DDR-Indianer - DER SPIEGEL
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DDR-Indianer Skalptänze im Wilden Osten

Eingesperrt im sozialistischen Osten, träumten sie vom Wilden Westen: In der DDR verkleideten sich Hunderte Bürger als Indianer. Ihre Stämme hießen "FDJ Kulturgruppe für Indianistik Hiawatha" oder "IG Mandan-Indianer". Doch ob beim Tomahawk werfen oder Bisontanz - die Stasi campte immer mit.
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"Schnelles Pferd" in seinem Wohnzimmer: Joachim Giel - hier 2009 in seinem Wohnzimmer in Leipzig - fuhr meist mit dem Rennrad ins Indianerlager. Seine "Stammesbrüder" gaben ihm deswegen den Namen "Schnelles Pferd".

Foto: David Klaubert
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Indianeralltag in der DDR: Ein vollbepackter Trabi vor einem Tipi. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Indianerzeremonie: Nach der Schwitzhütte mit Jim Castilla 1973. Die Schwitzhütte, bei den Indianern Nordamerikas wie auch bei anderen Völkern der nördlichen Halbkugel verbreitet, dient der zeremoniellen Reinigung und physischen Gesunderhaltung und Heilung bei Erkrankungen.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Tanz den Büffel: Die Mitglieder der "Interessengemeinschaft Mandan-Indianer" gehen voll und ganz in ihrem Hobby auf. Sie basteln Schmuck, nähen sich Kostüme und vollziehen die Rituale der Indianer - wie hier einen Büffeltanz.

Foto: Joachim Giel
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Tipi vor Platte: Indianisten beim Nationalen Jugendfestival der Freien Deutsche Jugend (FDJ) 1984 in Berlin.

Foto: Werner Turski / Suhrkamp Verlag
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Tipi an Tipi: Die "Indian Week" 1995 in Auma/Triptis (Thüringen). Das Treffen von ostdeutschen Indianisten findet seit 1973 jährlich statt.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Im wilden Osten: Joachim Giel und sein Bruder in den fünfziger Jahren, verkleidet als Indianer zum Leipziger Volksfest Taucha. "Wen einmal dieser Bazillus befallen hat, der bleibt für immer ein Indianer", sagt Giel heute.

Foto: Joachim Giel
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Indianer-Tradition: Die Auseinandersetzung mit indianischen Riten und Tänzen machte aus vielen Indianisten regelrechte Experten. Das detaillierte Wissen reicht vom Musikinstrumenten bis hin zum Tipibau, von den Stammesgesetzen bis zu alten nordamerikanischen Sprachen.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Mit Federschmuck und Mokassins: Gerry und Addi Hiddisch mit Stämmen. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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An den Marterpfahl: Neben den Hobbyindianern gab es in der DDR immer auch Cowboys, die ihr Hobby aber lange im Verborgenen pflegen mussten, bis sie als Repräsentanten des amerikanischen Landproletariats eine eigenständige Legitimation fanden. In dieser Aufnahme von 1958 wird ein Cowboy von einem Indianer an einen Marterpfahl gebunden.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Staatliche Kontrolle: Die "Verbindungsspinne Indianistik" des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik zeigt die Beziehungen zwischen ostdeutschen Indianerfreunden auf. Die Wildwest-Fans wurden von der Staatssicherheit der DDR überwacht und unterwandert, gleichzeitig jedoch auch gefördert und politisch instrumentalisiert.

Foto: BStU / Suhrkamp Verlag
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Old Manitou: Der erste Indianistikklub der DDR in einer Aufnahme aus den fünfziger Jahren. Der 1956 in Radebeul gegründete Klub "Old Manitou" war über viele Jahrzehnte Anlaufstelle für ostdeutsche Westernfreunde.

Foto: Brigitte Hüttner / Suhrkamp Verlag
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Addi Hiddisch: Der damalige Jungkrieger des Indianistikklubs "Old Manitou" mit seinen Frauen im Jahre 1969.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Die Akte "Tomahawk": Diese operative Personenkontrolle der Staatssicherheit der DDR vom 8. Februar 1983 bis zum 31. Mai 1985 richtete sich gegen einen Aktivisten der Solidaritätsbewegung, die sich für die Bürgerrechte der amerikanischen Ureinwohner einsetzte. Mit Erfolg, denn bald arbeitete der einst verdächtige Indianist als inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi.

Foto: BStU / Suhrkamp Verlag
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In "Klamotte": Chief Pete Potlatch - eigentlich Peter A. - in authentischer Nordwestküsten-"Klamotte" in den achtziger Jahren. "Klamotte" steht in der Szene der Indianisten für indianische Trachten.

Foto: Peter Altmann / Suhrkamp Verlag
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Antiimperialistischer Kampf: Manche Hobbyindianer in der Deutschen Demokratischen Republik identifizierten sich mit dem antiimperialistischen Befreiungskampf der nordamerikanischen Ureinwohner.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Indianertanz: Teilnehmer des Nationalen Indianerfestes 1986 im AGRA-Park Leipzig.

Foto: Siegfried Jahn / Suhrkamp
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Reservatskarte: Übersicht der Reservate, die die Indianisten in der Deutschen Demokratischen Republik gründeten.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Wilder Osten: Messerwerfen eines Volkskunstkollektivs im Jahre 1982. Die ostdeutschen Indianerfreunde sollten sich gesellschaftlich einbringen und einen Beitrag zum Aufbau des Sozialismus leisten - mit ihren Unterhaltungsprogrammen waren sie ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der DDR.

Foto: Gerhard Fischer / Suhrkamp Verlag
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Der Indianerkapitalist: Chief Pete Potlatch, der sich speziell für die Indianer des Nordwestens Amerikas interessierte, wollte mit seinem Indianistenklub ganz unsozialistisch Geld verdienen. Gegenüber offiziellen Stellen erklärte er indessen, die Indianer des Nordwestens seien eigentlich "sowjetische Indianer", um den Funktionären die Relevanz seines Hobbys zu verdeutlichen. Hier ist Pete Potlatch in einer Aufnahme aus dem Jahre 1987 zu sehen.

Foto: Suhrkamp Verlag
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Indianisten-Stadtfest: Die ostdeutschen Indianisten, die nach dem Bau der Berliner Mauer eine offizielle Legitimation und eine Funktion beim Aufbau des Sozialismus erhielten, repräsentierten die Opfer des US-Imperialismus und trugen so zur sozialistischen Bildungsarbeit bei. Aufnahme aus den achtziger Jahren.

Foto: Suhrkamp Verlag
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