Das Massaker von My Lai - DER SPIEGEL
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Das Massaker von My Lai "Endlich tun, wofür wir hier sind"

Mit beispielloser Kaltblütigkeit rückten amerikanische Soldaten am 16. März 1968 ins vietnamesische Dorf My Lai ein: Binnen weniger Stunden töteten sie Hunderte Zivilisten. An die Truppe war am Vortag ein unglaublicher Befehl gegangen.
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Todgeweiht: Diese Aufnahme des Armeefotografen Ronald Haeberle vom 16. März 1968 zeigt von amerikanischen GI zusammengetriebene, angsterfüllte Bewohner des vietnamesischen Dorfes My Lai. Kurz darauf wurden die wehrlosen Frauen und Kinder von den Soldaten erschossen.

Foto: Department of Defense
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Überlebende: Eine junge Südvietnamesin hält sich beim Anblick eines Massengrabes der Opfer eines von den Vietcong verübten Massakers in der Nähe von Dien Bai (Vietnam) die Hand vor den Mund. Unter den Opfern der Tet-Offensive waren vermutlich ihr Ehemann, Vater und Bruder. Die Kriegsverbrechen der Vietcong, die allein im eroberten Hue systematisch mehr als 5000 Zivilisten anhand schwarzer Listen liquidierten, gerieten nie wirklich in das Bewusstsein der internationalen Öffentlichkeit - im Gegensatz zu amerikanischen Gewaltexzessen wie dem Massaker von My Lai.

Foto: AP
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Landung im hohen Gras: Amerikanische Soldaten werden von einem Helikopter 1968 irgendwo in Vietnam abgesetzt. Der Vietnamkrieg war der erste Krieg, der auch vor den Augen einer breiten Öffentlichkeit stattfand. Die Medien berichteten noch unzensiert über die grausamen Kämpfe und Massaker.

Foto: Getty Images
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GI in My Lai: Ein amerikanischer Soldat beim Niederbrennen des Dorfes My Lai, dessen Bewohner - Männer, Frauen, Kinder, Greise - am 16. März 1968 von einem Zug der "Charlie"-Kompanie unterschiedlos erschossen wurden, zwischen 347 und 504 Menschen insgesamt. My Lai gilt bis heute als das wohl fürchterlichste Kriegsverbrechen der Amerikaner in Vietnam.

Foto: Department of Defense
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Ein vietnamesische Zivilistin mit einem Gewehrlauf am Kopf. Insbesondere in den Jahren 1967 bis 1971 gab es zahlreiche Massaker, die von einer systematischen Ausweitung der Kampfzone auf die Zivilbevölkerung sprechen lassen.

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Opfer von My Lai: Das Massaker von My Lai, bei dem ein US-Kommando wehrlose Zivilisten ermordete, wurde von dem Armee-Fotografen Ronald Haeberle dokumentiert. Der Öffentlichkeit bekannt wurde das Verbrechen durch Recherchen des Journalisten Seymour Hersh, die aber erst eineinhalb Jahre später veröffentlicht wurden - die meisten Verlage wollten sein Manuskript nicht drucken.

Foto: Department of Defense
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Keine Gnade: Der US-General William C. Westmoreland sitzt während einer Inspektion des Mekong-Delta-Stützpunkts der 9. Infanteriedivision in einem Jeep. Hinter ihm sitzt der Artillerie-Kommandeur des Stützpunkts Colonel James W. Phillips. Im Februar 1968 hatte Westmoreland seinen Truppen beispiellose Handlungsfreiheit gegeben, indem er die Schutzbestimmungen für Zivilisten vorübergehend außer Kraft setzte.

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Oberster Kriegsherr: Richard Nixon, amerikanischer Präsident von 1969 bis 1974, berichtet in einer Fernsehsendung seinen Landsleuten über den Vietnamkrieg. Er hatte den Krieg von seinem Vorgänger Lyndon B. Johnson "geerbt" und versuchte, mit zahlreichen Bombardements die Bevölkerung in Vietnam zu zermürben.

Noch wärend der Prozesse wegen des Massakers von My Lai, in denen schließlich William Calley zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, verfügte Nixon, das Calley die Zeit bis zum Abschluss des Revisionsverfahrens in Hausarrest verbringen konnte. Zudem kündigte Nixon an, er werde sich persönlich des Falles annehmen und in letzter Instanz darüber entscheiden. Nach 44 Monaten Hausarrest gab ein Armeerichter Calleys Gnadengesuch statt und er wurde freigesprochen.

