DDR-Fluchthelfer "Unternehmen Reisebüro"
Letzte Vorbereitungen: Fluchthelfer Achim Schröter repariert 1962 einen Tunnel; überflüssiges Erdreich wird mit einem Wagen wegtransportiert. Heute arbeitet Schröter als Allgemeinmediziner.
Uwe Johnson: Der Schriftsteller Uwe Johnson im Atelier von Günter Grass, 1961. Johnson führte nach dem Bau der Berliner Mauer Interviews mit Fluchthelfern, darunter Detlef Girrmann und Dieter Thieme.
Spannendes Zeitdokument: Uwe Johnson interviewte 1963 und 1964 die Fluchthelfer Detlef Girrmann und Dieter Thieme, hier ein Bild des Originaltonbandes. Andere Tonbandprotokolle Johnsons mit Fluchthelfern gingen dagegen verloren oder wurden gelöscht.
Mauerbau in Berlin: Im Juni 1961 hatte der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht noch jegliche Gerüchte um den Bau einer befestigten Grenzanlage in Berlin mit seiner später legendären Aussage "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" brüsk zurückgewiesen. Im August 1961 begann dann doch der Mauerbau - und unmittelbar danach bildete sich ein loses Netzwerk an Fluchthelfern in Ost-Berlin.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-88574-0004
Denkmal für die Opfer: Der Gedenkstein wurde für die bei Fluchtversuchen erschossenen DDR-Bürger auf der Straße des 17. Juni in Berlin errichtet. Links im Bild das Sowjetische Ehrenmal, im Hintergrund das Brandenburger Tor, Aufnahme vom 4. Dezember 1961.
Fluchthelfer Girrmann: Das sogenannte "Unternehmen Reisebüro" war eine kleine Gruppe Westberliner Studenten, die sich unmittelbar nach dem Bau der Berliner Mauer in der Fluchthilfe engagierten und auch als "Girrmann-Gruppe" bekannt wurden. Detlef Girrmann (Foto von 1962), bestritt allerdings stets, Kopf der Gruppe gewesen zu sein.
Der Schriftsteller Uwe Johnson, der die DDR schon 1959 verlassen hatte, führte am 31. Dezember 1963 ein Interview mit Girrmann. Johnsons Gesprächsprotokolle mit den Fluchthelfern galten jahrzehntelang als verschollen und sind nun erstmals in gedruckter Form dokumentiert.
Aufschlussreiches Protokoll: Das Foto zeigt den ehemaligen Fluchthelfer Detlef Girrmann, der heute in Thüringen lebt. Erst 2001 tauchte die Tonbandaufnahme des Interviews, das der Schriftsteller Uwe Johnson mit dem Fluchthelfer 1964 geführt hatte, wieder auf. Anschaulich schildert Girrmann darin die Tricks der Helfer und den Beginn der Fluchthilfe.
Gefährliches Unternehmen: Fluchthelfer Achim Schröter inspiziert einen Berliner Tunnel, Bild von ca. 1962. Die DDR-Propaganda bezeichnete die Fluchthelfer als eine "Menschenhändler-Organisation" und war über die Arbeit der jungen Idealisten weit besser informiert, als die meisten der Fluchthelfer damals ahnten.
Fluchthelfer der ersten Stunde: Auch Dieter Thieme engagierte sich nach dem Bau der Berliner Mauer in der "Girrmann-Bande" als Fluchthelfer. Die Aufnahme zeigt ihn 1962, im Alter von 34 Jahren.
Dieter Thieme: Als Interview-Partner von Uwe Johnson schilderte Dieter Thieme, wie er ab 1961 zusammen mit der sogenannten Girrmann-Gruppe DDR-Bewohner in den Westen holte. Das Bild von 2009 zeigt Thieme im Alter von 81 Jahren in Berlin; er starb am 10. Juni 2010.
Beschäftigungstherapie: Dieter Thieme geriet wegen seiner Regimekritik bereits 1948 mit der DDR-Justiz in Konflikt und wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Schachbrett fertigte er während seiner Einzelhaft aus Stofffäden an, die er aus Handtüchern zog und mit einer gestohlenen Nadel verarbeitete. Diese Beschäftigung habe ihn während eines halben Jahres am Leben gehalten, so berichtete Thieme später.
Weg in die Freiheit: Der US-Amerikaner Peter Vester bei Grabungen in einem Berliner Fluchttunnel (Bild von 1962). Vester studierte in den sechziger Jahren an der Freien Universität Berlin und engagierte sich als Fluchthelfer. Zunächst ging es dem "Unternehmen Reisebüro" darum, im Westen immatrikulierte Studenten, die im Osten lebten, über die plötzlich entstandene Mauer zu helfen.
Burkhart Veigel: Der Berliner Student war ebenfalls nach dem Bau der Mauer als Fluchthelfer tätig (Foto von 1961). Jahrzehnte später transkribierte Burkhart Veigel die Interviews von den Tonbandaufnahmen und gab die Gespräche jetzt erstmals in Buchform heraus (Uwe Johnson: "Ich wollte keine Frage ausgelassen haben". Gespräche mit Fluchthelfern", Berlin 2010).