DDR-Ausreisebewegung - DER SPIEGEL
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DDR-Ausreisebewegung Goodbye, Honecker!

Wegbereiter der Wende: Schon 1984 besetzten DDR-Bürger West-Botschaften, um ihre Ausreise zu erzwingen. Der Ansturm der Flüchtlinge führte zu einer diplomatischen Krise - und vor der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin versuchte ein verzweifelter Ostdeutscher sogar, sich zu verbrennen. Von Thomas Thiel
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Das Tor ist zu: Die Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin mit verschlossenem Gitter am 28. Juni 1984. Nachdem es an diesem Tag zu einer versuchten Selbstverbrennung vor der StäV gekommen war, entschied Hans-Otto Bräutigam, der damalige Ständigen Vertreter, die bundesdeutsche Repräsentanz bis auf weiteres für ausreisewillige DDR-Bürger dicht zu machen.

Foto: dpa
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Öffentlichkeitwirksam: Fernsehbilder wie diese ARD-Aufnahmen von DDR-Bürgern, die sich im Juni 1984 in die bundesdeutsche Vertretung in Ost-Berlin zu flüchten versuchen, erreichten auf dem Umweg über die westlichen Sender auch die meisten DDR-Bürger. Die SED tat deshalb alles, um Berichterstattung zu verhindern - was ihr nicht immer gelang.

Foto: ARD
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Das Tor zum Westen: Am 8. August 1989 musste die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin geschlossen werden, nachdem sich rund 130 DDR-Bürger dorthin geflüchtet hatten, um ihre Ausreise in den Westen zu erzwingen. Bereits in den Jahren zuvor war es immer wieder zu Botschaftsbesetzungen durch ausreisewillige Ostdeutsche gekommen. Im Juni 1984 hatte die StäV schon einmal schließen müssen, als sie von 55 DDR-Bürgern besetzt worden war.

Foto: dpa
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Ständige Vertretung: Die "StäV" in der Hannoverschen Straße in Ost-Berlin. Eine richtige Botschaft hatte die Bundesrepublik in der DDR nicht - schließlich war die DDR für die Bonner Regierung kein Ausland. Im deutsch-deutschen Grundlagenvertrag wurde 1972 aber die Einrichtung von"Ständigen Vertretungen" vereinbart.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-N0625-347

Foto: Das Bundesarchiv/Hubert Link
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Verschlossene Türen: Die bundesdeutsche Botschaft in Budapest musste am 14. August 1989 wegen Überfüllung schließen. Ausreisewillige DDR-Bürger harrten dennoch vor dem Gebäude aus. Mit Botschaftsbesetzungen hatten Ausreisewillige schon in der ersten Hälfte der achtziger Jahre versucht, ihre Ausreise durchzusetzen - im Spätsommer 1989 bekam diese Aktionen dann jedoch eine völlig neue Dimension, die dich von der SED-Führung nicht mehr beherrschen ließ.

Foto: dpa
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Über den Zaun in die Botschaft: Anders als bei den früheren Botschaftsbesetzungen, etwa von 1984, ließen sich die ausreisewilligen DDR-Bürger 1989 nicht mehr durch die Schließung der westlichen Vertretungen abhalten - und wenn sie, wie hier in im Spätsommer 1989 in Prag - über den Zaun klettern mussten.

Foto: Kemmether/ dpa
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Genscher in Prag: Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher trifft am 30. September 1989 in der bundesdeutschen Botschaft in Prag ein. Tausende von Flüchtlingen aus der DDR hatten dort Zuflucht gesucht. Wenig später verkündete Genscher vom Balkon die Genehmigung auf Ausreise.

Foto: AP
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Parade zum 40. Jahrestag der DDR: Mit einer Militärparde feierte die Führung der DDR am 7. Oktober 1989 die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik vor 40 Jahren. Nur drei Tage zuvor waren Züge mit Botschaftsflüchtlingen aus Prag über den Umweg Dresden in die Bundesrepublik gerollt - ein schwere Niederlage für das SED-Regime.

Auf der Ehrentribüne der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (7.v.l.) und DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker (8.v.l.), Raissa Gorbatschowa (hinter Honecker) und Willi Stoph (8. v.r.), Ministerpräsident der DDR.

Foto: dpa
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Ende einer Epoche: Franz Bertele (r.), letzter Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, schraubt am Tag der deutschen Wiedervereinigung, dem 3. Oktober 1990, eigenhändig das Bundeswappen vom Gebäude der bisherigen Ständigen Vertretung in Ost-Berlin ab.

Foto: dpa
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Bildung statt Dipomatie: In dem Gebäude der ehemaligen Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR befindet sich heute der Dienstsitz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Foto: dpa
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Auf der anderen Seite des Zauns: Nachdem dort rund 130 ausreisewillige DDR-Bürger Zuflucht gesucht hatten, wurde die Ständige Vertretung der BRD in Ostberlin geschlossen. Vor dem verschlossenen Tor sammelten sich weiterhin verzweifelte DDR-Bürger, die auf diesem Weg in den Westen ausreisen wollten.

Foto: AP
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Das Tor in den Westen: In der Hoffnung doch noch in das Gebäude gelassen zu werden, warten am 8. August 1989 DDR-Bürger vor dem verschlossenen Tor der Ständigen Vertretung der BRD in Ost-Berlin. Auf diesem Weg hatten es bereits einige vor ihnen in den Westen geschafft, doch an diesem Morgen waren bereits zu viele Menschen aufgenommen und die Tore geschlossen worden.

Foto: AP
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Auch die Stasi registrierte den Selbstmordversuch: Der Leiter der Ständigen Vertretung nutzte offensichtlich den Vorfall, um sein Haus für einige Wochen wegen Umbauarbeiten zu schließen.

Dies ist eine Kopie aus meiner Stasiakte "Operative Lageübersicht", Abhörprotokoll der MfS-Abt. 26/5 vom 26.6.1984

HA II/12 CA 23/74 / BStU-ZA, ZKG 87, Bl. 000133

Foto: Wolfgang Mayer
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ZKG-Vermerk: Im ersten Quartal 1984 hatte Stasi-Chef Mielke das Ventil kurzzeitig öffnen lassen. Doch unmittelbar danach war der Strom der "Feinde bzw. kriminellen Elemente" wieder angeschwollen.

Foto: Wolfgang Mayer/MfS-Major Drechsler
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Die strengsten Kontrollen (1): Die Kontrollen vor der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik nützten dem SED-Staat ebenso wenig wie die danach häufig erfolgten Zuführungen, Vernehmungen, Inhaftierungen und Verurteilungen. Der Freiheitsdrang der Menschen war größer.

Foto: Wolfgang Mayer/Gerhard Niebling
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Die strengsten Kontrollen (2): Die "absolut letzten" Zusicherungen der Ausreise - bis zum Fall der Mauer bliebt dies ein Wunschtraum der Stasi!

Foto: Wolfgang Mayer/Gerhard Niebling
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?