CSD in Pirna Angst vor der Party
In diesem Jahr findet der Christopher Street Day (CSD) in Pirna zum achten Mal statt. Vorab ist Organisator Christian Hesse nervös. Schon mehrfach wurde er in der Nacht vor dem Fest angegriffen. Auch auf dem Festgelände hatten in der Vergangenheit Unbekannte gewütet.
Eine Zeit lang bewarben die Veranstalter die Veranstaltung als "Kleinsten CSD in Deutschland", aber letztes Jahr kamen mehr als 2000 Besucher nach Pirna und seitdem stimmt das nicht mehr. In diesem Jahr soll ein Sicherheitsdienst das Festgelände in der Nacht vor der Feier schützen.
Zwei Männer vom Sicherheitsdienst halten Nachtwache. Hesse hätte gern mehr Personal engagiert. Aber das kann er sich nicht leisten. Er organisiert den CSD ehrenamtlich.
Pirna liegt nicht weit von der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Mit der S-Bahn dauert die Fahrt nur etwa 20 Minuten. Das Stadtbild ist von Altbauten geprägt.
Vor dem Rathaus hängen vier Flaggen: Die Flagge der Stadt, zwei Regenbogenflaggen und eine Transflagge. Sie ist blau und rosa. "Die erste Stadt in Sachsen, in der eine Transflagge am Rathaus hängen darf", sagt Hesse.
Bei den letzten Regionalwahlen wurde die AfD in Pirna stärkste Kraft. Mitglieder der LGBT-Community in Sachsen fühlen sich von der Partei bedroht. Die Methode der AfD sei es, die Förderung von LGBT-Projekten mit ideologischer Indoktrinierung gleichzusetzen, sagt Martin Wunderlich von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) "Queeres Sachsen".
Der CSD findet hauptsächlich auf dem Marktplatz von Pirna statt. Im vergangenen Jahr stürmte eine Gruppe Jugendlicher den Platz in der Nacht vor der Feier. Sie hinterließen Flyer mit Aufdrucken wie "Fuck Homos" und "Verschwindet aus Pirna". Die zwei Sicherheitsleute konnten damals nichts gegen die Gruppe ausrichten.
Hesse macht dennoch weiter. Auch in diesem Jahr hat er sich gekümmert - um die Helfer, die Deko, das Programm. Mit dem CSD will er besonders jungen Mitgliedern der LGBT-Community einen Raum geben, in dem sie sich wohlfühlen.