Von Mark Zuckerberg bis Rupert Stadler Das sind die Verlierer 2018
Facebooks Weihnachtsfeier war ein zweitägiges Spektakel in San Francisco. Tausende amüsierten sich zwischen Eisbären aus Eis, auch das Management mischte sich unters Volk - bis auf Co-Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg. Für den gibt es ohnehin wenig zu feiern: 2018 war ein Skandaljahr für Facebook - und das Jahr, in dem Zuckerberg nicht nur geschätzte 15 Milliarden Dollar Vermögen verlor, sondern auch sein Wunderkind-Image. Unter Zuckerbergs Führung büßte Facebook 20 Prozent seines Aktienwerts ein, verleumdete Kritiker und schien hilflos gegen Fake News. Hinzu kamen immer neue Enthüllungen, wie weit sich Facebook für die Wahleinmischung durch Russland einspannen ließ. Zuckerberg wälzte die Schuld auf Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ab, verlor aber immer mehr Glaubwürdigkeit. Nur im Silicon Valley bleibt sein Status bisher unangefochten.
Elon Musk kämpft an vielen Fronten. 2018 hatte der Tesla-Chef vor allem Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC. Nachdem Musk im August getwittert hatte, den E-Auto-Hersteller Tesla von der Börse zu nehmen, und kurze Zeit später zurückruderte, ermittelte die Behörde. Später einigten sich Musk und die SEC auf einen Vergleich: Er muss für drei Jahre den Verwaltungsratsvorsitz des Unternehmens abgeben. Doch Musk wäre nicht Musk, wenn er damit Ruhe geben würde. Kürzlich provozierte er erneut: "Ich respektiere die SEC nicht", tönte der 47-Jährige. Seine negative Seite zeigte Musk auch, als er einen Rettungstaucher der thailändischen "Höhlenkinder" mehrmals schwer beleidigte. Doch es lief nicht alles schlecht für den Multiunternehmer: Immerhin konnte Tesla nach zwei Jahren wieder einen Gewinn verbuchen. Und vielleicht ist ja auch bald Schluss mit Musks Eskapaden: In sieben Jahren will er auf den Mars umziehen.
"Warum sollten sich unsere Mitarbeiter für Gewerkschaften interessieren?", fragte Michael O'Leary, als er noch ein Gewinner war. Damals, vor drei Jahren, wagte bei Ryanair noch niemand zu streiken - und Vorstandschef O'Leary war überzeugt, er könne die Gewerkschaften für immer heraushalten aus seiner Airline. Doch 2018 kam es anders. Nie zuvor hat Ryanair so eine Welle von Streiks erlebt wie in diesem Sommer. Ob Piloten oder Flugbegleiter, ob in Deutschland, den Niederlanden, Italien, Spanien oder Portugal - ein ums andere Mal traten sie bei Ryanair in den Ausstand: gegen miese Bezahlung und prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Streikwelle hat die Ryanair-Eigner viel Geld gekostet. Das Unternehmen musste die erste Gewinnwarnung seit fünf Jahren ausgeben, an der Börse hat es 2018 rund ein Viertel seines Wertes verloren. Und was für O'Leary vielleicht am schlimmsten ist: Er musste mit den Gewerkschaften verhandeln und Zugeständnisse machen.
Die Karriere von Carlos Ghosn endete am 19. November 2018. Seitdem sitzt der Manager, der mit dem Dreierbündnis Renault, Nissan, Mitsubishi einen der mächtigsten Autokonzerne der Welt schuf, in Japan im Gefängnis. Er verlor seine Posten als Verwaltungsratschef von Nissan und Mitsubishi, und auch bei Renault soll man sich bereits nach einem Nachfolger umsehen. Noch gibt der Fall jedoch Rätsel auf. Ghosn soll mit den Angaben zu seinem Gehalt gegen Transparenzpflichten verstoßen haben, was in Japan als schwere Straftat gilt. Außerdem habe er Firmenwohnungen genutzt und Privatreisen abgerechnet. Es gibt aber auch Beobachter, die den spektakulären Sturz des Kultmanagers auf einen Machtkampf innerhalb des Konzerns zurückführen. Dabei soll er einer Intrige von Nissans Konzernchef Hiroto Saikawa zum Opfer gefallen sein.
Meng Wanzhou, Jahrgang 1972, wurde kurz vor Jahresende zum Faustpfand Donald Trumps im Handelskonflikt mit China degradiert. Am 1. Dezember nahmen kanadische Sicherheitskräfte die Finanzchefin des chinesischen Tech-Konzerns Huawei auf Betreiben von US-Behörden fest. Meng, laut US-Zeitschrift "Forbes" eine der zehn besten Geschäftsfrauen der Welt, soll über ein inoffizielles Tochterunternehmen Geschäfte mit Iran gemacht und dadurch gegen US-Sanktionen verstoßen haben. Ihr drohen bis zu 30 Jahre Haft - falls sie dem Präsidenten nicht anderweitig nützt: Trump hat inzwischen angedeutet, sich in den Fall einzuschalten, wenn dies den US-Sicherheitsinteressen oder einem Handelspakt mit China diene.