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Durch den Dschungel: US-Marines patroullieren im November 1968 durch den vietnamesischen Dschungel. Die meisten der amerikanischen Soldaten in diesem Krieg waren noch sehr jung, die Truppen hatten hohe Verluste erlitten und keine erkennbaren Erfolge erzielt. Sie wollten es dem Vietcong heimzahlen und Rache nehmen an allen, die sie für die Toten durch Hinterhalte verantwortlich machten.

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Kriegsgefangener: Ein junges vietnamesisches Mädchen führt mit vorgehaltenem Gewehr den gefangenen amerikanischen Soldaten Gerald Santo Venanzi ab. Das Flugzeug, in dem er als Co-Pilot saß, wurde am 17. September 1967 über Nordvietnam abgeschossen.

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Gealterte Gesichter: Soldaten der 173. Airborne Brigade, die gerade von Helikoptern mit Wasser und Munition versorgt wurden, machen sich wieder auf den Weg zu einer "Search and Destroy"-Patrouille in der Dschungel in der vietnamesischen Provinz Phuc Tuy im Juni 1966. Im Vietnamkrieg kämpften auf der amerikanischen Seite sehr viele noch sehr junge Soldaten, das Durchschnittsalter lag bei gerade einmal 20 Jahren.

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Marsch durch Vietnam: Amerikanische Soldaten ziehen im Mai 1965 zu ihrem nächsten Stützpunkt in der Nähe der südvietnamesischen Stadt Bien Hoa. Die US-Truppen erlitten während des Vietnamkrieges hohe Verluste, insbesondere durch Minen und Sprengfallen des Vietcong.

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Durch den Fluss: US-Marines der 1. Division beim Überqueren des vietnamesischen Vu Gia Flusses im Juni 1969. Die Truppen mussten ständig mit Hinterhalten und Sprengfallen des Vietcong rechnen. Die Guerilla waren zwar in der Unterzahl, kannten sich aber weit besser in dem unwegsamen Gebiet aus.

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Auf der Suche nach dem Feind: US-Soldaten und südvietnamesische Kräfte stehen während des Vietnamkriegs an einem Panzer. Zum Zeitpunkt der Aufnahme - etwa 1970 - war die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung bereits seit längerem gekippt. Selbst viele anfängliche Befürworter des Krieges wollten die Soldaten aus Vietnam abziehen. Nicht zuletzt lag das auch an der ausführlichen Berichterstattung in den Medien. Die Fernsehzuschauer konnten die Grausamkeiten und Kämpfe direkt im heimischen Wohnzimmer miterleben.

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Reis und Blut: US-Soldaten führen 1968 gefangene Vietcong-Kämpfer durch ein Reisfeld zu ihrem Stützpunkt. Die blutigen Kämpfe in Vietnam endeten erst im April 1975 - zehn Jahre nach den ersten amerikanischen Bomben auf das südostasiatische Land.

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Rückkehr nach Hue: Amerikanische Soldaten und vietnamesische Flüchtlinge kehren im März 1968 in die Stadt Hue zurück, die - nachdem sie drei Wochen in der Hand des Vietcong war - von den US-Truppen zurückerobert wurde.

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Kriegsgefangene: Amerikanische Soldaten bewachen 1967 gefangene Vietcong-Kämpfer

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Nach dem Kampf: Amerikanische Helikopter setzen zur Landung an, um einige US-Soldaten einzusammeln, die nach einem Kampf zurück zu ihrem Stützpunkt in Tay Ninh gebracht werden sollen. Nach Armeeangaben starben 58.156 amerikanische Soldaten oder gelten als vermisst. Auf vietnamesischer Seite starben etwa eine Million vietnamesische Kämpfer und vier Millionen Zivilisten.

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Ein schwerer Gang: Oberleutnant William L. Calley am 14. November 1969 in Fort Benning auf dem Weg zu einer Untersuchung. Das Kriegsgericht hatte nur William L. Calley, den zuständigen Einsatzleiter, für das Massaker in My Lai verantwortlich gemacht. Am 16. März 1968 hatten in dem zentralvietnamesischen Dorf Einheiten der 11. US-Brigade unbewaffnete Bauern, Frauen und Kinder niedergemetzelt.

Foto: dpa
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Patrouille in Hue: Amerikanische Marines patroullieren am 24. Februar 1968 in den Straßen von Hue. Die Stadt in Mittelvietnam war während der Tet-Offensive Anfang 1968 für drei Wochen in der Hand des Vietcong gewesen. Am 24. Februar wurde sie von den amerikanischen Streitkräften für zurückerobert erklärt.

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Bernd Greiner: "Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam". Hamburger Edition, Hamburg; 595 Seiten; 35 Euro.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?