Gefleckt, gestreift, kariert Wenn Schiffe sich als Zebras tarnen
Harlekins-Tarnmantel: Der britische Passagierdampfer "RMS Mauretania" der Cunard Line wurde im Ersten Weltkrieg zum Truppentransporter umgebaut. Damit das schwerfällige, große Schiff vor feindlichen U-Boot-Angriffen geschützt war, wurde es mit bunten geometrischen Mustern angemalt.
Auf bunter Mission: Die "Jan Beydell", angestrichen im Dazzle-Camouflagemuster, läuft im Januar 1919 im Hafen ein. An Bord des Kriegsschiffes befand sich Sir Douglas Haig, der britische Oberbefehlshaber an der Westfront im Ersten Weltkrieg.
Optische Täuschung: Die aneinandergrenzenden verschiedenen Muster der Dazzle-Bemalung vermittelten oft den Eindruck eines Bugs an völlig falschen Stellen - wie dieses Foto der "Mahomet" in Dazzle-Bemalung eindrucksvoll verdeutlicht.
Das Foto wurde von Jim Richter zur Verfügung gestellt.
Zerstückelungs-Anstrich: Diese Tarnbemalung des französischen Kreuzers "Gloire" hört auf den Namen "Bahn-Crash" - und macht doch überdeutliche Anleihen bei dem Dazzle-Tarnanstrich der britischen Royal Navy. Deutlich erkennbar wird, wie schwer aus der Distanz der Bug und damit die Fahrtrichtung der so bemalten Schiffe auszumachen waren.
Das Foto wurde von Jim Richter zur Verfügung gestellt.
Vaterland in neuem Lack: Die "USS Leviathan" war 1913 ursprünglich als Nordatlantik-Passagierdampfer von der America Line in Hamburg unter dem Namen "SS Vaterland" gebaut worden. Der Erste Weltkrieg beendete nach nur einem Jahr ihre Karriere als Passagierschiff. 1917 trat sie als Truppentransporter "USS Leviathan" ihren Dienst bei der U.S. Navy an - das Bild zeigt das Schiff in wildgemusterter, bunter Dazzle-Tarnbemalung.
Wendemuster: Getreu der von Dazzle-Erfinder Norman Wilkinson aufgestellten Regeln wurde das Schiff dabei von beiden Seiten unterschiedlich gestrichen, wie dieses Bild der Steuerbordseite verdeutlicht. Aus einem U-Boot-Periskop betrachtet, zerfiel die "USS Leviathan" vor dem Horizont scheinbar in zahlreiche Einzelformen.
Verwirrende Linien: Ein Torpedo-Schiff der U.S. Navy im Zebra-Streifenlook während des Zweiten Weltkrieges. Nach den britischen Versuchen mit Dazzle-Tarnmustern im Ersten Weltkrieg hatten auch die Amerikaner großes Interesse an dem U-Boot-Abwehranstrich bekundet. Dazzle-Erfinder Norman Wilkinson wurde als Berater des US-Militärs tätig.
Exportschlager: Das Kriegsschiff "SS Everglades" am 29. Juli 1918 bei seinem Stapellauf im Hafen von Tampa, Florida, angestrichen im Dazzle-Camouflage-Muster. Zum Kriegsende hin begannen auch die USA, sich für den unkonventionellen Tarnanstrich zu interessieren.
Schiffsverwandlung: Viele Fahrzeuge waren nach ihrem Anstrich mit Dazzle-Tarnmustern nicht mehr wiederzuerkennen. Der unauffällige Flugzeugträger "HMS Argus" der Royal Navy sah etwa, mit Zebra-Tarnmantel versehen, im Ersten Weltkrieg...
...so aus: Stark kontrastierende, gezackte Linien sollten die Konturen des Schiffes verschleiern - und das Anpeilen aus U-Boot-Periskopen erschweren. Dabei wurde strikt darauf geachtet, dass die Muster auf beiden Seiten des Schiffes unterschiedlich waren. Und so sah die Steuerbordseite der "Argus"...