Als John Cryan Anfang Februar zum dritten Mal die Geschäftszahlen der Deutschen Bank verkündete, war es der dritte Jahresverlust in Folge. So schlecht hat noch keiner vor ihm abgeschnitten. Dabei liegt die Schuld für die horrenden Fehlbeträge und die schlechte Lage der Bank weniger bei dem knorrigen Briten selbst als bei seinen Vorgängern - von Ackermann bis Anshu Jain. Cryan war 2015 geholt worden, um das größte deutsche Geldhaus aus dem Schlamassel zu befreien, doch das gelang ihm nicht wirklich. Die Deutsche Bank legte zwar teure Rechtsstreitigkeiten bei, verlor aber weiter Marktanteile und bekam auch ihre hohen Kosten nicht in den Griff. Anfang April musste Cryan gehen, seitdem versucht sein früherer Vizechef Christian Sewing sein Glück. Der Aktienkurs ist seitdem um weitere 30 Prozent eingebrochen.
Bayer-Chef Werner Baumann musste in diesem Jahr mehrere Rückschläge hinnehmen: Erst kürzlich kündigte der Chemiekonzern an, bis Ende 2021 weltweit rund 12.000 Stellen abzubauen. Auch der 2018 abgeschlossene Kauf des umstrittenen Glyphosat-Herstellers Monsanto kam Baumann teuer zu stehen. Nach einem Gerichtsurteil in den USA, demzufolge Monsanto einem Krebspatienten 290 Millionen Dollar Schmerzensgeld zahlen muss, stürzte die Bayer-Aktie ab. Von Jahresanfang bis Mitte Dezember hat sie fast 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Und das muss noch nicht das Ende sein, denn Tausende weitere Klagen sind anhängig.
Lange schien es, als könne die Dieselaffäre, die VW bis ins Mark erschütterte, der Konzerntochter Audi und ihrem Chef Rupert Stadler (rechts im Bild) nichts anhaben. Doch dann fanden sich immer mehr Indizien, dass Audi nicht nur ebenfalls manipuliert hat, sondern sogar Keimzelle der unseligen Manipulationen gewesen ist. Stadler wiegelte ab, hielt die Ermittler hin und verzögerte. Doch als die Staatsanwaltschaft Wind davon bekam, dass er wichtige Zeugen zu beeinflussen versuchte, ging alles ganz schnell. Am 18. Juni standen die Ermittler vor der Tür - mit einem Haftbefehl. Inzwischen ist Stadler zwar erst mal raus aus dem Gefängnis, aber auch seinen Job los. Nur etwas besser erging es Matthias Müller. Nach dem Sturz des Sonnengotts Martin Winterkorn schien er zunächst der richtige Mann für den Übergang an der VW-Spitze zu sein. Doch die Eigentümerfamilien Porsche und Piech konnte Müller auf Dauer nicht überzeugen. Am 18. April übernahm sein Nachfolger Herbert Diess.
2018 war ein traumatisches Jahr für RWE und seinen Konzernchef. Rolf Schmitz war eigentlich dabei, den Energieriesen zur Ökostromfirma umzubauen und ihm ein neues, modernes Image zu verpassen. Ansehen und Aktienkurs stiegen - bis zu jenem verhängnisvollen Tag, an dem der Konzern verkündete, den Hambacher Forst weiter roden zu wollen, um an die darunterliegende Kohle zu kommen. Die Landesregierung in NRW ließ Polizeihundertschaften aufmarschieren, um ein paar Dutzend Aktivisten öffentlichkeitswirksam aus Baumhäusern zu räumen. Am 5. Oktober unterband das Oberverwaltungsgericht in Münster das unwürdige Schauspiel. Schmitz stand jetzt nicht nur als Kohlerambo da - sondern auch noch als Verlierer.
Bei der Schnellrestaurantkette Vapiano läuft es schlecht. Vor eineinhalb Jahren brachte Jochen Halfmann die Italo-Kette an die Börse - mit dem Ziel, das Unternehmen zu einer globalen Pizza- und Pastamarke zu machen. Doch daraus ist bisher nichts geworden. Viele eigene Läden der Kette laufen schlechter als erwartet, im ersten Halbjahr schrieb das Unternehmen (auch wegen des heißen Sommers) Verluste. Noch vor wenigen Jahren galt Vapiano als das Apple der deutschen Systemgastronomie, doch inzwischen sind viele Kunden wegen der langen Schlangen vor den Kochstationen genervt. Auch die Investoren entzogen der Firma ihr Vertrauen, weil ein schlüssiges Konzept fehlt: Seit dem Börsengang hat sich der Wert des Unternehmens mehr als halbiert. Anfang Dezember musste Halfmann deshalb seinen Posten räumen.