Claqueur-Verleih: Rent a Demonstrant - DER SPIEGEL
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Claqueur-Verleih Rent a Demonstrant

Ein wenig Plakate schwenken und Parolen absingen, als bezahlter Jubler oder zorniger Protestler - für Studenten ein artgerechter Job. Ein Internetportal hat jetzt Miet-Demonstranten für pauschal 145 Euro im Sortiment. Eine PR-Luftnummer: Die Nachfrage geht gegen Null.
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SPIEGEL-ONLINE-Autor Christian Fuchs: Im Selbstversuch pries er sich als fachkundiger Demonstrant an ("sportlich, kreativ bei der Umsetzung, z.B. Parolen") - ein echtes Demo-Angebot blieb jedoch aus. Ähnlich ging es vielen anderen Studenten, die auf einen Job als Miet-Demonstrant bei der Internet-Plattform Erento hofften. Mehr...

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Kulturwissenschafts-Studentin Ira Schiwek: Sie fand sich als Demonstrantin zum Mieten bei Erento, sagt aber, sie habe sich niemals dort eingetragen - "entwürdigend", denn ihre Meinung sei nicht käuflich.

Foto: Sebastian Heise/www.batah.de
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Das Vorbild für Erento: Im Dezember standen Studenten drei Stunden lang als "lebende Garderobenständer" in weißen Arztkitteln vor dem Bundestag. Für den Protest gegen die Gesundheitsreform hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung sie angeheuert. "Total normal", so KBV-Sprecher Roland Stahl: "Das war keine Demonstration, sondern eine reine PR-Aktion."

Foto: REUTERS
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Miet-Demonstrant Michael Jung: "Sich über Studiengebühren aufregen kann jeder - das Geld dafür zu verdienen, ist was anderes", sagt der 27-jährige Student aus Düsseldorf.

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Demo-Inszenierung: In der Frankfurter Innenstadt skandierten 20 angebliche Demonstranten vor drei Jahren für einen Druckhersteller den Werbeslogan "Einer für Farbe, Farbe für alle".

Foto: Guido Stamm
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Bezahlte Jubler: Die Uni Wuppertal heuerte im September 2006 Studenten zur Pseudo-Demo für den Tag der Forschung an. 7,50 Euro Stundenlohn gab's für den Einsatz. Wie ein Schatten folgten dahinter echte Demonstranten mit einem Protest gegen Studiengebühren.

Foto: Uni Wuppertal
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Der Barde Reinhard Mey hatte die Idee viel früher und dichtete in seiner "Ballade vom sozialen Aufstieg"  über den Fleischermeister Fred Kasulzke, der eine Firma für Miet-Demos gründet: "Nach seiner Erfolgsidee befragt / hat ein Nachrichtenmagazin ein Gespräch mit ihm gebracht / in dem er etwa folgendes sagt: / Für die Meinung Freizeit opfern will doch heute kein Mensch mehr / gar bei Regen demonstrieren? Mann wo, kommen Sie denn her!"

Foto: DDP
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Internet-Mietplattform Erento: Das Auktionshaus eBay ist das große Vorbild, bis zum Slogan ("Eins, zwei, leih"). Die Holtzbrinck Ventures GmbH, die zuvor StudiVZ kaufte, hat Anfang Januar für einen "niedrigen einstelligen Millionen-Betrag" Anteile von Erento übernommen.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?