Davos-Besuch Was Bosse über Trump sagen
Sheryl Sandberg beim Weltwirtschaftsforum 2017. Die Facebook-Managerin steht dem US-Präsidenten wie viele Davos-Gäste kritisch gegenüber. Donald Trump sei durch eine "wahrlich spaltende Wahl" an die Macht gekommen, sagte sie.
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon gehörte einem Beratergremium des Präsidenten an, das sich nach Trumps umstrittenen Äußerungen über die rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville auflöste. Dimon sagte damals: "Ich widerspreche Präsident Trumps Reaktion entschieden."
Stephen Schwarzman, Chef des Vermögensverwalters Blackstone, galt als Trump-Vertrauter und leitete einen seiner Beraterzirkel. Auch er soll jedoch empört über Trumps Reaktion auf Charlottesville gewesen sein. "Mir wurde vorgeworfen, ich sei ein Neo-Nazi", beschrieb Schwarzman später die Reaktionen.
Zu den Trump-Unterstützern gehörte im Wahlkampf der deutschstämmige Facebook-Investor Peter Thiel. Massiv kritisiert wurde sein Engagement von...
...Netflix-Chef Reed Hastings, der mit Thiel zusammen im Verwaltungsrat von Facebook sitzt. "Etwas Meinungsvielfalt ist gesund", schrieb Hastings an Thiel. Doch solch "katastrophale Fehleinschätzungen" wünsche sich niemand von seinem Kollegen.
Denise Morrison, Chefin des Suppenkonzerns Campbell, äußerte sich zu Beginn von Trumps Präsidentschaft optimistisch über die Aussichten. Auch sie verließ jedoch nach dem Charlottesville-Eklat sein Beratergremium. Morrison kritisierte zudem Trumps Entscheidung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten.
Die Investementbank Goldman Sachs dürfte von Trumps Präsidentschaft eher profitieren. Dennoch konnte sich Goldman-Chef Lloyd Blankfein im November nur zu einem halben Lob durchringen. Trump sei zweifellos ein unternehmensfreundlicher Präsident. Aber: "Es geht nicht um Wachstum um jeden Preis. Wir brauchen ein bisschen Regulierung."
Selbst direkte Mitarbeiter sollen sich mittlerweile sehr kritisch über Trump geäußert haben. Außenminister Rex-Tillerson, zuvor Chef des Ölkonzerns ExxonMobil, nannte den Präsidenten laut einem Bericht des Sender NBC einen "Deppen" (moron) nachdem dieser eine Verzehnfachung des US-Atomwaffen-Arsenals gefordert hatte.
Der Medienunternehmer Rupert Murdoch gilt als enger Trump-Einflüsterer. Nach einem Telefongespräch zum Thema Einwanderung habe er den Präsidenten als "verdammten Idioten" bezeichnet, schreibt der Autor Michael Wolff in seinem Enthüllungsbuch zu Trump.
Zu den europäischen Managern, die sich kritisch über Trump äußerten, gehört Airbus Chef Tom Enders. Unter ihrem neuen Präsidenten kämpften "die USA nicht länger für Marktöffnungen, sondern die Abschottung des US-Markts gegenüber ausländischen Firmen", wetterte Enders.
Die wohl harscheste Trump-Kritik eines Davoser Stammgasts kam bislang von Investorenlegende George Soros. Beim Weltwirtschaftsforum 2017 bezeichnete er Trump als "Blender und Hochstapler und Möchtegerndiktator". Auf die Frage, wie die Geschäftswelt auf den Präsidenten reagieren solle, sagte Soros: "Ich werde mich so weit wie möglich von ihm fernhalten."