DDR-DJ Wie der Disco-Fuchs den Osten rockte
Mit selbstgenähten Hosen in der Stammdisco: Andreas Hofmann legt 1987 in seiner Stammdisco, dem Volkshaus Laubegast in Dresden, auf. Hier absolvierte er auch seine DJ-Eignungsprüfung, die sogenannte Einstufung. Ohne dieses staatliche Zertifikat durfte man zu DDR-Zeiten nicht öffentlich als DJ auftreten.
Markenzeichen Kappe: Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes 2010 auf einer Party in Großnaundorf bei Dresden. Mützen wie diese trägt er seit 1992 - der Produzent seiner ersten MDR-Musiksendung fand, er bräuchte etwas auf dem Kopf, weil er so normal aussähe.
Mehr Fotos sowie Videos sind auf
DJ Happy Vibes Homepage
zu finden.
NVA-Discjockey: Zwar wollte sich Hofmann nicht für zehn Jahre bei der Nationalen Volksarmee verpflichten - seine obligatorischen 1,5 Jahre musste er dennoch absolvieren, und zwar bei der Instandsetzungseinheit eines Panzerbataillons in Stremberg. Als seine Vorgesetzten von dessen DJ-Qualitäten erfuhren, musste Hofmann regelmäßig bei Veranstaltungen wie etwa diesem Ritual 1987 auflegen: Während die Spunde Helme mit brennenden Kerzen tragen mussten, bekamen die Entlassungskandidaten (auch "Endkotzer" genannt) ein Maßband überreicht, an dem sie jeden noch verbleibenden Armee-Tag abschneiden konnten. Hofmann gehörte damals zu den Entlassungskandidaten (oben, Mitte).
Entertainer auf der Bühne: Nachdem Andreas Hofmann zunächst schwarz, also ohne offizielle Genehmigung, als DJ durch die Clubs getingelt war, absolvierte er im November 1987 seine staatliche Einstufung im Volkshaus Laubegast Dresden. Zur größten Herausforderung gehörte die sogenannte 60-40-Regelung: eine staatliche Vorgabe, die vorsah, dass man 60 Prozent Osttitel und 40 Prozent Westmusik spielen durfte. Um die Leute bei Laune zu halten, musste Hofmann die unbeliebten Osttitel so geschickt verpacken, dass sich keiner daran störte.
Das erste Mal: Nachdem er sich zunächst bei Schuldiscos versucht hatte, legte DJ Happy Vibes alias Andreas Hofmann 1983 erstmals richtig auf. "Scheune" hieß die Location in Dresden, Anlass war die Faschingsfeier seiner Berufsschulklasse.
Silvester im "Sachs": Im Dresdner "Sachs", der größten Disco im Osten nach der Wende, durfte Andreas Hofmann zunächst nur sonntags auflegen - die spannenderen Tage waren gutbezahlten, westdeutschen Discjockeys vorbehalten. Innerhalb kürzester Zeit erkämpfte sich Hofmann seinen Ruhm aus Vorwendezeiten zurück - und durfte fortan auch an prominenteren Tagen, etwa der Silvesterparty 1990/91 (Foto) auftreten.
Schallplattenunterhalter mit Kassetten: Partystimmung bei der Silvesterdisco 1988/89 im Volkshaus Laubegast in Dresden. Wie die anderen Discjockeys arbeitete Hofmann zu DDR-Zeiten mit Kassetten, da Schallplatten mit der begehrten Westmusik viel zu teuer waren. Die sogenannten "Schallplattenunterhalter" tauschten die Platten untereinander aus, nahmen die Musik auf Kassetten auf und spulten sich dann die jeweiligen Titel zurecht.
Schallplattenunterhalter: Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes während einer Mixtischshow 1987 im Volkshaus Laubegast in Dresden.
Lehrlingsfest: 1988 legte Hofmann auf einem Lehrlingsfest in Pirnau auf.
Bunte Bühnenshow: DJ Happy Vibes (mit Megafon) auf dem Dresdner Stadtfest 2009. Nach der Wende moderierte er beim neugegründeten MDR Jugendsendungen wie etwa Eurotops, zudem produzierte er zunehmend eigene Musik. Zum Kult wurde er in seiner Heimat vor allem durch die Partysendung Maxi-Mal auf Radio Dresden.
Schuldisco in der DDR: Auf Schulpartys wie diesen startete Andreas Hofmann Anfang der achtziger Jahre seine DJ-Karriere.