DDR-Kaderschmiede Denken, aber richtig!
DDR-Kaderschmiede: Das Signet der "Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR" in Potsdam.
Walter Ulbricht: Der SED-Generalsekretär, hier auf einem Porträt vom Juni 1960, war auch Namenspatron der "Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR 'Walter Ulbricht'". Nach seinem Sturz wurde der Name Ulbrichts in Zusammenhang mit der Akademie dann stillschweigend fallengelassen.
Abgeschirmte Elite: Das Hauptgebäude der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR in Potsdam-Griebnitzsee. Heute befindet sich darin ein Standort der Universität Potsdam. Das gelände war Sperrgebiet und weiträumig abgeriegelt. Auch die naghegelegene S-Bahnstation Griebnitzsee durfte von DDR-Bürgern nicht betreten werden.
Hilde Benjamin mit Enkeln: Hilde Benjamin, Justizministerin der DDR von 1953 bis 1967, war zuvor ab 1949 Vizepräsidentin des Obersten Gerichts der DDR und Vorsitzende Richterin in zahlreichen Schauprozessen gegen politisch Andersdenkende gewesen. Ihre Verantwortung für zahlreiche Todesurteile trug ihr den Spitznamen "Blutige Hilde" ein. Wohl um ihre menschliche Seite zu zeigen, ließ sie sich 1965 medienwirksam als liebevolle Großmutter mit ihren beiden Enkelkindern fotografieren.
Wider die "Blutige Hilde": Eine antikommunistisches Propaganda-Broschüre der westdeutschen "Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit" attackierte auf dem Titelblatt Hilde Benjamin, die berüchtigte DDR-Justizministerin (von 1953 bis 1967). Benjamin war als Richterin zwischen 1948 und 1953 an zahlreichen Schauprozessen und Todesurteilen beteiligt. Von 1967 bis zu ihrem Tod im April 1989 war sie Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Geschichte der Rechtspflege an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam.
Der Nachwuchs marschiert: Die FDJ-Delegation der Akademie für das Deutschlandtreffen 1950 in Berlin. Die Aufnahme wurde wahrscheinlich noch am ersten Standort in Forst Zinna gemacht, damals hieß die spätere ASR noch "Deutsche Verwaltungs-Akademie 'Walter Ulbricht'".
Rektor Kröger: Lange Jahre leitete der gebürtige Dortmunder Herbert Kröger die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR in Potsdam. Kröger, ein ehemaliges NSDAP- und SS-Mitglied, war in sowjetischer Gefangenschaft zum Kommunismus konvertiert.
Richter-Schnellkurs: Weibliche SED-Kader bei der Ausbildung zur Volksrichterin im April 1950 in Berlin. Die Vorbildung der Teilnehmer war für die Zulassung eher zweitrangig, es zählte "fortschrittliches demokratisches Denken". Die Ausbildung bestand in erster Linie aus den "Grundlagen des Marxismus-Lenismus", nicht aus juristischen Inhalten.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-R97604
Angehende "Volksrichter": Teilnehmerinnen des "2. Jahrlehrgangs für Volksrichter und Staatsanwälte" von 1950. "Fortschrittliche Menschen, die sich bereits beim Aufbau bewährten, wurden von Parteien und Massenorganisationen für diesen Zweck delegiert", heißt es in der Originalbildunterschrift zu dieser Propagandaaufnahme. "Etwa 40 Prozent (der) Lehrgangsteilnehmer sind Frauen. Ein grosser Teil von ihnen ist verheiratet. Trotz der anfallenden Hausarbeit und anderen Schwierigkeiten, mit denen die berufstätige Frau immer noch zu kämpfen hat, zeigen gerade diese Frauen im Volksrichterlehrgang gute Fortschritte."
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-R96726
Merkel und Tillich: Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) winkt bei einer Wahlkampfveranstaltung gemeinsam mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel am 27. August 2009 im sächsischen Freiberg von der Bühne aus dem Publikum zu. Weil Tillich "vergessen" hatte, in einem amtlichen Formular die Teilnahme an einem Lehrgang der SED-Kaderschmiede Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR im Frühjahr 1989 teilgenommen zu haben, geriet er im Wahljahr 2009 in die Kritik.
Minister Junghanns: Der Brandenburger Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, hier auf einem Bild vom 8. Mai 2007 , erwarb sein Diplom als Staatswissenschaftler 1986 an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR - "nach Fernstudien", wie er in seinem offiziellen Lebenslauf mitteilt.
Innenpolitiker Scharfenberg: Der innenpolitische Sprecher der Partei Die Linke, Hans-Jürgen Scharfenberg, bei einer Landtagssitzung am 23. Januar 2008. Seine Doktorarbeit über "Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung als wichtiger Bestandteil der ideologischen Manipulierung der BRD-Bürger" schrieb er an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR in Potsdam, wo er auch bis 1989 auch stellvertretender SED-Parteisekretär war.
Oberbürgermeister Gramlich: Das damalige SPD-Stadtoberhaupt von Potsdam, Horst Gramlich, hier am 19. Dezember 1993, hatte vor der Wende viele Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR gelehrt. Ab 1990 lenkte er die Geschicke Potsdams, bis er 1998 durch einen Bürgerentscheid abgewählt wurde.
Urkunde zum Väterländischen Verdienstorden: Im Oktober 1969 bekam die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR vom SED-Regime diese Auszeichnung verliehen. Wer hier ausgebildet wurde, war ohnehin von der Partei handverlesen. Schon in den fünfziger Jahren lag der Anteil der Studenten mit SED-Parteibuch bei weit über 80 Prozent.