DDR-Flüchtlingsschicksal Ein Leben als dreifache Randgruppe
Dem Überwachungsstaat entkommen: Als junger Mann geriet Andreas Göbel zu Beginn der achtziger Jahre ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit, als er sich weigerte, als Informant tätig zu werden. Heute lebt Göbel, hier auf einem Foto von 2011, in Köln, wo er einen kleinen Kiosk betreibt.
Auf Tuchfühlung: Als einziger Dunkelhäutiger unter Weißen wurde Andreas Göbel, Sohn eines afrikanischen Gaststudenten in der DDR, in Sachsen groß. Ausgrenzung wegen seiner Hautfarbe habe er dabei jedoch kaum erlebt, erinnert er sich - auch wenn er in der Kinderkrippe oft "Schokojunge" genannt worden sei. Diese Spielkameradin war jedenfalls 1966 offenbar fasziniert von Göbels dunklem Teint.
Aus Andreas wird Nobi: 1963 erschien in der DDR der DEFA-Puppentrickfilm "Nobi der Neger" nach dem Roman "Der Neger Nobi" von Ludwig Renn. Schnell hatte der 1961 geborene Andreas Göbel unter seinen Spielkameraden anschließend den Spitznamen "Nobi" weg - den er bis heute trägt.
Kioskrettungsmaßnahmen: Das Innere des "La Ola Büdchens" von Andreas Göbel ist ein kunterbunter Sammelplatz von Erinnerungen aus seinem Leben. Doch die Zukunft der urigen Trinkhalle ist ungewiss: Kölner Ämter forderten umfangreiche Umbaumaßnahmen, die Göbel zur Zeit mit Hilfe von Spendern zu verwirklichen versucht, um sich seine Existenzgrundlage zu erhalten. Hierzu richtete er sogar einen eigenen Büdchenrettungs-Liveticker auf facebook ein.
Staatssicherheitsproblem Rockmusik: Als Jugendlicher geriet Andreas Göbel unter anderem deshalb in den Blick der Stasi, weil er einer Clique angehörte, die demonstrativ West-Kleidung trug und sich für westliche Rockmusik begeisterte - wie diese jungen Zuhörer eines Rockkonzertes von Rio Reiser in Ost-Berlin im Oktober 1988.
Souvenirs eines Lebens: Eine riesige Collage aus Bildern schmückt die Wände von Andreas Göbels Kölner Kiosk. Sie stehen für Stationen in seinem Leben - hier etwa Mick Jagger, den Göbel als Jugendlicher in der DDR verehrte. Die Rolling Stones wurden für Göbel und seine Clique zum Symbol des Aufbegehrens gegen das SED-Regime.
Verfilmt: In Anlehnung an den Trickfilm "Der Neger Nobi", dem Göbel seinen Spitznamen zu verdanken hatte, wurde der Dokumentarfilm des Regisseurs Wilm Huygen von 2009, der sich mit Andreas Göbels DDR-Zeit und seiner Flucht auseinandersetzte, unter dem Titel "Der schwule Neger Nobi" veröffentlicht. Den gleichen Titel trägt auch ein Lied, in dem Göbel seine eigene Lebensgeschichte besingt.
Existenzkrise: Andreas Göbels Kiosk in der Kölner Mozartstraße, aufgenommen 2011, gilt unter Einheimischen als Kult. Göbel baute einen Nebenraum seines Kiosks zu einer schrulligen, kleinen Partylocation um - und rief damit das Kölner Ordnungsamt auf den Plan: Im Frühjahr 2012 wurden Göbel Bauauflagen gemacht, die ihn zunächst zur Aufgabe seines Gewerbes zwangen.
Tante-Emma-Laden im Prachtkleid: Liebevoll hat Andreas Göbel sein Büdchen dekoriert - wie mit diesem Osterschmuck, den er im Frühjahr 2011 aufstellte. Als die Schließung seines Kiosks drohte, fürchtete Göbel um seine Existenz - doch inzwischen bemüht sich eine Rettungsinitiative um das Fortbestehen des ungewöhnlichen Kiosks.
Neuer Anfang: Nachdem Göbel kurz vor der Wende als politischer Gefangener der DDR von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft wurde, landete er zunächst in einem Auffanglager in Gießen. Nachdem er seine Erlebnisse in der DDR in einer Therapie aufgearbeitet hatte, machte er sich daran, sich mit seinem kleinen Kiosk in der Kölner Mozartstraße eine neue Existenz aufzubauen.