeitete, viel gesungen und tut es heute mit großer Leidenschaft jede Woche zusammen mit seiner Musiktherapeutin. Besonders liebt er die Lieder der Comedian Harmonists.

Foto: Christoph Soeder
3 / 12

Die Stuttgarterin Frau Blank kompensiert bei der Musiktherapie sprachliche Probleme mit begeistertem Trommelspiel. Hat sie einmal damit angefangen, will sie gar nicht mehr damit aufhören. Musik hat die 97-Jährige ihr Leben lang begleitet - auf Dorffesten und zu Hause, wo sie viel und gerne Musik hörte.

Foto: Christoph Soeder
4 / 12

Seit 2015 wohnt Frau Dieck in einer Berliner Demenz-Wohngemeinschaft. Regelmäßig macht Pohl gemeinsam mit ihr Musik. Dabei sitzt sie der alten Dame direkt gegenüber und stimmt Lieder an. Soeder nahm während der Musikstunde neben den Musiktherapeuten Platz und fotografierte. Mit Hilfe eines Spiegels hinter den Betroffenen brachte er auch Bäßler und Pohl mit ins Bild.

Foto: Christoph Soeder
5 / 12

Als Schauspielerin hat die heute 92-jährige Frau Witte früher für Funk und Fernsehen gearbeitet und machte mit Mitte 50 noch eine Ausbildung zur Musiktherapeutin. Jede Woche ist sie voller Freude über den Besuch von Pohl, da sie sonst in ihrer Wohngemeinschaft meist nur wenig tut.

Foto: Christoph Soeder
6 / 12

Zum Krankheitsbild der Demenz gehört auch der Verlust der Fähigkeit, sich selbst zu beschäftigen. Beim Musizieren verliert Witte ihre Traurigkeit und singt Lieder sogar in mehreren Sprachen.

Foto: Christoph Soeder
7 / 12

Wegen der Demenz zieht sich die 1921 geborene Frau Göller oft in Schweigsamkeit zurück, da es ihr schwerfällt, viele Eindrücke auf einmal zu verarbeiten. In der Musiktherapie jedoch singt sie noch sechs Strophen des Liedes "Auf du junger Wandersmann".

Foto: Christoph Soeder
8 / 12

Beim Musizieren mit Pohl singt Herr Swiniarek meist nur zögerlich mit, jedoch zeichnen sich auf seinem Gesicht die erlebten Emotionen deutlich ab. Besonders liebt er Johnny Cash, den er früher einmal bei einem Konzert gesehen hat.

Foto: Christoph Soeder
9 / 12

Bei der Musiktherapie erfindet Frau Davy, Jahrgang 1928, aus dem Stehgreif kleine Sprechgesänge. Sie scheint dabei viel Freude zu empfinden, sagt Soeder.

Foto: Christoph Soeder
10 / 12

Früher arbeitete Frau Richter, Jahrgang 1931, als Verlagsbuchhändlerin, sie beschreibt sich heute noch als Bücherwurm. Betroffen von einer Form von vaskulärer Demenz, bei der ihre motorischen Fähigkeiten verloren gehen, sieht Richter die Musik als einen Schatz an, vor dessen Verlust sie sich fürchtet. Beim Musizieren bewegt sie sich viel und tanzt sitzend zu der Musik.

Foto: Christoph Soeder
11 / 12

Als Frau eines Pfarrers war die 1925 geborene Frau Dierlamm vor allem in der Kirche von Musik umgeben, sang aber auch viel mit ihren Kindern. An die Lieder kann sie sich heute besonders gut erinnern, oft fallen ihr dann auch Sätze aus dieser Zeit ein.

Foto: Christoph Soeder
12 / 12

Die positive Wirkung der Musik hält manchmal auch über die Musikstunde hinaus an - doch ein Fortschreiten der Erkrankung kann sie nicht aufhalten.

Foto: Christoph Soeder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?