Katastrophe in Italien Das Beben von L'Aquila
Nach dem Erdbeben: Zerstörtes Gebäude in Onna bei L'Aquila. Bei dem Beben vom 6. April 2009 starben 309 Menschen, mehr als tausend wurden verletzt.
Nun hat ein italienisches Gericht langjährige Haftstrafen gegen sieben Experten verhängt.
Sie hätten das Erdbebenrisiko verharmlost, behauptete die Staatsanwaltschaft. Weltweit protestierten Wissenschaftler gegen das Urteil.
Italiens Chefexperte für die Bewältigung von Naturkatastrophen, Luciano Maiani, trat am Dienstag von seinem Posten zurück. "Ich sehe nicht die Bedingungen, um in Frieden zu arbeiten", sagte er.
Tausende Menschen wurden bei dem Beben verletzt. Zehntausende Einwohner konnten nicht mehr in ihre zerstörten Häuser zurück.
Das Beben war eine der schlimmsten Naturkatastrophen Italiens.
Mauro Dolce, einer der angeklagten Experten, war als Direktor des Amtes für Sicherheit für den Schutz vor Erdbeben verantwortlich.
Bernardo De Bernardinis, ein ehemaliger Vertreter des Katastrophenschutzes sagte, er halte sich selbst "vor Gott und den Menschen" für unschuldig.
Richter Marco Billi verurteilte die sechs Wissenschaftler und einen Behördenvertreter am Montag zu Gefängnisstrafen von jeweils sechs Jahren. Alle Angeklagten waren Mitglieder der sogenannten Risikokommission.
Die zerstörte Santa-Maria-Paganica-Kirche in L'Aquila.
In den Wochen vor dem Beben hatte es viele leichte Erschütterungen gegeben, weshalb die Kommission sechs Tage vor dem Beben getagt hatte.
Die Experten hatten erklärt, es bestehe kein erhöhtes Erdbebenrisiko.
Auf Gefahrenkarten hatten andere Wissenschaftler die Region als stark erdbebengefährdet eingestuft.
Das Urteil in erster Instanz fällte das Gericht von L'Aquila am Montag nach einem mehr als ein Jahr andauernden Verfahren.
Viele Gebäude waren nicht erdbebensicher gebaut. Das erstaunliche Urteil ist noch nicht rechtskräftig.