DDR-Geheimbunker - DER SPIEGEL
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Superbunker Tessin Überleben im Atomkrieg

Für einen gigantischen Millionenbetrag baute die DDR ihrer Armee Ende der Sechziger einen Superbunker, in dem Marinesoldaten sogar einen Atomschlag überleben sollten. Der Autor fotografierte den Koloss - eine Zeitreise in den Kalten Krieg.
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Eingang: Eine im Wald versteckte Treppe führt hinab in zwölf Meter Tiefe zum Eingang des Bunkers des "Kommandos Volksmarine" der Nationalen Volksarmee der DDR, der im atomaren Ernstfall als Hauptbefehlsstand dienen sollte. Die Eingangstür hat ein Gewicht von 3,5 Tonnen.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Anleitung: Der Schleusentrakt des Eingangsbereichs. Im Falle einer Kontamination wurden hier die Schutzmaske (TSM) und die Schutzausrüstung (PSA) abgelegt. Vier weitere Stahltüren mussten passiert werden.

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Schleuse: Die Luke links diente vermutlich dazu, kontaminierte Gegenstände zu entsorgen. Die Verständigung erfolgte über die an einer Federung aufgehängte Wechselsprechanlage. Hinter der ersten Stahltür links befinden sich in einem Seitentrakt Räume für die Reinigung, ebenfalls durch Stahltüren getrennt.

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"Büro" des Schleusenkommandanten: Ihm oblagen die Überwachung der Dekontamination und die Entscheidung über den Einlass in den Bunker.

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Belüftung: Das gesamte Objekt war mit einem Belüftungssystem ausgestattet. Es herrschte ein Überdruck von 15 Millimeter Wassersäule, um das Eindringen von kontaminierter Luft von außen zu verhindern. Die Abluft erfolgte über Lüftungsklappen, die bei Überdruck von außen automatisch schlossen.

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Klimaanlage: Das Versorgungssystem umfasste neben der Luftversorgung auch die Regulierung des Klimas, des Wassers, des Abwassers und der Fäkalien. Für die Stromversorgung standen drei Dieselgeneratoren bereit, ein weiterer als Reserve sowie Akkumulatoren für Notstrom. Der Dieselvorrat lagerte in drei Tanks mit jeweils zehn Kubikmeter Fassungsvermögen, also insgesamt 30.000 Liter.

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Roter Teppich: Alle Daten zum technischen Betrieb der Bunkeranlage liefen beim Dispatcher, vergleichbar mit dem "Leitenden Ingenieur" an Bord eines Schiffes, in der Zentrale zusammen. Hier wurden Störungen protokolliert und behoben. Noch aus der aktiven Zeit stammt der Strauß roter Rosen - "Plaste und Elaste aus Schkopau".

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Einfallsreich: In der NVA gab es alles, was es in der DDR nicht gab, in dreifacher Menge, plus einmal Reserve. Doch Behältnisse für Kleinmaterial wie Sicherungen gab es auch in der NVA nicht, so dass sich die Techniker diese, gefunden im Dispatcherraum, selbst bastelten.

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Schlüsselsammlung: Von regem Betrieb bis zum Ende des Kalten Kriegs zeugen der Schlüsselschrank und die versiegelten Schlüsselkästen im Dispatcherraum. Eine Truppe mit einer Gesamtstärke von 69 Mann sorgte ununterbrochen für die Betriebsbereitschaft des Gefechtsstands.

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Auszeichnung: Sozialistischer Wettbewerb herrschte auch in der NVA. Für die Erfüllung entsprechender Kriterien wurde dieser Titel mit einem Aufkleber vergeben.

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Treppenhaus: Die Bunkeranlage mit einer Gesamtfläche von circa 3000 Quadratmetern erstreckt sich über zwei Etagen und war für eine Gesamtstärke von 300 Personen vorgesehen. Neben einem Haupteingang gab es zwei Notausgänge. Den Umfang und die Funktion des gesamten Komplexes kannten nur wenige, die zur strengen Geheimhaltung verpflichtet waren.

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Großraumbüro: Blick in den schwingungs- und schallgedämpften Schreib- und Zeichenraum. Alle Funktionen des Bunkers waren darauf ausgerichtet, dem Kommandostab zuzuarbeiten. Die rechnergestützte Nachrichtenzentrale stellte den größten Komplex der Anlage dar. Es konnten Telefon-, Telex- und Funkverbindungen mit dem gesamten Warschauer Pakt unterhalten werden.

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Optima: Eine mechanische Schreibmaschine bis zum Format DIN A3 des VEB Optima Büromaschinenwerks Erfurt, Teil des Kombinates Robotron.

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Kommunikation in Kyrillisch: Tastatur des Fernschreibers RFT F 1100, der bis 1989 produziert wurde. Die Tastatur war mit dem kyrillischen Alphabet versehen, denn die Verständigung der sieben Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts untereinander erfolgte in russischer Sprache.

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Telefonzentrale: Die Fernsprechzentrale des Bunkers hat Ausmaße, über die sich im zivilen Sektor sehr viele Menschen gefreut hätten. Während in der DDR die Versorgung mit Telefonen weitgehend auf Vorkriegsniveau verharrte, wurden im militärischen Bereich weder Mühen noch Kosten gescheut.

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Rohrpost: An der Wand sind die Rohrpostverbindungen zu sehen, die in fünf Linien unterteilt waren. Darüber hinaus lief die Kommunikation innerhalb des Bunkers über Wechselsprechanlage und Telefon.

