Rechner im Wandel der Zeit Vom Kriegshelfer zum Diskotheken-Hocker
Der Colossus gilt als erster programmierbarer elektronischer Digitalcomputer der Welt. Er wurde 1943 während des Zweiten Weltkriegs vom englischen Ingenieur Tommy Flowers entwickelt. Der sollte im Auftrag der Briten eine Maschine entwickeln, die die Lorenz-Schlüsselmaschine der deutschen Armee entschlüsseln konnte - und somit die Kommunikation des Kriegsfeindes. Die Rechengeschwindigkeit des Colusssus: 5000 Operationen pro Sekunde.
Der CDC 1604 des US-Unternehmens Control Data Corporation kam 1960 auf den Markt und hatte eine Leistung von etwa 300.000 Gleitkommaoperationen pro Sekunde, FLOPS abgekürzt. Seine zuverlässige Arbeitsweise machte ihn zum Verkaufserfolg. Ein Nachfolger, der CDC 6600, galt bei seiner Markeinführung 1965 sogar als schnellster Computer der Welt: Er arbeitete rund dreimal so schnell wie der vorherige weltweit leistungsstärkste Computer, der IBM 7030 Stretch. Der CDC 6600 hatte eine Rechengeschwindigkeit von drei Millionen FLOPS.
Der dritte Supercomputer aus dem Hause Cray konnte nicht nur rechnen, sondern hätte auch locker als Inneneinrichtung für eine Diskothek herhalten können. Auf anderen Modellen des Herstellers konnte man bequem Platz nehmen: Sie dienten als Sitzgelegenheit, in leuchtenden Farben. Der Cray-2 im Bild löste den Cray X-MP als Spitzenreiter unter den Großrechnern ab: Von 1985 bis 1990 war die futuristisch designte Rechenmaschine der schnellste Computer der Welt. Rechengeschwindigkeit: 3,9 Millionen FLOPS.
Der damalige Direktor des National Supercomputing Research Center of Singapore, William Hale, zeigt in einem Archivfoto den Cray T94. Er stammt aus der Cray-T90-Serie, die ab 1995 ausgeliefert wurde. Der T94 hat zwischen acht und 16 Prozessoren, während sein großer Bruder, der T932, bis zu 32 Prozessoren hat. In der großen Version war der Cray nicht gerade ein Schnäppchen: Er kostete rund 35 Millionen Dollar.
Der Apple I gehört zu den ersten Computern, die der heutige Weltkonzern Apple 1977 verkaufte, damals für 666 Dollar.
Erst "Load", dann "Run": So startete man Programme auf dem heute legendären Commodore 64. Er eröffnete den Kindern der Achtzigerjahre eine neue Spielewelt - wenn die Eltern die 1495 Mark Kaufpreis lockermachen konnten. So viel kostete der C64 nämlich bei Verkaufsstart in Deutschland 1983.
Stolze 3250 Quadratmeter nahm der Earth Simulator des Elektronikkonzerns NEC ein. In Yokohama war eigens ein neues Gebäude errichtet worden, das groß genug war, den Riesenrechner zu beherbergen. Seine Aufgabe war es, ein umfangreiches Datenmodell des Weltklimas zu berechnen, etwa um die Folgen der globalen Erwärmung vorhersagen zu können. Das erforderte enorme Leistung: Von 2002 bis 2004 war der Earth Simulator der schnellste Supercomputer der Welt. Rechengeschwindigkeit: 35.860.000.000.000 FLOPS
Der Roadrunner war 2008 der ganze Stolz von IBM: Damals gab die Firma bekannt, dass der Rechner als erster Computer der Welt mehr als eine Billiarde Operationen in der Sekunde geschafft und damit die PetaFLOPS-Grenze gesprengt hatte.
Doch in der Welt der Computer hielt der Rekord des IBM-Roadrunners nicht lange. Schon ein Jahr später, im November 2009, wurde der 133 Millionen Dollar teure Riesenrechner von seinem Spitzenplatz als schnellster Computer der Welt verdrängt - von einem Großrechner namens Jaguar. Rechengeschwindigkeit: 1.105.000.000.000.000 FLOPS
2013 war der Titel des schnellsten Supercomputers der Welt schon längst weitergegangen ans amerikanische Oak Ridge National Laboratory bei Knoxville. Der dortige Titancomputer enthielt zahlreiche Bauteile seines Vorgängermodells, des Großrechners Jaguar, war aber noch mal deutlich schneller. Der Titan belegte Ende 2015 immer noch einen Spitzenplatz unter den Supercomputern. Rechengeschwindigkeit: 17.590.000.000.000.000 FLOPS.
iPhone, MacBook Air und iPad 2 in einer Ladenauslage: Die Rechenleistung von Technik hat sich so rasant entwickelt, dass das abgebildete iPad 2 1994 noch zu den schnellsten Computern der Welt gezählt hätte.
Drei Jahre lang war der Tianhe-2 vom National Super Computer Center im chinesischen Guangzhou der schnellste Rechner der Welt.
2018 aber haben sich die Amerikaner den Spitzenplatz zurückgeholt. Summit heißt der neue Rekordrechner, auch er steht am Oak Ridge National Laboratory.122,3 Petaflops schafft er.