...wiederum anders aus als ihre Backbordseite. U-Booten, die das Schiff ins Visier nahmen, sollte es so weiter erschwert werden, zu erkennen, von welcher Richtung aus sie auf das Objekt schauten.
Förster im Tarnmantel: Der Flugzeugträger "Ranger" der US-Marine, hier im Juli 1944 mit Dazzle-Tarnbemalung in vier verschiedenen Farben, lief 1933 vom Stapel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die "Ranger" außer Dienst gestellt.
Ohne Sicherheitsgarantie: Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Dazzle-Erfinder Norman Wilkinson, überall auf der Welt als Tarnbemalungs-Berater tätig zu werden. Und so begeisterten sich bald auch Militärs "Down Under" für seine wirren Tarnmuster - wie an diesem Geleitschiff "HMAS Yarra" der Royal Australian Navy deutlich zu erkennen ist. Doch der neue Anstrich half nicht: Am 4. März 1942 wurde die "Yarra" während einer Konvoifahrt von Jalta nach Fremantle von den Japanern versenkt.
Getarnter Riese: Selbst Flugzeugträger strich die U.S. Navy während des zweiten Weltkrieges im Dazzle-Tarnmuster an. Deutlich ist bei diesem Foto der "Hancock" von 1944 zu erkennen, wie verwirrend die Konturlinien des Schiffes durch die Bemalung wirken. Dennoch wurden Dazzle-Bemalungen im Laufe der Vierzigerjahre immer seltener, heute sind sie kaum noch zu sehen.
Im Scheinwerferlicht: Der Leichte Kreuzer "HMS Belfast", im Zweiten Weltkrieg im Dienste der Royal Navy, liegt heute verankert als Museum auf der Themse in London. Erst 1999 wurde er wieder mit der ungewöhnlichen Dazzle-Tarnbemalung versehen, die er im Zweiten Weltkrieg getragen hatte. Im Rahmen des Londoner Lichtfestivals 2008 wurde die "HMS Belfast" von der Designagentur Mindseye Lighting in ein farbenfrohes Dazzle-Gewirr aus Lichtstrahlen getaucht.
Das Foto wurde vom "Enlighter Magazine" zur Verfügung gestellt.
Vor dem Facelift: Ursprünglich sah der kanadische Pazifik-Liner "SS Melita" - hier auf einer undatierten Postkarte - recht unauffällig aus. Doch das änderte sich schlagartig, nachdem er mit einem Neuanstrich im Dazzle-Stil versehen worden war. Anschließend...
...wirkte das Schiff fast wie in seine Einzelteile zersägt, wie dieses Foto des amerikanischen Seglers Jim Richter dokumentiert.
Das Foto wurde von Jim Richter zur Verfügung gestellt.
Malerei mit Schutzwirkung: Der britische Künstler Norman Wilkinson zeigt ein Modell der von ihm entwickelten Dazzle-Tarnbemalung. Die Idee für den Anstrich, der vor Torpedoangriffen feindlicher U-Boote schützen sollte, kam Wilkinson bei einem Marineeinsatz im Mai 1917.
Das Foto wurde von Jim Richter zur Verfügung gestellt.
Ein Bild von einem Schiff: In der Tarnfleck-Arbeitsgruppe Norman Wilkinsons arbeiteten nahmhafte Künstler, etwa Edward Wadsworth, ein Anhänger der britischen Kunstströmung des Vortizismus. Dieses Gemälde von Wadsworth aus dem Jahr 1919 zeigt ein "Dazzle"-Kriegsschiff im Trockendock von Liverpool.
Gut durchdachter Wahnsinn: Der Entwurf für einen Dazzle-Tarnanstrich aus der Sammlung des Künstlers Maurice Freedman, der seine Sammlung von Dazzle-Skizzen der Rhode Island School of Design vermachte.
Bild aus der Sammlung der Rhode Island School of Design.