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Chiffrierstelle: Die Arbeitsplätze zum Chiffrieren und Dechiffrieren der Nachrichten befanden sich in unmittelbarer Nähe der Zentrale. Der gelbe Kasten unten rechts ist ein "RDU", ein Gerät sowjetischer Bauart, das verbrauchte Atemluft in begrenztem Maße wiederaufbereiten kann. Im Bunker standen sehr viele RDU herum, die den Luftvorrat um 24 bis 48 Stunden verlängern konnten.

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Gefechtsstation der hohen Zuverlässigkeit: Wie in der gesamten DDR wurde auch im Atombunker mit Orden und Auszeichnungen nicht gegeizt. Wie die Partei war auch die FDJ immer gegenwärtig.

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Herzstück des Bunkers: Die Zentrale des Oberkommandierenden und des Stabs. Mittels eines Projektors wurden die aufbereiteten Daten zur aktuellen Lage auf die entsprechenden Seekarten projiziert, um Befehle erteilen zu können.

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Seekarte: Das Operationsgebiet der Volksmarine umfasste die westliche Ostsee in Abstimmung mit der polnischen Seekriegsflotte und der Baltischen Flotte der Sowjetunion.

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Fundstück: Nach Öffnung des Bunkers wurden auch Bücher gefunden, vorwiegend dienstliche und technische Protokolle - und die "Geschichte der SED".

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Propaganda: Agitation und Propaganda erinnerten auch im Ernstfall an das große historische und gesellschaftliche Gesamtziel der DDR.

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Wohnraum: Hier wohnte und schlief der Kommandant des Objekts. Das Bettgestell und die Möbel waren NVA-Standard. Auf dem Tisch steht ein Aschenbecher. Wahrscheinlich war das Rauchen nicht verboten. In den Gängen waren zahlreiche Feuerlöscher installiert.

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Posterblick nach draußen: Ein Wandbild aus der Werbung für Orwo-Filme hätte im Ernstfall daran erinnert, wie es außerhalb des Bunkers einmal ausgesehen hat.

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Kombüse: Das Küchenpersonal war verantwortlich für die Verpflegung von 300 Leuten. In Lagerräumen waren Fleisch, Kartoffeln, Brot und weitere Nahrungsmittel bevorratet - ähnlich wie auf einem Schiff. Es standen eine Offiziersmesse und eine Mannschaftsmesse zur Verfügung.

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Würzige Bunkerrelikte: In handelsüblichen Plastikbehältern wurden Gewürze wie Nelken, Kümmel, Piment, Muskat und Thymian vorgefunden. Bei einer Bunkerführung schrie eine Frau auf. Sie hatte diese Behälter vor vielen Jahren beschriftet.

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Hauswirtschaftsraum: In einer Werkstatt konnten notwendige Reparaturen durchgeführt werden. Schraubstock, Bohrmaschine, Kleinteile und Arbeitsschutzmittel waren vorhanden.

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Ersatzteillager: Die Behälter für Schrauben und Kleinteile brachten die Werktätigen von zu Hause mit - wie etwa Plastikschalen der Margarine Cama.

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Werkstattbüro: Telefon, Wechselsprechanlage und Feuermelder reichten aus, um Reparaturen auszuführen. In insgesamt neun Gängen waren Alarmsirenen installiert.

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Verwaltung: Jeder Armeeangehörige hatte im Bunker Tessin seinen Wehrdienstausweis mit Erkennungsmarke bei sich zu tragen - hier in der Kaderabteilung wurden die Dokumente der "Insassen" verwaltet.

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Hygiene: Umfangreiche Sanitärräume wurden in beiden Etagen des Objekts eingerichtet.

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Offen: In der NVA war es üblich, dass die Boxen auf der Toilette keine Türen hatten. Ein Verstecken vor dem Frühsport war so nicht möglich.

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Duschraum: Die Versorgung mit Wasser war anscheinend ausreichend gesichert, um der hohen Raumtemperatur von 34 Grad entgegenzuwirken. Im Bunker befindet sich ein Brunnen, der Wasser aus 15 Metern Tiefe schöpfen kann. Die Duschen der Offiziere waren etwas mehr gefliest.

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Damen-WC: Auch die Frauen des Kommandostabs der Volksmarine hätten im Ernstfall ihre Arbeitsplätze in den Bunker verlegt.

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Bunker-Praxis: Wer Beschwerden hatte, konnte sich im "Med-Punkt" melden. Es standen drei Behandlungszimmer zur Verfügung.

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Verrostet: In einem grauen Blechschrank, üblich in allen Einrichtungen der "bewaffneten Organe", überdauerte ein medizinisches Instrument die Zeit.

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Für kühle Köpfe: Die Klimaanlage war an Federungen aufgehängt.

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Mannschaftszimmer: In diesem Raum schliefen zwölf Personen in dreistöckigen Betten. Ein winziger Spind stand für Kleidung und persönliche Dinge zur Verfügung. Bei der Volksmarine waren die Mannschaften enge Verhältnisse gewohnt.

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Im Garten Eden: Das Sterbezimmer im Bunker Tessin, der letzte Zufluchtsort nach erfolgter atomarer Schlacht, ist ein besonders gefederter Raum mit Teppich, Tapete, Sitzecke und Bildern an der Wand - hier ein Werk des französischen Illustrators Jean Effel: "Die Erschaffung der Welt" (1945).

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