DDR-Computer: Digital AG rettet Rechentechnik - DER SPIEGEL
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DDR-Computer Glücksfund Polyplay

Auferstanden aus Ruinen: Die Jungs von der Digital AG aus Halle frönen einer Leidenschaft. Sie durchstreifen alte DDR-Fabriken. Und retten Computer des Arbeiter- und Bauernstaates vor dem Verfall.
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Begrenzter Spaß: Als einziger Videospielautomat der DDR war der "Polyplay" äußerst beliebt. Allerdings verließen nur rund 2000 Exemplare den VEB Polytechnik im heutigen Chemnitz. Dieses Exemplar wurde von der Digital AG in einem verlassenen Ferienheim geborgen und restauriert. Es ist wieder funktionstüchtig.

Foto: SPIEGEL ONLINE/ Stefanie Becker
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Unpolitischer Spaß: Acht Spiele standen den Nutzern zur Verfügung. Wie der "Abfahrtslauf". Programmierer und Gestalter hatten vor dem Entwurf des "Polyplay" die Anweisung erhalten, die Spiele unpolitisch zu gestalten.

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Geschenkter Gaul: Der "AC1" war ein klassischer Heimcomputer zu DDR-Zeiten. Dieses Exemplar erhielt die Digital AG von einem Spender. Derzeit harrt es aber noch seiner Instandsetzung. Die Tastatur ist eine kommerzielle Schreibmaschinentastatur, die der Konstrukteur anscheinend im Amateurhandel erworben hat.

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Spartaner: Schulen, Universitäten und Arbeitsgemeinschaften erhielten in der DDR diesen spartanisch wirkenden Computer. Sie sollten die Arbeitsweise des U880-Prozessors und seiner Maschinenbefehle kennenlernen, der in einem Großteil der DDR-8-Bit-Rechner im Einsatz war. Ab 1984 wurde das Gerät vom VEB Mikroelektronik Erfurt hergestellt. Der Rechner ist betriebsbereit und erfreut beim Einschalten mit der Melodie von "Popcorn".

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Parade: Die Technikretter von der Digital AG sammeln, reparieren und stellen ihre Funde aus. Hier sind DDR-Bürocomputer aus den Achtzigerjahren zu sehen.

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Jung und Alt: Das älteste Mitglied der Digital AG ist Gerhard Just mit mehr als 80 Jahren. Er beschäftigt sich gerade mit der Restaurierung einer Rechenmaschine aus den Sechzigerjahren. Hier sichtet Just alte technische Unterlagen.

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Harter Kern: Ronny Kunze reinigt und erforscht das Innenleben einer Industrierobotersteuerung. Er gehört zu den neun Kernmitgliedern der Digital AG.

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Bruderherz: Dieser PC sieht nicht nur äußerlich Produkten aus dem Westen ähnlich. Er konnte auch mit "MS-DOS" von Microsoft betrieben werden. Statt wie normal mit zwei 5,25"-Diskettenlaufwerken und einer Festplatte ist dieser ohne Festplatte aber dafür mit vier Diskettenlaufwerken ausgerüstet. Diese Version wurde vermutlich konzipiert, weil Festplatten teuer und selten waren.

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Marke Eigenbau: Der ehemalige Getränkemarkt in Halle an der Saale beherbergt jede Menge ausrangierte DDR-Technik. Im Vordergrund ist ein selbstgebastelter Heimcomputer aus der DDR zu sehen. Wer keine Verwandtschaft in West-Deutschland hatte, die eventuell einen Computer in den Osten schicken konnte, musste sich in der DDR meist selber einen bauen. Im Hintergrund sind Wolfram Weigt, links, und Sebastian Czech, rechts, von der Digital AG zu sehen.

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Lohn der Mühsal: Einst standen diese Apparate im Braunkohlekraftwerk Thierbach bei Leipzig. In jahrelanger Kleinarbeit hat die Digital AG die unvollständige Anlage mithilfe von Software, Dokumenten und Komponenten aus anderen Städten wieder instand gesetzt.

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Massiver Einsatz: Ohne die entsprechende Software lässt sich die reparierte Rechentechnik nicht wieder in Betrieb zu setzen. Hier sind Wechselplatten, die in der DDR Kassettenplatten genannt wurden, und Magnetbänder zu sehen.

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Harte Nuss: Dieser elektronische Buchungsautomat vom Typ "Ascota 1355" wurde im Maschinenwerk Karl-Marx-Stadt hergestellt. Das Gerät stammt aus einer Gärtnerei in Pößneck. Momentan weiß die Digital AG nicht recht, wie sie das Gerät reparieren kann. Aber aufgeben will sie auf keinen Fall.

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Exklusiv: Teuer und selten waren die Rechner vom Typ "KC87_02", die heute als "klassische" Heimcomputer der DDR gelten. Sie waren fast ausschließlich "gesellschaftlichen Bedarfsträgern" vorbehalten. Also für Lehreinrichtungen wie Schulen, Universitäten oder eben Betriebe gedacht. Dass bis zur Wende dennoch einige Tausend Geräte in Privatbesitz gelangten, lässt sich deutlich an den zahlreichen Artikeln zu Erweiterungs- und Modifikationsmöglichkeiten in Fachzeitschriften ablesen. Erweiterbar war der KC mit einer Vielzahl an Modulen (Speicher, Programme, Schnittstellen). Das Gerät ist wieder funktionstüchtig und wartet, wie alle anderen Maschinen der Digital AG, auf Besucher, die es benutzen und erforschen wollen.

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Externe Festplatte: Dieses Gerät ist der Peripheriespeicher eines Großrechners. Oben rechts wird der Wechselplattenstapel eingesetzt. Der Plattenstapel besteht aus zehn einzelnen Platten, besitzt ein Gewicht von fast fünf Kilogramm und eine Kapazität von 29 Megabyte. Baujahr des Geräts war 1988. Momentan arbeitet die Digital AG an der Wiederinbetriebnahme.

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Stromsparer: Dieses mikroprozessorgesteuerte Gerät diente in Betrieben mit größerem Energieverbrauch wie Großbäckereien oder Gießereien der Energieverbrauchserfassung und -steuerung. Je nach Tageszeit oder Lastregime konnten Verbraucher "abgeworfen" werden. Das Gerät ist betriebsbereit. Es stammt aus einem Mühlenwerk in Zeitz.

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Sperrmüllfund: Dieser 9-Nadel-Drucker vom Typ "Soemtron K6319" war Anfang 1990 einer der letzten Verkaufserfolge des Büromaschinenwerks Sömmerda. Diese Drucker waren mit einer Vielzahl von Schnittstellenmodulen ausrüstbar und wurden in Katalogen in der Bundesrepublik unter anderem als Zubehör für Computer von "Commodore" angeboten. Der Drucker wurde 1992 in Halle-Silberhöhe vom Sperrmüll gerettet und ist wieder betriebsbereit.

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Kohle her: Banken und Postfilialen setzten diesen Robotron "SLE K6501" zum Schreiben und Lesen mit Magnetkarten ein. Ab 1987 begann die DDR mit dem Einsatz von Geldautomaten. Entsprechend waren die heute noch bekannten Magnetkarten im Einsatz. Das Gerät wird über eine Steckkarte mit einem Bürocomputer oder einem Schalterterminal verbunden. Es stammt von einem lokalen Schrottplatz und funktioniert noch.

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