Chaos-Entwurf: Einer von über 400 Razzle-Tarnmusterentwürfen aus der Sammlung der Rhode Island School of Design. Im Frühjahr 2009 zeigte die Hochschule die Zeichnungen im Rahmen der Ausstellung "Bedazzled".
Bild aus der Sammlung der Rhode Island School of Design.
Scheinraser: Viele Dazzle-Muster enthielten Bogenlinien, die wie die hohe Bugwelle wirken sollten, die ein Schiff bei sehr schneller Fahrt entstehen lässt. Auf diese Weise sollte es angreifenden U-Booten erschwert werden, die Geschwindigkeit des anvisierten Schiffs richtig einzuschätzen.
Bild aus der Sammlung der Rhode Island School of Design.
Geschrumpftes Schiff: Durch stark kontrastierende Farbfelder wurden die Konturen der bemalten Schiffe aufgelöst. Oft wirkten die Fahrzeuge dadurch wie mehrere Schiffe, die im Konvoi fuhren. Oder der Betrachter hatte - wie hier - den Eindruck, das Schiff sei wesentlich kleiner, als es tatsächlich war.
Bild aus der Sammlung der Rhode Island School of Design.
Schwimmendes Gemälde: Der Leichte Flugzeugträger "San Jacinto" (CVL-30), hier mit Dazzle-Tarnanstrich, war von 1943 bis 1947 für die U.S. Navy im Dienst. Die bunte Bemalung der Fassade mit geometrischen Formen sollte die Sichtung des Schiffes für feindliche U-Boote erschweren. Doch technische Neuerungen machten das wilde Tarnmuster bald hinfällig.
U-Boot-sichere Kunst: Die Künstlerin Carrie Schneider strich für diese ironische Arbeit 2008 einen Kanadier im Dazzle-Muster an. Aus seinem militärischen Kontext entfernt, wirkt der einstige Tarnanstrich fast wie ein rein dekorativen Zwecken folgendes Design.
Das Foto wurde von Carrie Schneider zur Verfügung gestellt.
Späte Nachahmer: "Wie die Navy neuerdings mit getarnten Schiffen trickst" titelte das Wissenschaftsmagazin "Popular Science" im April 1946. "Neu" war diese Tarn-Taktik da allerdings schon lange nicht mehr. Die britische Marine begann bereits Mitte des Jahres 1917, ihre Schiffe mit den irritierenden Tarnmustern zu überziehen.
Tarnfleck im Straßenverkehr: Die britische Künstlerin Patricia Van Lubeck ließ sich für die Gestaltung ihres alten Opel Kadetts von der Dazzle-Tarnbemalung aus dem Ersten Weltkrieg inspirieren. Ob sie damit für Radarfallen unsichtbar werden wollte?
Mehr Fotos auf der Homepage von Patricia van Lubeck
Vorher-Nachher: Die britische Künstlerin Patricia Van Lubeck ließ sich von der Dazzle-Tarnbemalung des französischen Kreuzers "La Gloire" zu diesem Gemälde inspirieren, das die Wirkung des Tarnanstrichs veranschaulicht: Erkennt man bei der alten Bemalung der "Gloire" noch deutlich den Bug, so...
...war bei der Tarnstreifen-Variation desselben Schiffes der Bug - und damit auch die Fahrtrichtung - kaum noch auszumachen.
Vorbild aus der Natur: Viele Dazzle-Muster erinnern nicht zufällig an die von Zebras. Die auffälligen, kontrastierenden Formen erfüllten evolutionär wahrscheinlich eine ähnliche Funktion für die Tiere wie später für die angestrichenen Kriegsschiffe: Sie machten ihre Formen schwerer erkennbar. Zoologen vermuten, dass sich Zebras bei ihrer Ausbreitung früher in von Tsetse-Fliegen bewohnten Regionen aufhielten. Das Streifenmuster ihres Fells war hier von Vorteil, da die Augen der primär nachtaktiven Fliege im Dunkeln die Silhouette der so gemusterten Tiere nicht mehr richtig erkennen konnten.